Falschgeldexperte Peter Novak [ Yul Brynner ] vom amerikanischen Geheimdienst wird von den englischen Kameraden um Hilfe gebeten, ein weltweit operierendes Gangstersyndikat zu zerschlagen, welches gefälschte Dollarnoten in Umlauf bringt. Armes England, niemand traut ihnen etwas zu...
James Bond ist tot, lang lebe Peter Novak. So oder ähnlich werden sich die britischen Produzenten von Die Spur führt nach Soho gehofft haben, der als Trittbrettfahrer thematisch voll auf den immer noch rasend abfahrenden Zug mitaufspringt und in der cinematographischen Mitropa sichtlich etwas vom Kuchen des Erfolges kosten will. Bei dieser einer Teilnahme am Büfett blieb man aber auch, dem Film sollte kein weitergehender Trubel beschieden sein; zumindest langte es nicht für eine Fortsetzung und brannte sich auch abseits dessen in Niemandes Gedächtnis. Potential dafür ist auch nicht wirklich ersichtlich, da man wie die meisten Nachfolger in den selbst gesteckten Grenzen festhing; auch wenn man hier und da etwas den Blick darüber hinauswerfen kann.
Erfreulich ist, dass es die Regie teilweise etwas darauf angelegt, ungewohnter vorzugehen. So schwelgt der unheimlich dröge Vorspann in seiner Version von Junge mit Hund und Stock am Strand, um am Ende der Credits die trollenden Herumtreiber auf eine halbnackte, tote Frau mit einem gefälschten 100 Dollarschein stossen zu lassen. Auch das Drehbuch hält etwaige Optionen offen, aber irgendwie will eine bizarre und gleichzeitig gezügelte Version von dem Mann mit der Doppelnull nicht so richtig munden. Man schwankt nämlich regelmässig nach verschiedenen Seiten aus, die Unterschiede ergeben zusammen kein konkretes Ganzes.
So ist der hier aufgezeigte Held im Vergleich zu seinem britischen Kollegen ein sehr prüder Mensch, der trotz Betteleien von Frauen nicht mit denen in die Kiste hüpft, ja sie nicht einmal nach oben in die Wohnung begleitet. Er hat es nämlich nicht so mit der Bigamie und ist anderweitig schon mit dem Geheimdienst verheiratet. Kein „Fremdgehen" also und deswegen auch kein Sex vor der Ehe; sobald es etwas ernster wird lässt er die Jeweilige kaltherzig abblitzen, damit sie ja nicht in die Gefahr seines Jobs gerät und voreilig zur Witwe wird. Traurig, aber wahr.
Noch trauriger, weil die letzte Angebetene dennoch bei einem drive – by – shooting erschossen wird, zufällig auch von den Geldfälschern; laut Drehbuch zumindest. Dabei hat Novak bisher gar nichts mit der Geschichte zu tun und New York liegt auch etwas weitab von der Verbrechenszentrale Liverpool, aber wer weiss. Jedenfalls hat Novak einen neuen Job; nicht weil die Pflicht oder gar die Queen ruft, sondern weil er „schnell noch ein paar von den Schweinen umlegen" will. So wichtig war ihm die Frau dann doch.
Die „Schweine" kamen bisher ohne grosse Schwierigkeiten zu Rande, und haben in Neapel, Calais, ja in ganz Europa ihr Straftatsnetz aufgezogen. Die Produktion macht hierbei keine Weltreise zu Schauplätzen scheusslicher Verbrechen wie beim budgetmässig besser ausgestatteten grossen Bruder, aber tut wenigstens so als ob; auch eine Leistung. Sowieso startet man erstmal auf allen möglichen Ebenen, Columbo – Spezialist Sam Wanamaker bebildert in den ersten Minuten verschiedene Geschehnisse, die nur mühsam mit dem Thema Falschgeld in einen Zusammenhang gebracht werden und wirft mit einem voice over der Marke Aktenzeichen XY ... ungelöst die Realismusschiene an. Was dann bis zum Epilog auch wieder unterlassen wird, weil es in diesem Zusammenhang auch vollkommen daneben ist; aber womöglich wollte man neben der Inhaltsübernahme von Anthony Manns Geheimagent T [ 1947 ] auch dessen halbdokumentarisches Flair plus Authenzität ausprobieren. Um dann den Plotstoff samt Sperenzien doch wieder einzuschränken; hat man wohl schnell gemerkt, dass so etwas hier nicht funktioniert. Obwohl mehr Realismus durchaus eine der Optionen gewesen wäre, dem Film mehr Schwung und Wirkung unterzujubeln.
