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Cady landet bei ihrer Tante Gemma, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Für Gemma steht ihre Arbeit im Vordergrund, sie ist für einen Spielzeughersteller tätig und kümmert sich um die Entwicklung von Produkten mit künstlicher Intelligenz. Mit einem ihrer Projekte, M3GAN, einem Android mit dem Aussehen eines Mädchens, freundet sich Cady schnell an. Was zuerst wie eine Hilfe zur Bewältigung ihres Traumas anmutet, entwickelt sich natürlich bald zur Gefahr für alle Beteiligten. Denn der von Gerard Johnstone inszenierte Mix aus etwas SciFi und Horror hangelt sich brav an den Standardvorgaben entlang, die bei dieser Ausgangslage in Sichtweite auftauchen.

Am Rande lässt er noch das Thema des Ersetzens menschlicher Kontakte oder der elterlichen Aufgaben einfließen. Dies bleibt aber eher Theorie, in der filmischen Praxis steigert sich das über jede philosophische Ebene hinaus, bis Cady gar nicht mehr ohne ihre Chuckina will. Das mündet dann in Stress wie bei Leuten, die ihr Smartphone keine fünf Minuten aus der Hand legen können. Das Hirn wird auf Ablenkung programmiert, irgendwann wird gequengelt, das Rationale ignoriert und die üblichen Konflikte sind da. Mit den Nachbarn, Cadys Tante oder deren Job. Wobei alle mal mindestens passiv aggressiv sind, Cady allen voran auch anstrengend, Gemmas Chef immer stressig und die Puppe dreht natürlich irgendwann am Rad.

Das sieht immerhin gut aus, M3GAN ist durchgehend das Highlight. Ein gelungenes Design, das eingehauchte Leben wird durch Spezialeffekte, visuelle Effekte und die Darstellerinen Amie Donald (Körper) und Jenna Davis (Stimme) realisiert. Die Mischung geht auf und wirkt durchweg ansehnlich, wenn auch manchmal an der Bildwiederholrate gefummelt wurde.
Das hätte man gerne am Skript machen können. Niemand erwartet hier Asimov, aber der Streifen interessiert sich auffallend wenig für die Hintergründe, die zu den erwartbaren Katastrophen führen. Man mag satirische Tendenzen erkennen zur Technikergebenheit oder zum Einfluss von KI und Smartgedöns auf unser Leben. Oder dass Eltern Gerätschaften die Erziehung übernehmen lassen. Da wäre mehr drin gewesen, aber wirklich auseinandersetzen wollte sich dann doch niemand damit. Lieber macht man Püppi zur übermächtigen Bedrohung, das erzählt sich leichter und auch effektreicher. Hart ist das alles nicht, spannend allerdings auch nicht. Dazu ist der Ablauf zu sehr Malen nach Zahlen. Da helfen auch die paar Szenen in der erweiterten Fassung nichts. Immerhin bleibt es überwiegend kurzweilig.

„You ungrateful little bitch.“

Chucky-Variante mit einer überzeugenden Hauptattraktion in einem überraschungsarmen Szenario. Die Figuren sind mehr oder minder anstrengend, der Ablauf erwartbar und überwiegend spannungsfrei mit ein paar wenigen Jumpscares. M3GAN lebt von seiner Titelfigur, der Rest nimmt den Weg des geringsten Widerstands. Schade im die Möglichkeiten.

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