Welches Maß einer intimen Zurschaustellung verträgt eine Beziehung, bevor sie zur Belastung wird? Darüber wird sich Co-Autor und Regisseur Néstor Ruiz Medina wahrscheinlich ein paar Gedanken gemacht haben und auch wie die ambitioniert erscheinende Methode von 21 Einzelmomenten umgesetzt werden sollte. Doch damit enden die positiven Aspekte bereits.
Julia und Mateo bewohnen ein ländlich gelegenes Haus in Küstennähe und verdienen ihr Geld mit intimen Videos für OnlyFans. Doch nach einiger Zeit hat Julia genug vom ständigen Druck, was Mateo gar nicht gefällt…
…denn schließlich muss man ja von irgendetwas leben. In der Tat steigt der Stoff mit einem Dreh im Bett ein, bei dem die Kamera mit Stativ erst später sichtbar wird. Viel zu sehen ist gemäß der FSK16 natürlich nicht und überdies erweist es sich selten als klug, die Hauptfiguren mit einem intimen Akt einzuführen. Allerdings wird es lange Zeit kaum besser, denn es folgen willkürlich anmutende Episoden, die an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten sind: Abendessen mit Freunden und Small Talk, Clubbesuch mit Drogenkonsum und der Versuch einer luschigen Komposition auf der Gitarre.
Nach rund einer halben Stunde ist einem das Paar so fremd wie zuvor. Es gibt keinen Gedankenaustausch, keine tiefen Emotionen, sondern nur banale Alltäglichkeiten.
Dies alles wurde in 21 One-Takes festgehalten, bei denen die Kamera statisch aus der Distanz filmt oder weitgehend unsicher per Hand um das Paar kreist. Die Laiendarsteller sind zwar um Authentizität bemüht, doch eine Bindung lässt sich nur schwerlich aufbauen.
Veränderungen kommen deshalb umso willkürlicher und ohne ersichtlichen Anlass, obgleich Männer sogleich wissen sollten, dass etwas nicht stimmt, wenn sich die Frau die Haare radikal kurz schneidet. Immerhin werden einige Konflikte angedeutet, doch eine nachvollziehbare Lösung wird zu keiner Zeit thematisiert, wodurch das Treiben weiterhin ohne roten Faden vor sich hin dümpelt.
Am Ende interessiert rein gar nicht mehr, was mit dem langweiligen Paar in weitgehend lahmer Umgebung passiert, ganz zu schweigen von Konflikten, die zu einer eventuellen Entfremdung führen könnten. Von möglicher Kritik gegenüber zweifelhafter Selbstvermarktung fehlt jede Spur und so vergehen 94 Minuten, die weder Erotik noch das wahre Leben offenbaren.
2 von 10