In einem kleinen Ort vor der malerischen Kulisse der Tiroler Berge lebt die Familie Blum, die eines Morgens ganz unvermittelt einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen muß: als der Polizist Mark, Vater zweier Kinder, sich auf den Weg zur Arbeit macht, wird er von einem Wagen gerammt und verstirbt. Trotz Suchfahndung seiner Kollegen bleibt der Unfallflucht begehende Fahrer wie auch das Fahrzeug unauffindbar.
Während die Familie (die beiden Kinder, der Großvater Karl und Helfer Reza) noch trauern, will die Witwe (Anna Maria Mühe), die ein Bestattungsunternehmen führt und die alle nur "Blum" nennen, nicht an einen Zufall glauben und unternimmt eigene Nachforschungen. Dabei stellt sich schnell heraus, daß der Verstorbene kürzlich von einer jungen Frau kontaktiert wurde. Die fortan auf eigene Faust herumschnüffelnde, titelgebende Totenfrau Blum spürt das Mädchen auch bald auf und hört von der versteckt im Wald lebenden Rumänin Dunja eine schier unglaubliche Geschichte: sie sei gemeinsam mit anderen nach Österreich gekommen, doch statt des erhofften Jobs wurden die Mädchen in einer Art Orgie von maskierten Männern ermordet. Sie selbst habe fliehen können, und Mark hatte ihr Hilfe versprochen - doch jetzt ist Mark eben tot.
Blum, die Dunja bei sich zuhause aufnimmt, besucht daraufhin einige Dorfbewohner, die sie im Verdacht hat, mit der Sache zu tun zu haben. Ohne ein Geständnis zu erlangen ermordet sie nun ihrerseits einen nach dem anderen und läßt deren Leichen einfach verschwinden - als Bestatterin hat sie darin schließlich Übung. Doch das spurlose Verschwinden einiger Einheimischer, noch dazu scheinbar grundlos und ohne Ankündigung, bleibt natürlich nicht unbemerkt...
Einen Bestsellerroman zu verfilmen verspricht eine gewisse Quote, und so entstand nach bewährt-berüchtigtem Muster auch dieser 6-Teiler als deutsch-österreichische TV-Coproduktion unter der Regie von Nicolai Rohde für Netflix. Daß derlei Fernsehunterhaltung zu Vermarktungszwecken möglichst universell gestaltet und abgedreht wird, kennt man ja bereits, und so hat auch die Totenfrau nichts mit Tirol oder Österreich zu tun, sondern könnte genausogut auf Helgoland, den Azoren oder an der kalifornischen Küste spielen. Erwartungsgemäß hat die stark am Zeitgeist ausgerichtete Handlung keine Entsprechung in der Realität, sondern verspricht einen den TV-Gewohnheiten angepassten, leicht konsumierbaren, schnellen Nervenkitzel.
Unter diesen Voraussetzungen ist also ohnehin nichts Besonderes zu erwarten, was die Totenfrau jedoch vollends ungenießbar macht, ist die - vom ersten Moment ihres Auftauchens an - unsympathische Hauptdarstellerin: Anna Maria Mühe in ihrer Rolle als Blum hat nämlich weder Einfühlungsvermögen noch irgendein Charisma, sie ist ganz im Gegenteil unliebenswürdig, besserwisserisch und springt anderen stets mit dem Arsch ins Gesicht. Die Morde begeht sie nicht aus irgendeinem erkennbaren Rachegefühl, sondern eher nebenbei, in jedem Fall jedoch völlig emotionslos. Sie selbst hat erstaunlicherweise gar kein Gewissen, zündet beispielsweise den gefesselten Pfarrer an, den sie vorher mit Benzin übergossen hat - und geht dann einfach (muß ja zum nächsten Mordopfer). Daß die zeitweilig auch mal laut keifende Miss Marple für Arme nach 5 Morden aufhört, liegt nur an der erwähnten Anzahl von Tätern, ansonsten würde Blum wohl munter weitermachen.
Genauso unrealistisch wie die sinnlosen, nur auf einen persönlichen Verdacht hin erfolgenden Morde ist übrigens die ganze Handlung, die auf die Aufdeckung eines geheimen Zirkels abstellt, der, so wird kolportiert, schon seit Jahren Snuff-artige Verbrechen an jungen Frauen verübt. Mehr dazu erfährt man freilich in keinem der 6 Teile, und außer einem 5-minütigen Rückblick auf einen Mord im Dorf vor langer Zeit gibt es auch nichts, was diesen Zirkel näher charakterisiert. Das reicht natürlich keineswegs, um auch nur irgendeine Spannung aufzubauen, und der solchermaßen wenig authentische, um nicht zu sagen an den Haaren herbeigezogene Plot, gepaart mit der unerwartet laxen Suche der Polizei und der Angehörigen nach den Verschwundenen, in dem in jeder zweiten Szene auch noch die sehr von sich selbst überzeugte Blum herumspaziert, erzeugt dann nach anfänglichem Kopfschütteln zunehmend Langeweile und Gähnen.
Auch wenn die hanebüchene Story (in der der als Hilfsbestatter eingestellte Syrer Reza tatsächlich den einzigen positiven Charakter darstellt) dann zum Schluß hin auf einen sich bereits zuvor ankündigenden Plot Twist hinausläuft, zeugt es durchwegs von Beharrlichkeit, sich diesen substanzlosen Mist bis zum Ende zu geben.
Krimi-Freunde sollten aufgrund der riesigen Logiklöcher sowieso tunlichst die Finger davon lassen, aber auch sonst kann dieses nur mit ein bißchen Gesinnung gewürzte Stück TV-Beliebigkeit niemandem empfohlen werden. 1 Punkt.