Der Kannibale von Zotenburg
„Feed Me“ spielt heftig mit dem schlechten Geschmack, verbindet hardcore Gorebrei mit schwarzem Humor, einem emotionalen Unterbau und absurden Außenseiterfiguren. Eine Mitternachtmische, die nicht jedem schmecken wird. Wahrscheinlich sogar nur den Wenigsten. Über einen Mann, der nach dem Verlust der Liebe seines Lebens depressiv ebenfalls Schluss mit dem Diesseits machen will - und dafür einen perfiden Pakt mit einem Kannibalen und bunten Vogel schließt, der ihn nach und nach essen soll/will/darf…
Schlecht Geschmack… schlecht gemacht?
Garstig, blutig, verrückt. Außenseitercharme trifft auf Barbarei. Von der Balance wirr und ungleichmäßig, aber das unterstützt wohl nur unsere Orientierungslosigkeit und das abstoßende Gefühl beim Zuschauen dieses fiesen Treibens. Das saftet ganz ordentlich. Der Gore hat mich mehr beeindruckt als die Witze und Spleens. Richtig über ein Schmunzeln hinaus ging's bei mir nie. Die Szenen, wo Arme abgeschnitten oder Finger verspeist werden, bleiben da schon wesentlich länger im Gedächtnis. Zusammen mit Neal Wards überdrehter, comichafter Performance. Früher wäre das sicher trotz allem Augenzwinkern ein Video Nasty geworden. Heute ist das nur ein abgestandener Snack für widerstandsfähige Mägen und Horrorfans mit Hang zu britischem Humor. Hat bei mir aber nicht genug gezogen. Einmal sehen reicht. Aufwärmen soll man Menschenfleisch ja eh nicht…
Fazit: Humor trifft harten, perversen Gore… morbide, anders, aber nicht durchgängig gut. In meinem Buch zumindest. Im Grunde aber ein Polarisierer. Und zumindest mutig. Krank und skurril. Kann nur aus England kommen. Medium Rare. Doch die blutige Rechnung geht nicht ganz auf.