Das Remake des schwedischen Erfolges „Ein Mann namens Ove“ von 2015 war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Der deutsch-schweizerische Regisseur Marc Forster („James Bond – Ein Quantum Trost“) nahm sich der Sache an und konnte für die Hauptrolle Tom Hanks verpflichten, den man sich eigentlich so rein gar nicht in der Rolle eines Misanthropen vorstellen kann.
Ein Vorort von Pittsburgh, Pennsylvania: Seit dem Tod seiner Frau Sonya (Rachel Keller) ist der Frührentner Otto (Hanks) ein verbitterter Pedant, der in der kleinen Siedlung Parkscheiben kontrolliert und auf exakte Mülltrennung achtet. Als er sich gerade das Leben nehmen will, ziehen nebenan neue Nachbarn in Form der schwangeren Marisol (Mariana Treviño) und ihrem Anhang mit Pauken und Trompeten ein und krempeln die Abläufe des Griesgrams Otto völlig um…
Im Vergleich zum Original wirkt der Stoff etwas weichgespülter und geht nicht allzu sehr auf Konflikte oder gar Provokationen aus, zumal er durch die Erscheinung von Hanks ohnehin ein wenig hollywoodisiert anmutet. Dennoch schafft es Otto, durch die sichtliche Verbitterung Sympathien zu wecken und warum sollte man im Baumarkt den Zwei-Meter-Preis für ein Seil bezahlen, wenn doch nur 1,50 Meter benötigt werden.
Das stets leicht verschneite Pittsburgh bietet einen idealen Rahmen für die kleine Tragikomödie, die gar nicht so sehr in die Tiefe geht, um das Publikum mitzunehmen. Oftmals geht es um die Kleinigkeiten im Alltag und insbesondere innerhalb der Nachbarschaft, aber auch um die Verarbeitung eines menschlichen Verlustes, was in einigen Rückblenden mit Tom Hanks Sohn Truman veranschaulicht wird. Hier punkten vor allem die Farbgebung und die Ausstattung, wobei ein inhaltlicher Hang zum Kitsch nicht von der Hand zu weisen ist.
Wesentlich trockener gehen zynische Vorgänge im Hier und Jetzt vonstatten, wenn Otto einmal mehr feststellen muss, dass die mexikanischen Gerichte seiner Nachbarin überraschend gut riechen und schmecken und die umherstreunende Katze offenbar die Nähe des Miesepeters sucht. Um nicht ganz zum Weichei zu mutieren, gehören indes auch kleine Konflikte und Reibereien dazu, wenn der aufdringliche Bespaßungsclown im Krankenhaus über die Stränge schlägt oder eine Baufirma ihre Kompetenzen überschreitet.
Längen entstehen innerhalb der 126 Minuten zu keiner Zeit. Hanks meistert die titelgebende Figur ohne größere Anstrengungen, während Mariana Treviño auffallend stark performt und im Zusammenhang mit Hanks auf Augenhöhe ist, zumal sie einen einflussreichen Charakter inne hat. Minimale darstellerische Abstriche sind bei einigen Nebenfiguren zu machen, wogegen dem Score von Thomas Newman von Anfang an eine leichtfüßige Note mitschwingt, die dem Treiben zu jeder Zeit angemessen ist.
Da der Stoff das Herz am rechten Fleck trägt und der Inszenierung generell nichts anzukreiden ist, sind manche etwas zu rührselig geratene Momente ebenso zu verkraften wie einige leicht überstrapazierte Running Gags. Es ist schlichtes Wohlfühlkino, welches nicht grundlegend Probleme bis ins Mark analysieren muss, um dennoch zu berühren und im Gesamtbild solide zu unterhalten.
7 von 10