Ein Kaiju aus Stock, Stein und Moos
Netflix schiebt in jede Tür ein Bein. Und „Troll“ aus Norwegen ist deren finanzielle Unterstützung für den internationalen Kaijufilm. Denn nichts Geringeres ist „Troll“, der eine wesentlich generischere und größere Herangehensweise an das Thema hat als der bessere, kreativere „Troll Hunter“, mit dem man ihn nicht verwechseln sollte. „Troll“ folgt sehr strikt seiner schon von King Kong bis Godzilla, von Japan bis Hollywood, von Emmerich bis Honda vorgegebenen Rechnung. Von unnötigen menschlichen Figuren, Wissenschaftlern, Regierungen über die übliche Zerstörungsorgien bis hin zum Mitleid am Ende - dieser steinerne Bergriese, der durch die norwegischen Lande Richtung Oslo zieht, kann (und will!) seine Vorbilder absolut nicht verleugnen…
Fast jede Szene aus „Troll“ hat man schon in anderen Kaijustreifen gesehen. Klar, das Subgenre wiederholt und zitiert sich gerne. Manche Muster gehören einfach dazu und funktionieren halt. Aber hier ist es schon massiv auffallend. Warum gefällt mir „Troll“ dennoch recht gut? Ja eben weil manche Muster, wenn sie gut ausgeführt werden, einfach klicken, klappen und funktionieren. Und Roar Uthaug hat schon mit „The Wave“ bewiesen, dass er Katastrophenkino und Spannung einigermaßen gut kann. Das ist schon Malen-nach-Monster-Zahlen. Aber seichte, solide Unterhaltung ist so garantiert. Unsere Heldin ist zudem süß und hat’s drauf. Ihre Versöhnung mit dem verrückten Einsiedlerdad ist klar. Die Empathie mit dem Koloss aus Stein funktioniert voll und ganz. Die norwegischen Landschaften sehen zehnmal schöner aus als zum hundertsten Mal amerikanische Sehenswürdigkeiten. Das CGI kann weitestgehend mit der Traumfabrik mithalten. Und alles ist eine gute Spur nordischer, normaler und auf dem Boden gebliebener als größere Titel und Namen. Daher hat das alles meinen Segen. Man darf nur natürlich nicht die Neuerfindung des Monsterrads erwarten. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn, dem bärtigen Höhlentroll!
Fazit: Schöner, klassischer und naturbelassener Megamonstermovie aus Norwegen - arbeitet sich zwar an der Checkliste seines Subgenres stupide ab, ist aber definitiv sympathischer als vieles dieser Gattung aus Hollywood!