iHaveCNit: Ein Mann Namens Otto (2023) – Marc Forster – Sony Pictures
Deutscher Kinostart: 02.02.2023
gesehen am 06.02.2023
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 7 – Reihe 13, Platz 14 – 19:45 Uhr
Die wohl relativ kurzfristige Entscheidung am aktuellen Kino-Wochenende war für mich ein noch unschlüssiger Besuch des Film „Ein Mann Namens Otto“ von Marc Forster mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Hintergrund war, dass ich trotz meinem gewissen Sweet Spot für skandinavisches Kino noch keinen Berührungspunkt mit Hannes Holms „Ein Mann Namens Ove“ hatte und auch die Buchvorlage nicht gesehen habe. Zumindest „Ein Mann Namens Ove“ habe ich letztes Wochenende noch im Heimkino nachgeholt und da mich „Ein Mann Namens Ove“ durchaus begeistern konnte, nehme ich aus dem aktuellen Kino-Wochenende noch „Ein Mann Namens Otto“ mit, der die klassische Hollywood-Tradition fortführt, europäische Filme für den internationalen beziehungsweise US-Amerikanischen Markt neu zu verfilmen.
Otto Anderson lebt schon seit Jahrzehnten in ein und derselben Gegend. In seiner Nachbarschaft hält er viele für Idioten, pedantisch achtet er auf Recht und Ordnung und er möchte eigentlich nur seine Ruhe haben. Nach dem Tod seiner Frau gibt es auch nur noch sehr wenig, woran er Freude hat, am liebsten wäre er direkt bei seiner Frau. Bei einem Versuch seiner Frau wieder nahe zu sein, bekommt er mit, dass neue Nachbarn in der Siedlung einziehen und seiner Meinung nach alles falsch machen, was man nur falsch machen kann. Doch irgendwie scheint die lebensfrohe junge Familie um die schwangere Mutter Marisol etwas in Otto auszulösen.
Ich glaube an dieser Stelle muss ich einfach mal den „Otto“ beziehungsweise „Ove“ machen und ein wenig pedantisch vorgehen. Der Film reißt viele Themen nur oberflächlich an, eine Entscheidung mit dem Einsatz visueller Effekte hat mir eher weniger gut gefallen und irgendwie ist Tom Hanks zu nett, um wirklich unfassbar böse und unsympathisch zu wirken, auch wenn er das Grimmige und Wütende doch gut rüber bringt. Mit dem Wissen im Hintergrund, dass es sich bei „Ein Mann Namens Otto“ um ein Remake handelt und wenn man sich vorher „Ein Mann Namens Ove“ angesehen hat, mag sehr vieles im Film nicht neu und damit auch vorhersehbar sein. Dennoch gibt es hier und da ein paar Variationen im Detail zwischen beiden Filmen. Auch wenn Otto und Ove sich viel Mühe geben, unsympathisch zu sein, beide Filme sind mir absolut sympathisch. Die Mischung aus bisweilen sehr skurrilem, trockenem, lakonischen, bösen Humor und einer doch bitteren Tragik und warmherziger Wohlfühlatmosphäre hat mich emotional gut mitgerissen. Denn in seiner Narration, in der immer wieder wichtige Momente aus dem Leben von Ove beziehungsweise Otto in Form von Rückblenden eingestreut werden, schafft es der Film uns emotional sowohl an den Film als auch an Otto beziehungsweise Ove zu binden und Verständnis und Empathie aufzubauen. Denn hinter jedem grimmigen, pedantischen, alten, weißen Mann steckt vielleicht eine tragische, traurige Geschichte für die es sich lohnt eben Verständnis und Empathie aufzubauen.
„Ein Mann Namens Otto“ – My First Look – 8/10 Punkte.