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Wie der Vater, so der Sohn


Brandon Cronenberg hat es geschafft, schöpferisch kongenial in die Fussstapfen seines legendären Vaters David (Die Fliege) zu treten. Bei dem Namen keine leichte Herausforderung, aber das der Filius über dieselbe Schöpferkraft verfügt, wie Daddy, bewies er bereits bei seinem Zweitling "Possessor". Aber wo Cronenberg das Etikett ziert, ist auch Cronenberg drin, versprochen.

Das Ehepaar Foster verbringt ihren Urlaub in dem fiktiven Resort Li Tolqua, dabei lernen sie das Pärchen Gabi Bauer mit ihrem Gefährten Alban kennen, die ebenfalls Strandurlaub geniessen. Nach einer nächtlichen Autotour kommt es zu einem tödlichen Unfall mit einem Einheimischen. Nach der Fahrerflucht können die Fosters allerdings am nächsten Morgen von der hiesigen Polizei gestellt werden.James Foster wird zum Tode verurteilt, allerdings birgt die Insel ein lukrativen Touristendeal: Gegen Gebühr wird ein exaktes Abbild des Verurteilten geschaffen und an seiner Stelle hingerichtet, während der eigentlich schuldige sein Leben weiterfrönen darf. James trifft sich weiterhin mit Gabi und Alban und weiteren Leidgenossen, die selbiges Schicksal auszubaden hatten und planen schreckliche Taten in Einheit mit Drogen, Alkohol und sexueller Lust. Irgendwann gerät alles ausser Kontrolle und James wird klar, in welch prekärer Lage er sich befindet.

Was zunächst idyllisch beginnt und nach Traumurlaub aussieht, malerisch in Zelluloid gefangen, mit auf kopf stehenden Bildern, wird schnell zum psychotischen Alptraum, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Cronenberg zeigt die Auswirkungen von gelebten Hedonismus und die Ausuferungen mancher Individuen; die Überschreitungen der moralischen Grenzen, Machtmissbrauch und kritisiert gleichzeitig den Einsatz von Klontechnik, der auf einer Seite verführerisch sein mag, aber auch missbräuchlich beäugelt werden sollte. Die Verquickung aus Demoralisierung und Drogenmissbrauch, die zum Exzess und sexueller Ausschweifung vor Augen geführt wird, gehalten in grell leuchtenden, zum wahnsinnig werdenden Fast Frame Cut, wirkt wie ein bizarrer Horrortrip. Wenn Grenzen der Realität und Surrealismus ineinander verwoben werden, alles zu einer Art Selbstfindungstrip gipfelt, Schuldkomplexe, Sünde, Moral verwischen, die Lust am Verbotenen gewinnt, ohne Sanktion zu erfahren, wird der gesellschaftliche Verfall schnell bemerkbar.

Cronenberg leuchtet somit den Body Horror des Klonens aus, was beim Betrachten des Abspanns nochmal deutlich wird, wenn die einzelnen Credits mehrfach untereinandergelegt werden. Er lässt es sich auch nicht nehmen, manch Gewaltexzess in extrem brutalen Bildern zu visualisieren, was einem die Spucke im Halse kleben lässt. Untermalt mit düster schwülstigem Score, der schwer bebt, macht "Infinity Pool" den Zuschauer zum Voyeur; kein Fest für Splattergurus, aber anspruchsvolle Kost mit zwei toll herausspielenden Stars, bizarr anmutend, schwer verdaulich und hart. Eben ein Cronenberg halt.


Ist die FSK:18 Freigabe gerechtfertigt?

Ja, düstere Bilder, schwere Atmosphäre, Drogen, Sex und Gewalt machen den Film zu einem Erwachsenentrip!


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