Großbusige, freizügige und brutale Frauen, triebgesteuerte und neurotische Männer, schnelle Autos und ein versteckter Schatz, hinter dem alle her sind – in einem seiner berühmtesten und wildesten Filme liefert Russ Meyer einfach alles, was nötig ist, um ein exzentrisch-durchgeknalltes Sexploitation-Abenteuer voll dramatischer Höhepunkte zu gestalten.
Schon der Titel ist ein Genuss für Trashfilm-Afficionados: „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“, oder, ebenfalls ein Fanal der deutschen Verleihtitelkunst, „Die Satansweiber von Tittfield“, hat ziemlich genau das zu bieten, was er verspricht. Mit hochgepushten Dekolletees, die die enormen Oberweiten der drei zentralen Frauen mehr als betonen, und einigen angedeuteten Nacktszenen bleibt der Film zwar weiterhin vergleichsweise harmlos, wälzt aber einige der zentralen Motive in Meyers Schaffen genüsslich aus: Bei ihm wird der Geschlechterkampf zum wortwörtlichen Duell auf Leben und Tod. Besonders spannend ist dabei die – gerade für die Entstehungszeit Mitte der 60er – ungewöhnliche Figurencharakterisierung. Die drei Frauenfiguren erweisen sich von der ersten Szene an als gewalttätige, gnadenlose Gangster, die für ihre Ziele zu jedem noch so brutalen Mittel bereit sind; die Männer wiederum sind durchgehend körperlich, charakterlich oder geistig eingeschränkt, reißen plumpest dreckige Witzchen, können aber den sexuellen und finanziellen Hunger der Frauen zu keinem Moment befriedigen. So wird hier mit beinahe nebensächlicher Eleganz das übliche Geschlechterstereotyp ewig libidinöser Männer und eher sexunwilliger Frauen umgedreht und den drei Frauen das Selbstvertrauen und die Eigenständigkeit zugestanden, ihre eigene Sexualität mit überwältigender Brutalität einzufordern. So lächerlich es angesichts eines Russ-Meyer-Films klingen mag: Das ist beinahe schon ein feministischer Akt der Klischee-Revolte.
Dass das so funktioniert, liegt unter anderem an der starken Besetzung. Allen voran natürlich Tura Satana, die durch diese Rolle berühmt-berüchtigt wurde, gibt ihre Rolle mit einer derartigen Intensität und Coolness, dass es ein Genuss ist. Mit rekordverdächtig tiefem Ausschnitt, stark geschminktem Gesicht und einer fesselnden Brutalität verfolgt sie jedes ihrer Ziele mit gnadenloser Effektivität, nutzt ihre körperlichen Reize zur Verführung und ihre unvorhergesehene Kraft zur Überwindung jeglicher Gegner. Für seine Zeit bietet der Film eine Reihe erstaunlich gewalttätiger Szenen – etwa der anfängliche Mord an einem angeberischen Autofahrer oder das mehrfache Überfahren diverser Leute mit irgendwelchen Autos – wodurch die leicht voyeuristischen Momente nackter und halbnackter Frauen schnell in den Hintergrund treten; und das trotz der naiv-harmlosen Opfer-Nebenrolle, die den gesamten Film im Bikini zu bestreiten hat.
Auch inszenatorisch zeigt „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ einige experimentelle und wilde Herangehensweisen. Etwa den ironischen Einstieg, in dem eine Stimme aus dem Off zu nach und nach aufploppenden Tonbalken erklärt, dass die Frauen in diesem Film alles ad absurdum führen werden, was man üblicherweise von Frauen erwartet (und das erweist sich schnell als keinesfalls übertrieben). In den Duellszenen gibt es immer wieder Unterperspektiven, und ob heftige Faustkämpfe oder rasante Rennduelle, Kamera und Schnitt fangen die temporeichen Szenen immer wieder dynamisch ein und erzeugen ein gehöriges Maß an Tempo und Spannung. So schlicht die Dramaturgie auch bleiben mag, das erst verbale, schließlich physische Duell der antagonistischen Fronten fesselt durchgehend und steigert sich zur langen Schlussphase schließlich zum hochdramatischen Spannungsfinale, in dem Gewalt und derbe Twists für gleich mehrere Höhepunkte sorgen. Angesichts der überschaubaren Mittel, die auch dieser Film offensichtlich wieder hatte (obwohl es schon nach etwas mehr aussieht als bei den Vorgängern), ist das überaus beeindruckend umgesetzt.
Mit Verve, Tempo und Gewalt setzt „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ neue Maßstäbe im Russ-Meyer-Universum, verbindet seinen voyeuristischen Alt-Männer-Geschmack an nackter Frauenhaut mit erstaunlich subversiver Geschlechterrollen-Umkehr und erzeugt so einen enorm ambivalenten, trashig-wilden, gemeinen und durchgehend spannenden Gewaltstreifen, der unter seiner plumpen und im Grunde inhaltsarmen Oberfläche einiges Diskussionspotenzial bietet. Ein echtes Highlight seines frühen Filmschaffens!