Eher Exploitation als Emancipation...
Was wäre gewesen, wenn Will Smith bei den Oscars nicht ausgerastet wäre und (zusammen mit halb Hollywood!) nicht sein wahres Ich gezeigt hätte? Wären "Emancipation" und seine Leistung darin deutlich besser weggekommen? Ich denke ja. Aber jetzt auch nicht direkt hin zum Klassikerstatus, einem weiteren Oscar oder Ähnlichem. Never ever... Erzählt wird in der abartig aufwändigen Apple+-Produktion von einem Sklaven im Süden der USA zu der Zeit als Sklaverei gerade verboten und abgeschafft wurde - was jedoch noch lange nicht hieß, dass er für seine Freiheit nicht kämpfen bzw. fliehen musste...
Will Smith, du alter Sklaventreiber!
Ein bißchen kommt in den besten Momenten "Red Dead Redemption 2"-Feeling auf, ein bißchen wie eine sich (zu?) ernst nehmende "Django Unchained"-Antithese (dessen Hauptrolle Smith ja bekanntlich ablehnte!). Audiovisuell ein monochromes Meisterwerk, keine Frage. Aber der Rest? Smiths dick auftragende Performance? Die Handlung? Die Action? Die Spannung? Die Konflikte? Die Auflösung? Der Anspruch? Der Ton? Die "Message"? Alles Dinge mit echten Haken an der Sache... Eine lange Flucht, man sieht die Bäume vor lauter Wald nicht, die Beteiligten wohl ebenso wenig. Richtig packend oder gar emotional berührend ist das für mich null. Es schwingt immer ein schaler Beigeschmack mit. Sowohl was eine deutliche Oscaranbiederung betrifft als auch die eigentliche Darstellung, Einschätzung und Einordnung dieser entscheidenden, schmerzhaften Sklavenzeit. Das wird seinem Subjekt und seiner Epoche nicht wirklich gerecht. Ich habe im Grunde auch wenig gegen einen exploitiven "Sklavenactioner" - aber Fuqua und Smith machen das gefühlt nicht mit Absicht und können sich tonal gar nicht wirklich entscheiden. Und so versumpft das alles empathisch viel zu oft und zu wiederholend...
The Battle of Baton Rouge
Fazit: audiovisuell eine Wucht, eine Pracht, Fuquas bisher mit Abstand hübschester Film. Apple lässt da alles und jeden springen. Optik aus Himmel wie Hölle. Aber der Rest... puh. Eher anstrengend, aufreibend und anbiedernd als wirklich involvierend, gut, ernst zu nehmen. Naja. Zermürbend. Imposanter Oscarbait. Oh Sucker, Where Art Thou?!