Review

Mit Spannung erwarteter Actionthriller als scheinbare Fortführung von The Mad Detective (2007), an den chinesischen Kinokassen (mit über 100 Mio. USD) auch durchaus mit Erfolg versehen und im Vorne herein weitere Neustarts der Woche aus deren 'Angst' vor zu viel Konkurrenz aus dem Programm verdrängt, von den Kritikern selber aber eher als Enttäuschung wahrgenommen und so letztlich auch die Ankündigung eines Sequels, die Nachricht allein nicht wirklich mit Aufmerksamkeit beschenkt. Für Autor und Regisseur Wai Ka-Fai, welcher häufig weniger als eigenständiger Filmemacher wahrgenommen, sondern in der Paarung von Johnnie To gesehen und dort untertänig 'wirkt', ist der finanzielle Zuspruch von Cold Detective (Arbeitstitel) natürlich eine Unterstützung für weitere Projekte, das Publikum hat hier die nicht gänzlich rare, aber seltene Gelegenheit, eine Mischung aus chinesischer monetärer Kraft und dem Talent aus HK vor und hinter der Kamera beizuwohnen, für Wai auch in einem eher seltenen Genre, dem des modernen offensiven Crimes nämlich:

Nach mehreren gefährlichen, unter anderem auch die Dienstwaffe im fälschlichen Gebrauch beinhaltenden Zwischenfällen und anhaltenden Anklagen gegen den Kollegen Superintendent Au Yeung-kim [ Tan Kai ] wird der hochintelligente und hocheffiziente, allerdings psychisch labile Polizist Chief Inspector Lee Jun [ Lau Ching-wan ] vom OCTB unter Führung von Yan Wong [ Carman Lee ] aus dem Dienst genommen und fristet seitdem sein Leben mehr oder minder auf der Straße, auch seine Tochter Lynn Cheung [ Jeana Ho ] hat sich von ihm entsagt. Als in HK eine kriminelle Welle ausbricht, und die ermittelnden Senior Inspector Chan Yee [ Charlene Choi ] und Chief Inspector Fong Lai-shun [ Raymond Lam ] dem gegenüber machtlos erscheinen, führt deren Spur direkt zu Lee Jun. Und zurück.

Mit kriminellen Zutaten wird begonnen, mehrere Fälle wie "The Butcher Case", "The Devil Cop Case", in Kurzfassung, aus der Rückblende heraus in Augenschein genommen, grausame Gewalt auf dem Lande, eine blutige Schießerei in der Stadt; schnelle Schnitte, viele Wechsel, ein inszenatorischer Sprint noch im Aufbau, ein rapider Einstieg, welcher allerdings mehr abstößt als an Zuneigung gewinnt. Bluttaten in der Präsentation, Hektik in der Ausführung, eine anschließende Pressekonferenz, in der ein (suspendierter) Cop vor versammelter Mannschaft die Waffe zieht und zur Veranschaulichung seiner eigenen Theorie des Verbrechens Geiseln nimmt.

Die eigentliche Handlung beginnt erst fast zwei Jahrzehnte später, "The Chosen Sleuths Case", ein riesiger Tatort mit der Ankündigung der nächsten Akte; die Menschheit ist Böse, das OCTB übernimmt. Viel Aufwand im Dreh wird geboten, viele Details, ein Sichten mehrerer Persönlichkeiten, im Film wie vom Film, ein Überwältigen in der Präsentation auch, ein wenig wie Limbo (2021) in Farbe, viel Verstörung, viel Entfremdung, Szenen bei Nacht und im Regen, ein Bemühen des Aggressivem und Kreativen. Dort eine Killerhatz, hier ebenso, der Jäger gefangen in eigenen Motiven und seiner eigenen Welt, ein Fantasiegespinst, welches mit der Realität nicht viel zu tun hat, diese aber als Basis nimmt und sich dort austobt und verrennt.

Eine in Hälfte geschnittene Männerleiche im Hafen von Tsuen Wan, Triadenhäuptlinge, die auf die Temple Street geworfen werden, ein blindwütiges bleireiches Scharmützel zwischen Cops VS Robbers im engen Treppengang und auf dem Dachflur, eine Amokfahrt zweier schwerer Fahrzeuge in Flucht und Verfolgung quer durch den bevölkerten Markt. Eine massive Machetenschlacht in einem sich bald umkippenden Reisebus, eine Explosion auf der Wasserplattform; alles scheint machbar hier und alles ist möglich. Eine Arbeit auch mit vielen falschen Fährten, mit einem Wulst an Informationen und Konfrontationen, mit der Nadel im Heuhaufen, mit dem blinkenden Licht im Dickicht. Tarnung und Täuschung, welche für geübte Zuschauer nur halbherzig funktioniert, da schnell einsehbar und aufdeckbar ist; eine Cleverness, die in der allgemein aufrührerischen Stimmung, der Epikrise in HK (und Umgebung) oft behauptet, nicht bewiesen wird. Ein zuweilen abstoßender Albtraum, als Thriller nicht gänzlich ohne Wirkung, aber mit vielen Nebeneffekten, "Stop losing your shit. This is serious.", alles eine Nummer zuviel und drüber. Die Darsteller sind im Grunde gut gewählt, zuweilen frische Gesichter auf der großen Leinwand, gepaart mit Stars von früher. Technisch mit einigen Schwachpunkten, gerade in den zerstörerischen Momenten, eine Bootsexplosion etwa, eine verminte Hafenanlage, ein Flammenmeer, aber auch das viele Mündungsfeuer, narrativ als Ärgernis, psychologisch ohne Nährwert.

Details