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Die Mandragora oder auch Alraune dürfte einigen Harry-Potter-Fans noch im Gedächtnis sein. Schließlich ist sie in der Folklore mit dem Hexenglauben verknüpft und man glaubte, beim Herausziehen der Wurzel stieße sie einen schrillen Schrei aus. Teile dieses Mythos griff Regisseurin Lynne Davison für ihr Debüt auf und verknüpfte die Thematik mit einem Kriminalfall.

Bewährungshelferin Cathy erhält die Aufgabe, sich um Mary zu kümmern, die 20 Jahre wegen des Mordes an ihrem Mann einsaß und im Dorf als Hexe verschrien ist. Als kurz darauf zwei Kinder im Ort spurlos verschwinden, ist der Mob sogleich aufgebracht…

Davison versucht mit ihrem Erstling Folk-Horror mit Krimi-Drama zu einer Einheit verschmelzen zu lassen, was ihr in der ersten Hälfte beinahe gelingt. Zwar schlägt die Erzählung ein eher gemächliches Tempo an, doch die wesentlichen Figuren sind rasch etabliert und die Anleihen mit okkultem Horror in Form von Hexenritualen, merkwürdigen Vorgängen im Wald und morbiden Vorzeichen wecken durchaus Erwartungen.

Einige Luftaufnahmen zeugen von einem überschaubaren Dorf, in dem sich Gerüchte natürlich hartnäckig halten und Außenseiter von vornherein keine Chance erhalten. Folgerichtig kocht Mary sprichwörtlich ihr eigenes Süppchen, hält sich nicht an die Regeln mit der Fußkette und sammelt fleißig Kräuter, während Cathy offenbar dran zu knabbern hat, dass ihr Ex, Polizist des Ortes, glücklich mit einer Dame liiert ist, welche zudem auch noch schwanger ist. Themen wie Mutterliebe, Fruchtbarkeit und Aufopferung schimmern immer wieder durch und erhalten im Verlauf zusehends an Bedeutung.

Der ursprüngliche Kriminalfall mit den verschwundenen Kindern entpuppt sich derweil als Enttäuschung, da diesbezüglich kein Geheimnis um den oder die Täter gemacht wird. Während die Motivation des Bösen allenfalls angedeutet wird, zerfällt auch das Konstrukt um das Okkulte. Obgleich mit einigen Visionen und Symbolen gearbeitet wird und die überwiegend erdigen Töne eine zuweilen stimmige Atmosphäre erzeugen, zerfasert die Geschichte zusehends, zumal sich einige Figuren auffallend dämlich verhalten. Dies gipfelt in einem Finale, welches auf ganzer Linie aufgrund seines unentschlossenen Ausgangs frustriert.

Die passabel aufspielenden Mimen, das insgesamt solide Handwerk und der effektiv und sauber abgestimmte Score täuschen nicht über die unausgegorene Geschichte hinweg, die zu selten Spannung erzeugt und erst recht nicht für Horrormomente sorgt. Zwischen Mutterschaft, tödlichen Wurzeln und vermeintlich heilbaren Krankheiten kommt man zu selten über Andeutungen hinaus, während sich der Krimianteil als banales Beiwerk entpuppt.
4 von 10

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