Nach einer Kollision mit dem Torpfosten träumt sich Highschool-Quaterback Jonathan (Peter Berg) an die Schauplätze von blutigen Morden, die sich in der Realität in seiner Nachbarschaft ereignen. Für die Polizei, die erst zweifelt, wird er schnell zum wichtigen Zeugen und bringt den gesuchten Serienkiller Horace Pinker schließlich sogar auf den elektrischen Stuhl. Dieser ist jedoch nicht so leicht tot zu kriegen und poltert selbst nach seiner Hinrichtung als elektromagnetischer Killergeist fröhlich weiter, nimmt unbescholtene Mitbürger in Besitz und missbraucht diese für seine Gräueltaten…
Wohl auf dem Erfolg seines NIGHTMARE ON ELM STREET aufbauen wollend (die Freddy-Reihe ging derzeit in die fünfte Runde und verlor zusehends an Elan), kreierte Kult-Regisseur Wes Craven (u.a. SCREAM 1-4, THE HILLS HAVE EYES, LAST HOUSE ON THE LEFT) SHOCKER, einen Film in Elm-Street-ähnlichem Storysetting. Ein psychotischer Killer in einer Kleinstadt, der über den Tod hinaus mordet. Allein schon das Intro, in welchem die verdreckten Hände des Meuchelmörders in Nahaufnahme in irgendeiner Werkstatt an schrottigem Metall herumschrauben und –löten. Dann noch die Geisterkinder auf dem Spielplatz und Jonathans Freundin, die als bleiche Geistergestalt mit guten Ratschlägen von den Toten zurückkehrt – all das erinnert schon arg an das Pizzagesicht mit der Rasierklingenhand. Im Vergleich zum beliebten Traumdämon killt Elektro-Geist Pinker (dämlicher Name!) etwas weniger effektvoll, dafür aber ähnlich sarkastisch, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass die fiesen Sprüche hier allesamt nach hinten losgehen. Freddys Wortwitz verfehlt Brutzelmann Pinker folglich um Lichtjahre.
Unterm Strich bietet SHOCKER astreines 80er-Jahre-Horrorfeeling, das im Verlauf des Films leider mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen wird und in einen konfusen, beinahe experimentellen und satirischen Showdown mündet. In diesem zerrt Rotzlöffel Jonathan Pinker in den Fernseher und hüpft mit ihm dann im Stile von ZAPPING oder STAY TUNED von Programm zu Programm, was ziemlich lächerlich geraten ist und der an sich recht ernsten Grundstimmung des Films widerspricht. Die Kills sind so lala, diverses im Stich- und Schlitzbereich. Die Besessenheitsthematik mit Psychokillern als Body Hopper (sehr beliebt hierbei: Satanisten und Aliens) taucht auch immer wieder mal im Horrorfilm auf, siehe z.B. PENTAGRAMM – DIE MACHT DES BÖSEN oder THE HIDDEN – DAS UNSAGBAR BÖSE. Pinker schlüpft in sämtliche Kleinstadt-Charaktere, seien es Polizisten, Footballtrainer oder kleine Mädchen, und wechselt Körper via Zungenkuss. Deutliche Parallelen gibt es auch zu HOUSE III - HORROR HOUSE mit Lance Henriksen, in welchen ebenfalls ein Massenmörder nach seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl Rache nimmt.
In den Hauptrollen agieren Peter Berg, früher Schauspieler (Jungarzt Billy Kronk in CHICAGO HOPE), derzeit Regisseur (VERY BAD THINGS, HANCOCK, BATTLESHIP), und als Psychokiller Pinker Mitch Pileggi, bekannt für seine Rolle als Scullys und Mulders Vorgesetzter Skinner in AKTE X.
Besonders stimmig fällt hier der Soundtrack aus: Durch die Bank wilder 80’s-Hardrock, u.a. von Iggy Pop, Bonfire und den Dudes of Wrath (nie gehört, aber cooler Name!). Besonders eingängig: Megadeth, die eigens für den Film "No More Mr. Nice Guy" von Schockrocker Alice Cooper covern.
"Ich kapier's nicht! Du sagst, dass Pinker immer noch am Leben ist und dass er ganz einfach in die Leute hinein springt als sei er ein Känguru, das Amok läuft!?"
Fazit:
Kultiger, kleiner 80’s-Horror mit deutlichen Schwächen in der Story. Im Grunde ein Plagiat von NIGHTMARE ON ELM STREET, wenngleich auch ein einigermaßen unterhaltsames.