Dem ist nicht so und wird auch nicht mit anderen Mitteln erreicht, man verbleibt relativ ruhig und gelassen, gleichermassen haus- und altbacken. Observiert und redet mehr als dass man eingreift. Novak bekommt dafür auch Unterstützung, nämlich von Scotland Yard mit dem blasierten Arthur Thompson [ Edward Woodward ] den typischen Briten als komplett gegensätzlichen Partner aufgedrückt. Die Unterschiedlichkeit zwischen beiden Ermittlern führt zwar nicht zu Reibereien, aber Grundsatzdiskussionen über Berufsethos und den Einklang mit Privatleben – Thompson ist Familienvater – werden dennoch veranstaltet. Um den Akteuren Profil zu verleihen wahrscheinlich. Dafür ist man über die differenzierenden Ansichten und auch über die Waffenwahl – Novak will eine, Thompson verzichtet dankend – zu schnell einig. Jeder macht sein eigenes Ding auf seine Weise und man geht nach kurzer Zeit auch seine eigenen Wege. Thompson schleust sich beim Verteiler ein und Novak begibt sich auf die Suche nach dem Fälscher. Erstmal Nichts mit Charakteristika.
Der Film macht sich symptomatisch dafür vieles sehr leicht; vor allem das Katzbuckeln in die Verbrecherbande klappt mit links und wird noch nicht einmal verdächtig, als man einen unerwarteten Test patzt und als letzte Möglichkeit den Fragensteller vom Dach wirft. Da nach der abrupt hin und herspringenden Einleitung auch das Tempo wieder auf „Normal" bzw „Langsam" gestellt wird, hat man nun auch Zeit, sich die tolle Stadt und und dazu noch die seltsame Farbgestaltung genauer anzusehen. Und wenn man über Letzterem zu sehr ins Grübeln kommt, auch ungestört am Fernseher die Einstellung zu ändern. Aber die nach eigenen Wunsch gewählte Kolorierung macht die Handlung auch nicht so wirklich fesselnd; dafür chargieren die Schauspieler zu stark. Woodward ist toll; aber Brynner markiert den harten Mann, als würde er auf einer Provinzbühne ein Gastspiel geben. Und die allgemeine Action lässt sehr lange auf sich warten; „Kühl – sachliche Inszenierung" sagt der Filmdienst dazu.
Zumindest materiell ist das Angebot immerhin etwas heisser: Der Fabrikant der Blüten nennt sich Nick Harrison, Spitzname „Die Eule". Eine schwule Eule auch noch, wie Scotland Yard schnell feststellt: mit Vorlieben für Dampfbäder und Massagesalons mit individueller Bedienung. Weswegen der nunmehr alleintätige Novak die Hosen fallenlassen und die nächste Zeit sehr viel in wärmeren Regionen verbringen muss, wo er sich als Lockvogel für den kriminellen Steinkauz den Rücken schrubben lässt.Dafür, dass er von dem Gesuchten eigentlich auch nur diesen sieht und so oder so auch kein Bild dessen Physiognomie besitzt, entdeckt er ihn dann trotzdem recht fix; wahrscheinlich macht der bei einer Eule typisch auffallende herzförmige Gesichtsschleier den Fälscher auch von hinten unverwechselbar. Oder doch sein Darsteller, denn der Verbrecherkopf wird von Charles Gray gemimt. Welcher mit Man lebt nur zweimal [ 1967 ] und Diamantenfieber [ 1971 ] gleich zwei Bonds veredelte und - obwohl er den Homosexuellen schon sehr weichlich darstellt - auch hier eine Prise Klasse verströmt.
Sowieso wird man in der zweiten Hälfte etwas gelungener, für einige wenige Augenblicke fast sogar richtig kompetent; kann hier und da einige Spitzen Spanunng verteilen und wirft über dem Verhalten Thompsons ein Fragezeichen auf. Dieser steigt nämlich rasant bei den Verteilern auf, gibt aber keine Nachrichten mehr an seine Dienststelle weiter. Novak weiss nun nicht, ob er ihm noch trauen kann oder es je konnte und bekommt noch ganz andere Probleme, als sein Mitwisser selber enttarnt wird. Aber auch hier wird wieder viel zu unaufgeregt, sehr antiquiert bereinigt; auch der Showdown sieht eher mehr nach deutschem 50er Jahre Fernsehen aus als ein internationaler Kinofilm. Da ist es auch kein Wunder, dass die Massen eben nicht vor die grosse Leinwand geströmt sind; auch bei einer TV Ausstrahlung dürften nur diejenigen von Anfang bis zum Ende durchhalten, die es eher überaltert und damit ein bisschen abgestanden mögen.