Andy Sidaris hat die schlichte Formel „Bullets, Bombs and Boobs“ als Quintessenz seiner Filme ausgemacht und damit ein erstaunliches Maß an analytischem Gespür bewiesen. Nicht, dass man über ein solches verfügen müsste, um seine Werke zu genießen. Ganz im Gegenteil. Ein mehr an intellektueller Herangehensweise ist hier ein deutliches weniger an Spaß. Bei wem jetzt vorschnell die Trash- und Pulp-Jalousien runtersausen, der sollte den geistigen Rolladengurt mal kurz straff ziehen. Sicher schadet eine Grundsympathie für filmische Exploitation mitnichten und mit einer veritablen Abneigung ist man definitiv raus, aber ganz so einfach lässt sich der gute Andy nicht in die Schublade packen. Was gut ist, weil komplex. Also nicht der Plot, oder die Figuren, oder das Setting, aber wir schweifen ab.
Der - Überraschung! - auch von Quentin Tarantino hoch geschätzte Sidaris ist ein Emmy-Gewinner. Also ein TV-Adeliger. Von den 1960er bis zu den späten 1980er Jahren produzierte und dirigierte er hunderte von Sportsendungen, darunter auch die Olympischen Spiele. Dabei hat er vor allem technische Pionierarbeit geleistet und Innovationen wie Videobeweis, Zeitlupenwiederholungen oder Splitscreens mit angeschoben. Seine ganz besondere Spezialität - und damit schlagen wir mehr oder weniger elegant den Bogen zu seinem Spielfilmschaffen - waren aber die „Honey Shots“, also das prominente ins Bild rücken besonders attraktiver Cheerleader oder diverser Schönheiten unter den Zuschauermassen.
SEVEN - nicht zu verwechseln mit dem Killer-Thriller Finchers, obwohl, das Etikett passt irgendwie dennoch, wenn auch anders als gedacht - ist der zweite Kinofilm des selbsternannten BBB-Profis und ein echtes Statement. Kugeln fliegen reichlich, in die Luft auch so einiges und Brüste gibt es in allen Größen und Formen. Ansonsten ist da nicht viel, aber das macht nichts, denn so kann man sich genau wie der Regisseur unbeschwert auf das Wesentliche konzentrieren. Was ein echter B-Film ist, auch wenn er so mit vier Bs aufwarten kann, muss natürlich auch so etwas wie eine Story präsentieren um die Schauwerte notdürftig zu verknüpfen. Im vorliegenden Fall geht es um ein ominöses Kartell vor deren Attentatsorgie die allmächtige CIA einknickt und keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Undercover-Allzweckwaffe Drew Savano (William Smith) anzuheuern, damit die den verfilzten Laden mal so richtig ausmistet.
Dass ausgerechnet ein amerikanischer René Weller-Verschnitt der omnipotenten CIA aus der Patsche helfen soll, ist einer der besten Gags der wilden Exploitation-Mixtur. Ausstaffiert mit Goldkettchen, Schnauzer und einer barbusigen Schönheit, empfängt er den biederen Behörden-Gesandten und macht sich nach dem Festzurren einer sechstelligen Gage sogleich ans blutige Werk. Selbiges gedenkt er allerdings in Teamarbeit zu verrichten, denn die Kartellspitze besteht aus einer mindestens 7-köpfigen Hydra, die es simultan zu enthaupten gilt. Also schreitet er in bester „Magnificent Seven“-Manier zur Tat und trommelt sechs weitere Experten für unsanftes Ableben zusammen.
Das rekrutierte Personal ist genauso bunt zusammen gewürfelt wie der ganze Film und nimmt den NDW-Hit „Ich will Spaß, ich geb Gas“ vorweg. Einer hält sich für einen Cowboy und tötet per Colt. Ein anderer schmeißt Bomben aus Flugdrachen. Dazu gibt es noch einen stämmigen Martial Arts-Experten, einen abgehalfterten Stand Up-Comedian, einen schrulligen Gadget-Liebhaber und zwei mörderische Damen, die ihre Reize gern als Köder auslegen. Sidaris lässt sich über eine halbe Stunde Zeit um Savanos Killer-Sextett mitsamt ihrer vorgesehenen Opfer vorzustellen und pfeift dabei fröhlich auf irgendeine gängige Form von Dramaturgie. Langweilig wird’s trotzdem nie, denn man bekommt nicht nur ordentlich Stoff für die Lachmuskeln, sondern auch einiges fürs Auge, denn schließlich ist Mr. Honey Shot hier nicht den Prüderie-Zwängen des Fernsehens unterworfen.
Wer knisternde Spannung, eine logische Handlung, versiertes Schauspiel oder gar auch nur Anflüge von Ernst oder gar Tiefe erwartet, ist hier völlig falsch. SEVEN ist purster Eskapismus für VHS-Jünger, die einen solchen Quatsch zu genießen wissen. Auch Feminismus-Anwälte und -innen dürften kaum ohne Schnappatmung auskommen, denn Sidaris frönt - wie in allen seinen Filmen - hemmungslos seiner Leidenschaft für Playboy-Bunnies und Penthouse-Schönheiten. Dazwischen gibt es ein paar toll photographierte Surfeinlagen, die nur der Sidaris-Unkundige für Stock Footage hält, zumal sie für die Handlung nicht die geringste Relevanz haben. Immerhin versteht er auch etwas von Actioninszenierungen der rüderen Gangart, so dass aus der launigen Blödelei auch eine knallige wird. AAA steht ja bekanntlich für bestmögliche Bonität und ist ein global anerkanntes Gütesiegel. BBB dagegen mag so mancher als Dreifach-Schund abtun, andererseits ist genau das wiederum in bestimmten Kreisen ebenfalls ein ganz besonderes Prädikat. Wer's nicht glaubt, dem sei SEVEN - mit dem schön doofen deutschen Zusatz „Die Super Profis“ - wärmstens empfohlen nach dem Motto: Behauptung Braucht Beweise.
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(White Pearl Movies hat der lange Zeit indizierten Trash-Perle ein schmuckes Mediabook spendiert mitsamt kultigem Retro-VHS-Cover und Booklet. Die umgeschnittene FSK 18-Fassung gibt es darin auf Bluray und DVD.)