Staffel 1 - 7,5/10
Staffel 1
Frisch aus Del Toros Gänsehautgiftschrank
Guillermo Del Toro hatte ein großartiges 2022 auf Netflix und öffnet mit „Cabinet of Curiosities“ in Zusammenarbeit mit einigen bekannten, angesagten Genrereisseuren sein spannendes Oberstübchen voller Schauer, Grusel und Horror. Mit 8 Episoden, die uns Zuschauern das Fürchten und Hinterfragen lehren sollen, wie in alten Zeiten. Zwischen Ober- und Unterwelt, zwischen Dies- und Jenseits, zwischen Wahnsinn und Wünschen, zwischen Untergrund und Oberfläche, Seele und Körper, All und Innerem.
LOT 36
6,5/10
Bei einer dieser Garagenauktionen kommt ein verbitterter Rassist in den Besitz eines Schlüssels, der sein Leben für immer verändern wird und ihm ein okkultes Ei in's Nest legt…
Netter Beginn mit einem grandiosen Monsterdesign am Ende und etwas plumper Gesellschaftskritik mittendrin. Braucht zu lang um warm zu werden. Ist aber auch der kürzeste Beitrag. Und wie gesagt ein solider, okkulter und monströser Beginn. Das Durchhalten lohnt sich.
GRAVEYARD RATS
7/10
Ein Grabräuber landet selbst unter der Erde - und durchgeht in einem Alptraum aus Erde, Ratten und Schatten ein höllisches Martyrium…
Was für eine wilde Geisterbahn unter der Erde, unter dem Friedhof, unter Ratten und in ständiger Dunkelheit. Und diese fette Mutterratte… Brrrrr!
THE AUTOPSY
8/10
Nach einem Grubenunglück und dem Fund einer seltsamen Leiche im Wald wird ein erfahrener Leichenpräparierer und Mediziner gerufen, um die gruseligen Verbindungen aufzudecken…
Mysteriös, monströs, Gedanken an „The Thing“ und Fulci. Apokalyptisch auf intimer Ebene. Für mich ein Lichtblick der Anthologie. Und F. Murray Abraham ist natürlich über jeden Zweifel erhaben und gibt jedem Stoff sein gewisses Etwas. Fies und auf den Punkt.
THE OUTSIDE
6,5/10
Ein „hässliches Entlein“ will zu der bitchy Elite aus ihrer Nachbarschaft gehören - doch die gefeierte „Zaubercreme“ aus einem schmierigen Home Shopping-Kanal entpuppt sich nicht nur für die Haut als schädlich bis ätzend…
Ana Lily Amirpour stand bisher ja immer für viel Style und eher arthousigeren Horror. Hier wandelt sie aber in den ekligen, fast schon trashigen Spuren von „The Blob“, „The Fly“ oder „The Stuff“. Hätte ich nicht erwartet. Und überrascht mich positiv. Hier beginnt der wahre Horror fast erst nach dem Abspann. Ein Abgesang auf unsere oberflächliche und leere Gesellschaft. Nicht allzu clever oder neu, auch mit ein paar Minuten zu viel auf der Uhr. Aber eine klasse Hauptdarstellerin, fieser Bodyhorror und die falschesten Lächeln seit langem reichen aus. Und natürlich der unwiderstehliche Dan Stevens, von dem auch ich wahrscheinlich jede Creme kaufen würde.
PICKMAN'S MODEL
6,5/10
Bei einem jungen Künstler verschwimmen durch die eindringlichen Gemälde eines mysteriösen fremden Alpträume, Ängste und Realität…
Ein weiteres Gothichorrorträumchen! Etwas lang, hätte man auch kürzer fassen können. Aber insgesamt sehr edel, creepy und wertvoll. Klassisch und gut. Die „lebendigen“ Gemälde sind großartig. Und das Finnish ist düster und ultraböse, hoffnungslos bis ins Mark.
DREAMS IN THE WITCH HOUSE
5,5/10
Ein Junge verliert seine Schwester als diese durch eine mysteriöse Hexenkraft in den Wald gezogen wird. Als immer noch leicht trauernder und verstörter Erwachsener findet er eventuell einen Weg sie zurückzuholen - oder alles noch schlimmer zu machen…
Ron Weasley in Gefahr. Oder so ähnlich. Eine weitere locecraft'sche Story. Aber man merkt, dass es eine ausgebreitete Kurzgeschichte ist. Das Lowlight der ersten Staffel. Lang, gewöhnlich, redundant. War für mich anstrengend dabei zu bleiben und nicht geistig abzuschweifen. Hat mich weder visuell noch emotional abgeholt. Auch das Hexendesign kickt nicht. Dennoch kein Müll. Nur eben austauschbar und schnell vergessen.
THE VIEWING
8,5/10
Eine Handvoll Genies auf ihrem Gebiet, von der Wissenschaftlerin bis zum Musikstar, werden auf das bizarre und futuristische Anwesen eines mysteriösen Milliardärs eingeladen - wo auf sie neben behäbigen Gesprächen, ultracooler Innenausstattung und einem exzessiven Drogenrausch auch noch ein tödlicher, außerweltlicher Stein wartet, der Gesichter schmelzen und Köpfe platzen lässt…
Ich bin einfach ein Sucker für den jungen Cosmatos. Was für ein hammer und sek selbstbewusster, verspielter Typ. Und hier zieht er sein „Mandy“-Ding gnadenlos weiter durch. Definitiv Style over Substance. Aber dennoch leider geil. Smooth, cool, housig, retrofuturistisch, grieselig. Einfach audiovisuell ein Rausch. Passenderweise. Monsterdesign nice. Peter „Robocop“ Weller mit Charisma und Crazyness - hell yeah. Für mich die beste Episode. Hook't!
THE MURMURING
6,5/10
Ein Ornithologenehepaar zieht sich nach dem Verlust ihrer jungen Tochter in ein einsames Haus zurück, um in Ruhe Vögel zu beobachten und zu studieren. Doch erstens beherbergt das Haus ebenfalls eine tragische Eigengeschichte und zweitens haben die beiden ihren eigenen Verlust zu vearbeiten und ihre Beziehung zu retten…
Jennifer „The Babadook“ Kent ganz in ihrem Element. Trauer. Verlust. Familie. Frigide Frau. Verdrängung. Alles vorhanden, durchaus emotional und creepy. Schön auch Andrew Lincoln nochmal außerhalb von Zombies und grauen Waldgebieten zu sehen. Aber für mich gibt’s keinen Grund, das dermaßen auf über eine Stunde aufzublasen und in Kents „Meisterwerk“ hat man ähnliche Trauerverarbeitung schon besser gesehen. Sehr ruhige Herangehensweise zum Abschluss. Kein Knall. Auch nett.
Fazit: die moderne „Creepshow“ mit massig Flair, Gänsehaut und Stil?! Guillermo Del Toro garniert uns mit seinem Kuriositätenkabinett einen empfehlenswerten und frisch-altmodischen Gruselgourmethappen. Ich hoffe inständig auf eine Fortführung - da es noch etliches Material und viele Möglichkeiten gibt!(7,5/10)