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Schon im zarten Alter von 16 Jahren entwickelte Mel Bandison (Holly Mae Brood) ganz außergewöhnliche Fähigkeiten am Computer, als sie sich seinerzeit zum Spaß in eine niederländische Militärbasis einhackte und dort mal eben sämtliche Rechner lahmlegte. Das war vor 10 Jahren, und nur die damalige Hacker-Legende Buddy (Frank Lammers) konnte sie damals einbremsen - heute ist die junge Dame Sicherheits-Expertin bei einem großen IT-Unternehmen in Rotterdam, das mit einer gerade neu entwickelten Gesichtserkennungs-Software in selbstfahrenden öffentlichen Bussen eine Menge Geld verdienen will.
Doch kurz vor der großen Premiere dieses Systems entdeckt Mel, daß ebenjene Software durch einen Hackerangriff kompromittiert wurde, den sie mit einem eingeschleusten Trojaner (so heißt es) allerdings schnell unschädlich machen kann. Alles wieder ok denkt sich Mel und datet ihre Internetbekanntschaft Thomas (Geza Weisz), die mit chinesischem Fastfood statt gemeinsamem Kochen jedoch nicht ganz ihren Erwartungen entspricht. Und auch der bis dato unbekannte Hacker meldet sich wieder - der braucht nämlich dringend die Codes, um Mels Trojaner unschädlich zu machen, der sämtliche seiner eigenen Systeme lahmgelegt hatte.
Dummerweise handelt es sich, wie Mel mit Hilfe befreundeter Hacker herausfindet, bei dem Angreifer um den chinesichen Auftraggeber jener Gesichtserkennungssoftware, der mit den generierten Fahrgast-Daten ganz nebenbei eine riesige Datenbank aufbauen will. Und mit diesem Unternehmen ist keineswegs zu spaßen, denn deren Enforcer in Europa, Rogers (Lawrence Sheldon), hat bereits die Spur der jungen Hackerin aufgenommen. Nicht einmal die Polizei glaubt ihre Geschichte von einem Komplott, hatte Rogers den Beamten doch ein gefälschtes Video mit Mel als Mörderin eines Obdachlosen zugespielt. So muß Mel Hals über Kopf mit Thomas, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht, vor den Killern in die Nacht fliehen...

Eine reichlich konstruiert wirkende Geschichte bildet die Rahmenhandlung der niederländischen Produktion The Takeover, in der die Flucht einer jungen Hackerin vor den Schergen eines milliardenschweren Großkonzern im Mittelpunkt steht. Immer näher kommen die technisch bestausgerüsteten Verfolger, bis es im Serverraum der IT-Firma dann zum großen Showdown kommt - leider wirken diverse technische Gegebenheiten dabei recht an den Haaren herbeigezogen, wie auch der Plot an sich weder neu noch sonderlich spannend umgesetzt ist, zumal mit der Einführung der Hauptdarstellerin deren schlußendliches Obsiegen zu keinem Zeitpunkt fraglich erscheint.

Während man noch darüber schmunzeln mag, daß die Hackerlegende Buddy ein dickbäuchiger Mittfünfziger ist, der stets seine Brille zurechtrücken muß, bevor er loslegt (und dabei erstaunlicherweise immer noch up to date ist) bestehen die Hacks im Film aus schnell am Bildschirm herunterscrollenden Zahlenkolonnen, zwischen die wahllos in die Tasten gehauen wird. Der Serverraum einer größeren Firma ist nicht nur unbewacht, sondern auch unversperrt und verfügt nicht einmal über ein automatisches Löschsystem - dafür kann man von dort den Strom im gesamten Gebäude abschalten - wtf? Auch der als technisches Wunder ausgegebene selbstfahrende Bus scheint über keine Sicherheitsabschaltung bzw. ein Notsteuersystem zu verfügen, und hinsichtlich des gefälschten Videos (das man schon aus Schwarzeneggers Running Man von 1987 kennt) unterbleiben nähere technische Details und es dauert viel zu lange, bis dieses als Fälschung entlarvt wird - die grafische Umsetzung dieser Suche in einem Raum voller virtueller Figuren läßt einen ohnehin nur den Kopf schütteln.  

Somit bleibt The Takeover ein mäßig spannender Krimi, in dem viel zu viele althergebrachte Hacker-Klischees von vermutlich nicht sonderlich IT-affinen Drehbuchschreibern verbraten werden - immerhin gibts zwischendurch immer wieder ein bißchen Action und am Ende auch einen wildgewordenen Bus, der in diversen touristisch relevanten Stadtansichten des (nächtlichen) Rotterdam in dessen Hafenbecken zu stürzen droht, doch insgesamt bleibt von dieser Netflix-Produktion am Ende nicht viel hängen: 4,51 Punkte.

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