Als die junge Suzume eines Morgens auf dem Weg zur Schule den holden Sôta trifft und dieser sie fragt, ob es hier irgendwo ein verlassenes Dorf gibt, denkt sie sich noch nicht allzu viel dabei. Bei einem baldigen Wiedersehen geraten die Dinge aber schnell außer Kontrolle, denn eine Tür in eine andere Welt wurde geöffnet, aus der sich ein riesiger Wurm über die Stadt erhebt. Die Tür zu schließen ist dabei nur der Anfang einer Reise, die Suzume auch mit einem zurückliegenden Verlust konfrontiert.
Audiovisuell ist der von Makoto Shinkai geschriebene und inszenierte Anime „Suzume“ gelungen, was die Optik allein angeht sogar hervorragend. Technisch und stilistisch ist das sauber, detailreich und intensiv. Farben, Animationen und Schauplätze – das Design bietet immer was für's Auge und so sieht der Film durchweg toll aus. Trotz vieler digital erstellter Bilder.
Leider können Geschichte und Erzählung nicht ansatzweise mithalten. Ergeht sich die erste Hälfte immer wieder in einem Kreislauf um das Auftauchen der manifestierten Bedrohung, bleibt auch nach einer etwas zugespitzteren zweiten Hälfte nicht viel, was einen wirklich greift. Gerade für jemanden wie Shinkai, der sonst den emotionalen Part beherrscht, ist „Suzume“ enttäuschend. Trotz all der Türen, äußeren wie inneren.
Die Geschichte um den Verlust in der Familie, der hier mit-aufgearbeitet wird, gehört ja fast schon zum Genre-Einmaleins. Dazu wirkt es wenig nachvollziehbar und aufgesetzt, dass Suzume derart auf Sôta fliegt und manche sehr lange unscharf gezeichneten Figuren um sie herum erschaffen zu keiner Zeit eine Dichte. Völlig daneben ist der Film auf dieser Ebene nicht, aber sind es einfach zu viele Abschnitte, die ungewohnt wenig Eindruck hinterlassen und auch in ihrer Phantastik zu wenig liefern. Gerade der Blick hinter die Tür wird inhaltlich zu sehr verwehrt.
Gelungen sind der Roadmovie-Aspekt und die spätere Einbindung zur Gruppe kommender Figuren. Die alles durchziehenden Metaphern sind da interessant und dennoch verwirrend bis hin zu überladend. Shinkai arbeitet reale vergangene (Natur-)Katastrophen ein, verbindet dazu das Schicksal seiner Hauptfigur und will gleich noch kollektive Traumata der Bevölkerung einweben. Vielleicht einfach etwas zu viel.
So ließ mich der Film auf der dramaturgischen Ebene oft kalt, kann aber eben mit seiner Optik überzeugen. Das hebt ihn letztlich über den Strich, reicht aber in Shinkais Werkschau (gerade im Vergleich zu manch anderem Film von ihm) nicht zu einem Highlight. Am Ende bleibt auch der Eindruck, dass er seine schon öfters verarbeitete Formel einfach erneut variiert hat.
Sieht toll aus, hat für mich erzählerisch aber nicht richtig funktioniert.