Review

Kanten geglättet, Herz vergrößert

„Ein Mann namens Otto“ wirkt auf dem Papier wie eine etwas überflüssige und hollywood'isierte Version des modernen Schweden-Hits „Ein Mann namens Ove“, der wiederum auf einem Buchbestseller basiert. Aber da gute Stoffe eben gute Stoffe bleiben, funktioniert auch diese amerikanisierte Version mit Tom Hanks, mehr Budget, mehr Rückblenden und mehr Schmalz. Sehr gut sogar. Ging mir an's Herz, ich will nicht lügen. Ich bin aber auch nicht besonders schwer zu kriegen. Dennoch hatte ich mit weit weniger Daseinsberechtigung gerechnet. Erzählt wird wieder vom titelgebenden „grumpy Witwer“, der eigentlich mit dem Leben abgeschlossen hat und dessen neue, etwas laut-tollpatschige Nachbarschaft ihn von seinen düsteren Plänen abbringt…

Feel Good-schlechte-Laune

Ein süßer Kater. Ein Tom Hanks mit schauspielerischen Spendierhosen an. Eine sehr solide Grundlage mit Herz, einfach funktionierenden Storyschlägen und auch einzelnen Dialogen. Todesfällen und Geburten. Freundschaften und Krankheiten. Fahrstunden und Selbstmordversuchen. Dunkler Humor und grundlegende, unverfälschte Emotionen. All das hätten genug Anzeichen sein müssen, dass auch dieses Hollywoodteam das nicht versauen wird. Dennoch ist das Traumfabrikendergebnis eine nochmal positive Überraschung und Genugtuung. Hanks passt in die Rolle, gegen gutgemachten Hollywoodkitsch haben die wenigsten etwas. Familienunterhaltung mit Tod, Trauer und doch im Endeffekt guter Laune, simpler Aussage, einfachem Zugang und universeller Nachvollziehbarkeit. Zwar wird wenig Neues an den weltweiten Tisch der „Oves/Ottos/Ohans/Olriks/Ohis/Oskars“ gebracht - aber er verfehlt eben seine Wirkung nicht. Egal in welcher Nationalität. 

Fazit: vielleicht wirkt das Original deutlich echter und europäischer, unterkühlter und bescheidener. Richtig böse kann ich der cheesigeren, aufgeblähteren Hollywoodversion aber nicht sein. Ganz im Gegenteil. Vielleicht trifft sie kitschresistente Gucker sogar noch mehr ins Herz.

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