Review

Roadtrip mit Stuhlgang & Torschlusspanik

Nachdem Makoto Shinkai mit „Weathering With You“ und vor allem „Your Name.“ ein paar der größten modernen Animeblockbuster aus dem Land der aufgehenden Sonne erschaffen hat, kommt er nun mit „Suzume“ der Geschichte, dem Pathos und der Tragik Japans näher denn je - ohne seine populären Massenqualitäten links liegen zu lassen. Wir folgen einem jungen Mädchen auf einer Reise vom Süden bis in den Norden Japans, zwischen verwunschenen Stühlen, frechen Katzen, nationalen Traumata und bodenerschütternden Toren und Türen zu einer anderen Welt…

Das Mädchen, das durch das Land sprang

„Suzume“ ist tief in/mit der Seele und den Ängsten und Traumata Japans verwurzelt. Ähnlich wie etliche Gojiras wird hier nicht nur über magische Stühle, dunkle Mächte und leckeres Essen berichtet, sondern ganz deutlich und nicht nur unterbewusst vom Umgang mit Schmerz, Verlust und Zerstörung. Aber auch von Heilung, Hoffnung und den wunderschönen Ecken und Seiten des Landes, seien es gigantische, dichtbesiedelte Städte oder romantische Naturschauplätze samt Landbevölkerung. „Suzume“ ist ängstlich, aber auch stolz und süß. CoMix Waves Films macht auf Augenhöhe mit dem Studio Ghibli ohne Frage momentan die schönsten Animes. Das ist optisch die reinste Pracht und ein Gemälde in fast jedem Frame. Dazu hat der Score sensible wie epische Momente im 5-Minuten-Takt. Und die Figuren, animalisch-fantastische wie menschliche, sind nachvollziehbar, sympathisch und man guckt sie einfach gerne an. Für mich kommt „Suzume“ vielleicht nicht ganz an „Your Name.“ ran, liegt aber stabil auf dem Silberrang des Studios. Und das ist beinahe Meisterniveau, man kann es nicht anders sagen. Man erfährt in „Suzume“ auch geographisch viel über Japan, aber wie gesagt vor allem seelisch, philosophisch und gesellschaftlich-menschlich. Dazu hat mir lange kein Film mehr dermaßen Hunger gemacht. Emotional und packend. Spektakel und Tagebuch in einem. Ganz klein und ganz groß. Ganz ruhig und ganz laut. Absolut wundervoll. 

Fazit: wundervolle Reise durch Japans Land und Geschichte, Freude und Schmerzen, Fantasie und Realität. Der bitterste Entwurf des Regisseurs? Und dennoch süß? „Suzume“ gewinnt Herzen und regt Gedanken wie Gedenken - selbst wenn Japans Trauer um verlorene Menschen alles andere als ein neuer Ansatz der Verarbeitung, Bewältigung und Ehrerbietigung ist. 

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