In Teilen Amerikas leisten manche Cops offenbar solange Dienst, bis sie umfallen. Jedoch nicht aufgrund Schusswaffengebrauchs. Denn nur so lässt sich erklären, warum der 79jährige Robert De Niro einen Polizisten verkörpert, weil andere relevante Rollen bereits besetzt waren. Gewiss, schön ihn mal wieder zu sehen und per Stammstimme von Christian Brückner zu hören, doch aufwerten kann er den austauschbaren Rachefilm nicht.
Eigentlich waren die Verlobten Shelby (Jack Huston) und Ruby (Willa Fitzgerald) auf einem guten Weg: Einige Wochen erfolgreich auf Drogenentzug und den Segen für die anstehende Hochzeit von der Familie erhalten. Doch dann wird Ruby rückfällig und setzt sich den goldenen Schuss. Getrieben von Rache setzt Shelby zu einem unbarmherzigen Feldzug gegen die Drahtzieher an…
Zunächst mit einer Nagelpistole, wie die Exposition mit kleinen Splattereinlagen untermauert, als Drogendealer Elvis nicht ans Kreuz, jedoch an die Wand genagelt wird. Bis es jedoch zum blutigen Streifzug mit einigen Stationen kommt, vergehen endlos lange 50 Minuten Sozialstudie mit Drogen und Entzug. Wie so etwas vergleichsweise mitreißend inszeniert werden kann, untermauerte einst „French Connection“ mit Gene Hackman, doch hier verfällt man beinahe in dieselbe Lethargie wie die Betroffenen.
Umso erstaunlicher, wie Shelby ohne sichtliche Trauerzeit sogleich den Schalter umlegt, um den ehemaligen Soldaten (was sonst…) herauszuholen, um sich durch die Reihen der opioiden Verteilkreise zu ballern. Immerhin macht er dabei eine weitgehend überzeugende Figur, obgleich diverse Schusswaffen mit vergoldeten Teilen wohl eher aus dem Fantasyshop stammen dürfen und es im Übrigen wenig Sinn macht, einem abtrünnigen Kriminellen erst die Hand mit einer merkwürdigen Kreissäge abzutrennen, um ihn zwei Sekunden später per Kopfschuss von jenem Verlust zu erlösen.
Dass Teile des vermeintlichen Actioners in Puerto Rico gedreht wurden, fällt allenfalls während einer ungelenk in Szene gesetzten Verfolgung durchs grüne Unterholz auf, wogegen andere Schauplätze recht beliebig anmuten. Schlimmer ist allerdings der Einsatz einiger unpassender Songs in ebenso unpassenden Momenten, wie eine erbärmliche Variante von „Amazing Grace“. Auch sonst zählt der Score nicht zu den Highlights cineastischer Untermalungen.
Wenig besser bestellt ist es um die Mimen um De Niro und John Malkovich, die beide mehr gelangweilt denn motiviert ihr Routineprogramm abspulen. Huston und Fitzgerald bilden zwar eine passable Chemie, doch sie gehen nur bedingt als Sympathieträger durch. Auf Seiten der Antagonisten bemühte man sich einstweilen um tätowierte Menschen mit Klischeefrisuren und glitzerndem Gebaumel, von denen niemand als markant durchgeht.
Letztlich muss man also nur die richtigen Leute töten und sich einer Flusstaufe unterziehen, um sich irgendwie durchzuschlagen, zur Not schickt man auch zwei weiße Pferde auf die Wiese, um von bisweilen trüben Gedanken abzulenken. Die Action reißt allerdings kaum mit, es mangelt an Dynamik und nachvollziehbaren Schritten innerhalb der Rachetour und auch ein Twist vermag mithilfe des kurzfristig ausgepackten Erklärbären kaum zu überzeugen.
Ein Vergeltungspfad, der trotz einiger Symbolik wenig Erhellendes mit sich bringt.
4 von 10