Eher Nordmanntanne als Plastikbäumchen
Warum gucke ich im Hochsommer einen bisher relativ untergegangenen Weihnachtsfilm auf Apple+? Mit Ryan Reynolds und Will Ferrell, die beide mittlerweile arg auf meinem „Mensch, geht der mir auf den Sack!“-Dampfer unterwegs sind?! Weil mein Abo dort in wenigen Tagen ausläuft. Ganz einfach. Und weil man Filme schneller nochmal eben abhakt als manche Serien a la „Severance“ oder „Ted Lasso“, die schon ewig auf meiner Liste stehen… „Spirited“ ist ein spiritueller „Scrooged“-Nachfolger und eine mehr als nur Charles Dickens-inspirierte Weihnachtsgeschichte über einen Geist der Weihnacht, der sich dieses Weihnachten einen ganz besonderen, schlechten Charakter ausgesucht hat, um ihn zu „bekehren“ bzw. auf einen tugendhafteren Pfad zu bringen, zu einem besseren Menschen zu machen - doch sein Ziel dreht den Spieß kurzerhand um…
Es weihnachtet peripher…
„Spirited“ hat mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht. Und das im August… Ferrell und Reynolds waren lange nicht mehr so „drin“ und wenig nervig. Beide können singen. Die Chemie stimmt auffällig. Das Konzept ist eh zeitlos und wird geschickt modernisiert, gekippt, aufgebrochen und aufgepeppt. Viele Songs (samt Choreos!) sind klasse. Das Wortspiel „Greatest Snowman“ liegt da nah. Das „Apfelgeld“ ist wieder mal sichtbar und spürbar - lange sah kein Weihnachtsspektakel mehr dermaßen hochwertig und fein aus! Die Verbindungen von Dickens zu Murray und wieder zurück zu unserem Duo Ferrell/Reynolds sind clever. Aber auch alleinstehend macht „Spirited“ eine Menge Spaß und füllt seine ambitionierten 130 Minuten mit Herz, Seele, Musik, Charme und Witz, einer Menge Songs bis tief in die Credits. Und von all dem wesentlich mehr als ich vorher je erwartet hätte. Wenn ihr also in ca. 4 Monaten mal nicht wissen solltet, was ihr gucken könnt oder euch Klassiker dieses verschneiten Fachs aus dem Hals hängen, ihr nichts gegen (augenzwinkernde) Musicals und ihr vielleicht Apple+ habt - warum dann nicht „Spirited“ eine Chance geben und genauso auf seine Kosten kommen wie ich. Vielleicht springt ja etwas Magie über!
Gesang gegen Grinchs
Fazit: vielleicht kein direkter Xmas-Klassiker… Aber überraschend spaßig, hochwertig, schwungvoll. Und in seinen besten Momenten, wenn er voll im Groove ist, sogar ziemlich toll… Hätte ich so nicht erwartet. Da bin ich kein Scrooge!