“Everyone else at film school wanted to be a writer or director or actor. I was the only one who wanted to be a producer.”
~ Randall Emmett
“His normal mode of business is being sketchy. He just spins all these plates in the air and doesn’t care how they crash.”
~ Teresa Huang
“If you throw Randy out the door, he comes in the window. If you throw him from the window, he comes down the chimney.”
~ Avi Lerner
Ein Leben über den Verhältnissen, Minusgeschäfte, private bzw. dann auch Gesetzesübertretende 'Verfehlungen', finanzielle Gaunereien und ein übersteigertes, in der Realität nicht entsprechend Halt findendes Selbstbewusstsein haben die vor einigen Jahren noch relativ vielversprechend scheinende Karriere des Randall Emmett mittlerweile nicht nur zum Halten, sondern zum Absturz gebracht. Emmett, der die berüchtigte Produktionsschmiede EFO zusammen mit George Furla gegründet und diese vermehrt mit den dann ebenso berüchtigten DtV - Ausflügen von Bruce Willis bestückt und auch aufgebaut hat, musste auf dieses Pfund zum Wuchern in den letzten Monaten dann krankheitsbedingt auch verzichten, der letzte Nagel zum Sarg, der eine proklamierte Abkehr des Produzenten von Produzieren hinweg zu einer zukünftigen Tätigkeit als reiner Regisseur zur Folge hatte.
Schritt Nummer Eins auf diesem Wege war Midnight in the Switchgrass (2021), ein auf wahren Begebenheiten geschriebener Crime Thriller, wo Willis selber bereits deutliche Ausfallerscheinungen hatte, und der Film selber sich sicherlich Mühe gab, aber typische Anfängerfehler und mehr Gewilltsein als Geschick inhaltlich, formell dann biedere Konventionalität aufwies. Der ursprünglich Wash Me In The River betitelte Savage Salvation ist nun die Fortführung einer eventuell neuen Karriere (Cash Out mit John Travolta über einen Banküberfall ist bereits in der Postproduktion), oder auch nicht:
Die frisch verlobten Shelby John [ Jack Huston ] und Ruby Red [ Willa Fitzgerald ] wollen insgesamt einen neuen Anfang in ihren Leben und beschliessen gemeinsam eine Abkehr vom Drogenkonsum, unterstützt auch von ihrem Stiefvater Peter [ John Malkovich ], behindert dafür durch ihren früheren Dealer Elvis Kincaid [ Swen Temmel ]. Als es dieser trotz Warnungen zu weit treibt und ein Unglück passiert, geht der ehemalige Soldat Shelby John auf Rachefeldzug, mitr den lokalen Polizisten Sheriff Church [ Robert De Niro ] und Detective Zeppelin [ Meadow Williams ] auf den Fersen.
Gewalt zu Beginn und am Ende, dazwischen die Erzählung, ein Monat die Zeitspanne, vier Wochen Kriminalität und Rachefeldzug, erst der Versuch eines normalen Lebens, dann die Umkehrung. Das Umfeld ist die Mitte Amerikas, abseits der Großstädte, abseits der Moderne, draußen auf dem Lande, die Flachbauten, die Countys, die alltäglichen Probleme. Die Arbeit geht von 9 bis 5, die Leute arbeiten entweder gar nicht, oder schaffen für die Rente, die Gegend ist von Flora und Fauna attraktiv, aber in Sachen Besitz und Bestand ärmlich, Drogenkonsum allerorten, Plastikringe zum Heiratsantrag, Zukunftsaussichten wenig rosig bis gleich erbärmlich.
Die letzten vielen Filme von Willis haben zumeist auch in derlei Umgebung gespielt, kleine Orte, bessere Bezirksstädte, sogenanntes White Trash Milieu, hier führt De Niro die Gefolgschaft an, wobei der Schauspieler gesundheitlich besser zurecht ist, etwas mehr (einen einwöchigen) Einsatz deswegen hat und auch mehr Geld (ganze 11 Mio. USD) dafür bekommt, De Niro sorgt wie Willis für die Aufmerksamkeit der ab November 2020 in Puerto Rico gedrehten Produktion und (wie auch Malkovich) für etwas mehr Klasse und Würde; die eigentliche Hauptrolle hat Jack Huston, der erst Ersatz für Taylor Kitsch war und den ehedem geplanten Colson Baker auch ist. Baker wäre durchaus interessant gewesen, Kitsch hätte hoffentlich Veto beim anfangs nichtig ausufernden bis uferlosen Skript, einer gedehnten Einfallslosigkeit eingelegt.
"This whole town is dying. It feels like nothing is what it used to be. No kids out playing. No parents, no stores. Nobody is in the stores. Just dying."
Die Verortung der Geschichte erfolgt über vielerlei Drohnenaufnahmen, über unwesentliche Szenenbilder, über Momentaufnahmen und einzelne abgehakte Einstellungen, musikalisch mit Balladen und Country voll gespielt, Stimmungseindrücke eher. Wohl auch aufgrunddessen, dass hier der Chef selber hinter der Kamera sitzt, wirkt die Produktion auch (ein wenig) größer als sonst üblich, wird nicht ganz im Kleinklein gebadet, ist die Zahl der veranschlagten und genutzten Drehtage (von zuweilen knapp über einer Woche) auch signifikant höher. Etwas mehr Geld auf der einen Seite, etwas mehr gewollte Bedeutung, die Zuflucht in die Religion, die Abkehr vom Drogenkonsum als Ausweg aus dem hiesigen Elend; dafür weniger Fokus, weniger bis gar kein Tempo, Minimalismus ist manchmal doch nicht schlecht. Nachdem man sich (auch als Zuschauer) durch einen kalten Entzug gequält hat und ewiglange Pärchenszenen, kommt man allmählich zum Punkt und dem Beginn der zwingenden Handlung, eine geschlagene Dreiviertelstunde (Füllmaterial) nach dem Vorspann und eine Liebesszene auf einer grünen Wiese später und einer Immer Ärger mit Bernie - Referenz.
Das, was danach kommt, in der zweiten Hälfte des Filmes, ist dann minimal besser, es hat etwas Wut im Bauch, es geht nach vorn und damit voran, es geht zumindest in die Bewegung. Jemand wird mit der Nagelpistole gekreuzigt, ein feierwütiges Hotel besucht, in dem Schüsse im Gang die Belegschaft nicht erschrecken und auch die anderen Gäste nicht weiter stören, es gibt einen bombigen Überfall auf einen Drogentransport und eine schießlastige Stürmung der verranzten Verbrecherburg, und noch eine Überraschung, die keine ist.