Review

Man könnte dem polnischen Okkult-Thriller vorwerfen, dass er sich lange Zeit nicht zwischen Krimi und Dämonenhorror entscheiden kann. Doch genau diese vermeintliche Unentschlossenheit gereicht ihm final zum Vorteil, auch wenn der Stoff zwischenzeitlich in trashige Gefilde abdriftet.

1987: Bruder Marek ist neu in dem Kloster in der Provinz, welches für seine Exorzismusrituale bekannt ist. In Wirklichkeit ist Marek ein verdeckter Ermittler, der das spurlose Verschwinden von acht Frauen untersuchen soll, deren letzte Spuren im Kloster enden…

Regisseur Bartosz M. Kowalski folgt einigen klassischen Motiven, die zunächst an konventionelle Exorzismusfilme erinnern, ein wenig an Verschwörungsvehikel wie „Die Neun Pforten“ angelehnt sind und zusätzlich ein paar Versatzstücke von „Das Omen“ aufweisen. Die düstere Atmosphäre in dem nasskalt anmutenden Gemäuer ist jederzeit stimmig, das Ambiente erscheint angemessen zeitlos und der Score setzt frühzeitig einige Akzente, obgleich er, trotz zahlreicher gelungener Passagen auf Dauer über Gebühr strapaziert wird.

Allerdings bleibt Hauptfigur Marek ein eher austauschbarer Ermittler, der augenscheinlich wenig Kompetenz mitbringt und hinsichtlich des Einsatzortes einige Kardinalsfehler begeht und auch sonst reichlich auffällig, weil laut recherchiert. Aus der Gruppe der Mönche gehen immerhin ein, zwei interessante Individuen hervor, welchen im Verlauf noch eine gewichtige Rolle zuteil wird, wogegen sämtliche Frauen reine Opferrollen bekleiden.

Leider kommt der Stoff zunächst nur schwer in Gang und über eine Handvoll Erschreckmomente und paranormale Indizien wie zerbrochene Spiegel kaum hinaus. Ein wenig Body Horror gesellt sich in Form ominöser Speisen hinzu und erst als Mareks Tarnung aufzufliegen droht, gerät ein wenig Bewegung ins Spiel. Dass sich die Geschichte nicht gänzlich ernst nimmt, offenbaren derweil einige unkonventionelle Verhaltensweisen der ominösen Kuttenträger, spätestens beim Konsum von Alkohol im Zusammenhang mit Popmusik von der Kassette.

Über den Verlauf des Showdowns dürften sich indes die Geister scheiden, als buchstäblich einiges auf den Kopf gestellt wird. Der Ausgang erscheint dennoch konsequent und im Kontext mit einigen okkulten Aspekten durchaus originell. Zudem gelingen Kowalski einige recht markante Einstellungen, die dem Vorlauf eventuell ebenfalls mehr Abwechslung verschafft hätten als die üblichen um 180 Grad gedrehten Kreuze.

Solide Mimen, eine passable Kamera und ein sauber abgestimmter Sound können einige Zeit nicht über den Einheitsbrei hinwegtäuschen, der vor allem den Mittelteil dominiert und zu wenig Suspense zutage fördert. Der finale Akt reißt das Ruder hingegen noch einmal herum und setzt mit den letzten Minuten ein kleines Ausrufezeichen hinter die düsteren Vorgänge.
Knapp
6 von 10

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