Review

Den Luxus gönn ich mir!

Es ist nicht immer leicht eine unredundante und sinnvolle Einleitung zu Reviews bzw. Filmen zu finden. Bei Brandon Cronenbergs Werken allerdings bisher als Genrefan schon, da seine Verbindungen, Querverweise und Erbstücke zu seinem legendären Vater einfach zu klar durchschimmern. Was aber ja gar nicht schlimm ist. Erst recht, wenn dabei dennoch eigenständige und klasse Werke wie „Antiviral“ oder „Possessor“ dabei herauskommen, die zwar die familiäre Bodyhorror-DNA in sich tragen, diese jedoch deutlich weiterentwickeln, eigen interpretieren und einer Verjüngungskur unterziehen. Wo wir schon beim Thema und „Infinity Pool“ wären, wo ein amerikanisches Pärchen im Luxusurlaubsresort Bekanntschaft mit ein paar reichen und seltsamen Touristen macht, die gerne dort auf der exotischen Insel Orgien sowie Blutbäder feiern - da ihnen auf bizarrste Weise keine Konsequenzen drohen. Zumindest nicht dieser Version von ihnen…

A Schockwork Orange

Was kompliziert klingt, lässt sich im Grunde auf Themen wie Identität, Luxus, Moral und Grenzen dieser herunterbrechen, exzellent und audiovisuell berauschend bis verstörend von Cronenberg in Szene gesetzt. Zwischen Wiedergeburt, Klonerei und Selbstbestimmung. Zwischen „Funny Games“, einem fiesen Maskenball mit Menschenfleisch und deutlichen „A Clockwork Orange“-Vibes mit akuten Sci-Fi-Elementen unserer Zeit. Absolut fesselnd und gemein. Wie Cronenberg Schmerz und Wunden rüberbringt, von Einschusslöchern bis Extremsex, wie er Träume und Halluzinationen darstellt, wie er Ebenen und Realitäten verschwimmen lässt - brutal gut! „Infinity Pool“ schlägt in die Magengrube, bleibt dabei mysteriös bis metaphorisch, aber auch unfassbar körperlich, viszeral und bissig. Mia Goth und Alex Skarsgard treiben sich in neue Höhen - und bei den beiden will das was heißen! Die Visuals, die Ambienttöne, die erzählerischen Unsicherheiten und allgemein die erbarmungslose Luxuszerfledderung, die noch weit über den Abspann hinaus geht - „Infinity Pool“ werde ich nicht vergessen. Und ich bin mir nichtmal sicher, ob ich ihn verdauen werde.

Fazit: verstörender und stylischer Mind- & Body-Horror vom „kleinen“ Cronenberg, der spätestens jetzt aus Papas Fußstapfen tritt. „Infinity Pool“ ist ein polarisierender, ungemütlicher Schocker für Genregrenzgänger! 

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