Den internationalen Hofer Filmtagen wurde im Oktober 1984 eine ganz besondere Ehre zu Teil, die Weltpremiere von Wes Cravens "Nightmare on Elm Street" und seinem Freddy Krüger präsentieren zu dürfen. Damals ahnte wohl niemand, dass die nur 2 Millionen $ teure Mischung aus Horror und Fantasy der Startschuss für eine der populärsten und einprägsamsten Filmreihen der 80er Jahre werden sollte, Freddy Krüger mordete sich durch weitere 4 Streifen bis 1989, er gilt heute neben Jason Vorhees und Michael Mayers als die Horrofilmikone dieses Jahrzehnts. Gerüchten zu Folge war Craven selbst jedoch mit der Qualität der Reihe ab Teil 4 unzufrieden, daher versuchte er mit dem 1989 erschienenen Shocker und dessen ähnlich mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Serienkiller Horace Pinker ein weiteres Franchises nach seinen Vorstellungen zu etablieren, doch Shocker enttäuschte finanziell (Budget 5 Millionen $, Einspiel 16 Millionen $) und die bereits feststehenden Forsetzungen Nr. 2 + 3 gingen niemals in Produktion.
Dabei setzt Shocker noch mehr wie der oben genannte Nightmare on Elm Street auf paranormale Einflüsse und verwischt geschickt die Grenzen zwischen Realität, Traumwelt und virtueller Umgebung. Zum Ende des Films zelebriert Craven aber sein erschaffenes Fantasiekonstrukt fast schon in groteskem Ausmaße, was selbst bei seiner Fangemeinde auf ein eher geteiltes Echo stieß. Nach zahlreichen brutalen Tötungsdelikten kann der Fernsehtechniker und Serienmörder Horace Pinker (Mitch Pileggi) von Leutanant Don Parker (Michael Murphy) sowie seinem Stiefsohn Jonathan Parker (Peter Berg) endlich dingfest gemacht werden und die beiden erwarten mit Genugtuung dessen Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl, da Pinker die Familie von Don und Jonathans Freundin Alison (Camille Cooper) brutalst ermordete. Laut Filmplakat wird Horace Pinker am 02. Oktober morgens um 6:45 Uhr exekutiert, doch wer dachte, die Sache sei nun ausgestanden, der irrt sich, Pinker kehrt zurück, stärker und mächtiger als je zuvor während Jonathan versucht ihn mit Hilfe seiner Freunde und der Liebe Alisons zu stoppen.
War Shocker bis dahin, von Jonathans Fähigkeit Pinkers mörderischem Treiben im Traum zu folgen einmal abgesehen, ein relativ ernster Slasher mit düsterer Grundstimmung und Spannungserzeugung durch Pileggis genial psychopathischen Aura sowie der subtilen Andeutung von Gewalt, so schlägt der Streifen ab Zeitpunkt X abrupt einen anderen Weg ein. Shocker mausert sich zu einem kurzweiligen, action- und temporeichen Genremix mit fantasievollen Einfällen sowie transzendent anmutenden Wendungen. Die Geschehnisse auf Mark und Bein und dessen Logik zu überprüfen ist hier keine empfehlenswerte Option, der Zuschauer sollte sich eher von den größtenteils gelungenen innovativen Ideen, wie beispielsweise Pinkers elektrisierende Macht und dessen Körperwandeln beeindrucken lassen. Die Belohnung ist eine wirklich atmosphärische und mitreißende Abendunterhaltung, die durch themenpassende, rockig metallische Klänge von Megadeth, Alice Cooper & The Dudes of Wrath musikalisch unterstrichen wird. Der einzige Wehrmutstropfen ist das selbst in Wes Cravens sympathischem Visionsgebilde übertrieben wirkende, streckenweise abstruse Finale, dies war meiner Meinung nach des Guten ein kleines bisschen zu viel.
Müsste ich die schauspielerische Leistung der einzelnen Darsteller beurteilen, würde Mitch Pileggi, der vielen aus Akte X bekannt sein sollte, mit aller höchster Wahrscheinlichkeit als High Performer deklariert werden, ich habe selten eine so diabolisch perfide Wesenssimulation eines geistesgestörten Killers gesehen. Dass im Vergleich zu Horace Pinker die anderen Figuren wie Jahrmarktstatisten wirken, kann man nicht behaupten, auch Peter Berg als emotional gebeutelter Jungspund Jonathan Parker oder Camille Cooper als feenartige Schlüsselperson Alison liefern zumindest annehmbare Ergebnisse ab. Ein zusätzliches positives Ausrufezeichen setzt Michael Murphy als Leutanant Don Parker, der mir vor allem in der Szene, in der er vom Geiste Pinkers besessen war, ausgezeichnet gefiel. Ohne Bewertung auf Grund kleiner Nebenrollen würden Heather Langenkamp als Pinker Opfer (Nancy aus Nightmare on Elm Street), Jonathan Craven als Jogger im Park (Sohn vom Regisseur) und Kane Roberts als Bauarbeiter (ehemaliger Gitarrist von Alice Cooper) aufgeführt werden, die den in ihrer Gesamtheit gut ausgewählten Cast komplettieren.
Der graphische Härtegrad ist im Großen und Ganzen überschaubar ausgefallen, die Gräultaten des Killers werden in den meisten Fällen der Vorstellungskraft des Publikums überlassen, wobei laut Wes Craven dies nicht immer zu 100 Prozent freiwillig geschah. Der Film musste der MPAA insgesamt 13 mal vorgelegt werden, damit er letzten Endes das lukrative R Rating erhielt. Der Schere zum Opfer sollen unter anderem ein blutiger Fingerabbiss Pinkers an einem Gefängniswärter, ein längerer Stromschlag sowie Teile der Ermordung an einem Footballspieler und Einzelbilder vom Selbstmord des Coaches gefallen sein, dies würde so manche abgehackt wirkende Einstellung auch erklären. In Deutschland wurde die ungeschnittene R Rating Fassung aus Amerika übernommen und ab 18 Jahren freigegeben, mittlerweile fand eine Neuprüfung statt, seit 2017 ist der Film ungekürzt für Jugendliche ab 16 zu genießen, abschließend betrachtet stellt diese Wertungsanpassung auch an den im Film gezeigten Geschehnissen bemessen eine zeitgemäße Freigabe dar.
Wes Cravens Shocker ist sicherlich ein Werk, dass auch die Fans in zwei Lager gespalten hat, da die etwas unkonventionellen überdrehten Inhalte nicht unbedingt jeder Manns Sache sind, entweder man liebt ihn (sowie ich) oder man macht einen weiten Bogen um den Film, neutrale, sachlich nüchterne Meinungen dürften zu Wes Cravens Freddy Krüger Verschnitt eher die Minderheit sein. Für mich persönlich zählt Shocker ungeahndet des aus meiner Sicht enttäuschenden Finales zu einem alle Jahre wieder kehrenden Dauergast in meinem DVD Player, der Streifen wird auch nach mehrmaligem Anssehen nie richtig langweilig und unterhält prächtig, von daher sind 8 von 10 Punkte ein aussagekräftiges und gerechtes Fazit.