Heilige Familie Staffel 1
„Heilige Familie“ ist eine spanische Netflixserie, von der gerade die erste Staffel läuft. Für 2023 ist bereits eine zweite Staffel angekündigt. Die ist wegen der offenen Fragen am Ende der letzten Folge auch sinnvoll, man will wissen, wie es weitergeht.
Inhalt:
Seit drei Monaten lebt die alleinerziehende Gloria (Najwa Nimri) mit ihrem einjährigem Sohn Hugo und einem Au-Pair-Mädchen in einer der besseren Gegenden Madrids. Das denken zumindest Blanca (Macarena Gómez) und Alicia (Ella Kweku), ihre neuen Freundinnen aus der Gegend. Doch keiner weiß von ihrem bestens gehütetem Geheimnis: Das Au-Pair ist in Wirklichkeit ihre Tochter Aitana (Carla Campra), und einen weiteren Sohn hat sie auch noch, Abel (Ivan Pellicer), den sie tagsüber einschließt, damit er sich nicht verrät. Er darf nur abends das Haus verlassen. Doch dann ziehen Caterina (Alba Flores) und Germán (Álex García) in die Gegend, und alles kommt durcheinander...
Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Es ist bei dieser Serie schon sinnvoll, die Überraschungen und Wendungen nicht im voraus zu kennen. Und von denen gibt es genug.
Kritik:
Das geniale an dieser Serie ist, wie die persönlichen Probleme von fünf Müttern bzw. Nicht-Müttern, ihre Einbindung in bestehende oder nichtbestehende Partnerschaften zu einer Thrillerstory miteinander verwoben werden.
Der strukturelle Aufbau der Serie besteht aus der gegenwärtigen Handlung, die zunächst etwas unverständlich für den Betrachter abläuft, bis durch immer mehr gut gesetzte, niemals unverständliche oder zu lange Rückblenden die eigentliche Story aufgebaut wird. Das ganze läuft etwas gemächlich an, um dann im letzten Drittel richtig Fahrt aufzunehmen. Das ist gut so, nach zwei Folgen kennt man die Leute auch und ist „drin“ in der Serie, danach verspreche ich, hört man bis zum Ende auch nicht mehr auf. Die recht kurze Dauer der einzelnen Folgen macht es möglich, die Serie an einem Tag „wegzubingen“.
Interessant ist auch die Zeit, in der die Serie spielt, 1999. Ich bin da immer sehr kritisch, denn wenn so etwas schlecht dargestellt wird, verlier ich immer leicht die Lust, und ich achte da auch sehr auf Details. Aber hier stimmt alles: Vom altem Golf 2 des Nachbarn, der auch 1999 schon alt war, bis zum Belinea-Röhrenmonitor des Sohnes hat man dieses Jahr liebevoll nachgebaut, selbst lustige Anspielungen wie: „Das ist was neues, USB. Aber wer braucht so was? Ich glaube nicht, das sich das durchsetzen wird“ fehlen nicht. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.
Und nun zum Hauptthema der Serie: Die Familie bzw. die Frauen in Familien. Es gibt ein Paar ohne Kinder, das gern eins adoptieren möchte. Es gibt eine Mutter mit einem Downsyndrom-Jungen, deren Mann weit weg in Köln arbeitet. Und unsere Hauptdarstellerin, die alleinerziehende Gloria, die zwei ihrer Kinder offensichtlich verstecken muss. Dazu noch zwei andere Frauen, die ich leider wegen der Spannungserhaltung nicht näher beschreiben kann.
Die Probleme der einzelnen Paare bzw. Frauen kommen wohldosiert innerhalb der Haupthandlung vor, sie wirken nicht überzogen oder zu klischeehaft. Gloria und ihre Problematik, die ja zur Haupthandlung gehört, nimmt da natürlich den größten Teil ein.
Die Charaktere sind sehr detailliert dargestellt und von allen hervorragend gespielt, und was mir wichtig ist, sie bleiben sich auch treu und verändern sich nicht, weil es besser zur Handlung passen würde. Das ergibt starke Wendungen vor allen Dingen zum Schluss der Staffel.
Und damit kommen wir zum nächsten Punkt, dem Realismus. Ob der Hauptplot realistisch ist oder nicht, sei mal dahingestellt, ich finde ihn nicht unwahrscheinlich. Aber viel wichtiger ist, dass alle Beteiligten sich innerhalb der Handlung komplett logisch verhalten. Ich mag es überhaupt nicht, wenn man (wie leider oft genug) sich ständig in einem Film oder einer Serie fragt, warum tut er das? Das ist hier eindeutig nicht der Fall, man kann die Handlungen der einzelnen Charaktere in ihren Rollen passend zur Handlung jederzeit nachvollziehen, selten, dass es so stimmig in einer Serie ist.
Fazit:
Für mich eine der besten Serien der letzten Zeit, nach Servant. Eine Empfehlung und 10 Punkte gibt es dafür von mir. Ich hoffe auf eine ebenso gute zweite Staffel.