Regisseur Julian Gilbey, der selbst regelmäßig als Kletterer unterwegs ist, verarbeitet offenbar häufiger Erlebnisse rund ums Wandern und Bergsteigen, wie er bereits 2011 mit „A Lonely Place to Die -Todesfalle Highlands“ untermauerte. Mit „Summit Fever“ begibt er sich ins Terrain der Big Three, - Eiger, Matterhorn und Mont Blanc und liefern teils atemberaubende Bilder, bei denen die Story meilenweit hinterher hinkt.
Michael zählt zu den aufstrebenden Kletterern, während sein waghalsiger Freund JP Sponsoren sucht und zuweilen übermäßige Risiken eingeht. Als die beiden mit zwei weiteren Bergsteigern den Mont Blanc bezwingen wollen, dreht sich das Wetter inmitten des Aufstiegs…
Mal abgesehen von eventuell vorhandener Höhenangst gibt es den einen oder anderen Schweinehund zu überwinden, um trotz solider Ausrüstung eine steile Felswand zu bezwingen, wie einige frühe Bilder eindrucksvoll untermauern. Gilbey weiß genau, wo er die Kamera zu positionieren hat, wie Drohnen kreisen müssen, um den kleinen Kletterer innerhalb einer schneebedeckten Felsenmasse zu verdeutlichen. Gleichermaßen arbeitet der Schnitt effektiv, wenn jeder Schritt oder jeder Griff nach festem Halt der letzte sein könnte und der Blick nach unten einen schier endlosen Abgrund freigibt. Die Kletteraktionen, gedreht an Originalschauplätzen bilden definitiv die Highlights des Bergsteigerdramas.
Ein auffälliges Mankos sind hingegen die Figurenzeichnungen. So ist Ryan Phillippe in einer Nebenrolle nur zu sehen, um den arroganten Amerikaner einfließen zu lassen, während JPs Motivation, möglichst viel in kurzer Zeit zu bewältigen kaum triftige Gründe erhält. Obgleich Michael mit dem Trauma einer verstorbenen Schwester ausgestattet wird, erhält seine Figur nicht allzu viel Tiefe, wozu auch die Liaison mit einer Skifahrerin wenig beiträgt. Im Gegenteil: Teile der Romanze lassen einige Durchhänger entstehen und obgleich die Chemie zwischen den beiden Mimen stimmt, nehmen diese Parts im Verlauf deutlich zuviel Raum ein und driften überdies ein wenig ins Kitschige ab.
Immerhin schickt man sich im letzten Drittel an, die Spannung merklich anzutreiben, während Sturm und Gewitter hausen und der finale Aufstieg zum Fiasko mutieren könnte. Überraschend ist bei alledem eine gewisse Kaltschnäuzigkeit gegenüber jenen, die tödlich abstürzen, denn derartige Ereignisse werden beinahe beiläufig abgehandelt. Das steht ein wenig im merkwürdigen Kontrast zur deutlichen Kritik gegenüber den Sponsoren, die immer mehr Risikobereitschaft von den Extremsportlern fordern.
Wer sich gerne in schwindelerregende Höhen begibt, wenn auch nur aus der Distanz, wird mit den versiert festgehaltenen Kletterszenen und dazugehörigen Spannungsmomenten ganz ordentlich bedient, wogegen die Story mitsamt Romanze eher oberflächlich daherkommt.
Darstellerisch wird tauglich abgeliefert und auch der Score hält sich angenehm zurück, um die natürlichen Umgebungsgeräusche wirken zu lassen. Etwas mehr Action und etwas weniger Drumherum hätten innerhalb der zu lang anmutenden 115 Minuten gewiss nicht geschadet.
6 von 10