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Staffel 1

Am 31. Oktober 2018 verschwindet die Millionärsgattin Anne-Elisabeth Hagen, offenbar von Gangstern gewaltsam aus ihrer Wohnung in Lørenskog nahe Oslo entführt, und soll, wie nach einiger Zeit verlautbart wird, gegen ein Lösegeld von umgerechnet 9 Mio. Euro freigelassen werden. Ihr Ehemann Tom (Terje Strømdahl), der sein Vermögen mit Immobilien gemacht hatte, war zum Tatzeitpunkt nicht zu Hause. Die Täter waren jedenfalls Profis und hatten keine Spuren hinterlassen, wollen die geforderte Summe jedoch in der Kryptowährung Monero erpressen.
Das bei den Entführern offenbar vorhandene Spezialwissen um diese Blockchain-basierte Währung liefert den Ermittlern Jorunn (Yngvild Støen Grotmol) und Micael Delvir (Kidane Gjølme Dalva), die von Tom Hagen trotz des ausdrücklichen Verbots der Kidnapper, die Polizei nicht hinzuzuziehen, heimlich eingeschaltet werden, einen ersten Hinweis. Merkwürdigerweise jedoch setzen die Unbekannten kein bestimmtes Datum zur Lösegeldübergabe, sie drängen auch nicht mit Drohungen gegen die Entführte, sondern lassen im Gegenteil einige Zeit verstreichen. Als Hagen einen Teil der Summe überweist, hat dies überhaupt keine Auswirkungen - die Erpresser hüllen sich in Schweigen und Anne-Elisabeth bleibt verschwunden.
Die Spekulationen vor allem der Presse finden bald neue Nahrung, als bekannt wird, daß der Millionär außereheliche Verhältnisse hatte und zudem ein Jahrzehnte alter Vertrag ans Licht kommt, in dem er seine einige Jahre jüngere Gattin mit einer vergleichsweise geringen Summe abzufinden beabsichtigt.
Der Mangel an verwertbaren Spuren und die vielen Widersprüche, die sich im Laufe der Ermittlungen ergeben, rücken schließlich den Ehemann selbst in den Fokus: Hat Tom Hagen eventuell höchstselbst seine Frau entführen lassen?

Verbrechen mit wahrem Hintergrund, sogenannte True Crime-Stories, sind seit einiger Zeit ein fixer Bestandteil des Programmangebots von Netflix - auch die 5-teilige Serie Verschwunden in Lørenskog, die sich mit einem der spektakulärsten Entführungsfälle Norwegens beschäftigt, gehört zu diesem Subgenre. Eingeteilt in 5 Kapitel, welche jeweils unterschiedliche Perspektiven auf den Fall offenbaren (in chronologischer Reihenfolge: Die Ermittlung, Die Berichterstattung, Die Verteidigung, Die Berichterstattung: Teil 2 und schließlich Die Quellen) liefern alle möglichen Mosaiksteinchen, die sich im Lauf der Zeit ergeben, fördern aber im Endeffekt nichts Neues zutage - denn, und darüber sollte sich der geneigte Zuseher gleich zu Beginn im Klaren sein, die verschwundene Millionärsgattin taucht nie wieder auf und ihr Verschwinden stellt bis heute einen ungelösten Kriminalfall dar.

Das Problem dieser und ähnlich gelagerter Serien ist der Umstand, als True Crime-Thriller an den vorhandenen Fakten nicht viel verändern zu können. Im vorliegenden Fall stellt sich schon im Laufe der 2. Episode eine gewisses Auf-der-Stelle-Treten ein, wenn die öffentliche Berichterstattung von polizeilichen Stichwortgebern beeinflußt wird, den Fall aber nicht wirklich weiterbringt. Spätestens mit der Sicht der Verteidigung bricht dann die große Langeweile aus, die sich mit einer weiteren Episode um die Berichterstattung nicht wirklich verbessert, um dann im letzten Kapitel noch ein paar zusätzliche suspekte Charaktäre zu präsentieren und die Serie schließlich sang- und klanglos ergebnislos zu beenden - die fehlende Auflösung ist dabei nicht nur für die Ermittler, sondern vor allem für den Zuschauer ein durchwegs frustrierendes Ende.

Das mehrköpfige Drehbuch-Kollektiv hat sich übrigens durchwegs Mühe gegeben und läßt zwischendurch auch massive Kritik an den schlampigen Ermittlungen der Polizei durchscheinen, versucht ein paar der handelnden Charaktäre durch storytechnisch zweifelhafte Subplots aufzuwerten (wie die Kommissarin mit ihrem dementen Vater, ein völlig sinnbefreiter Einfall) und bemüht sich redlich, die einzelnen Aspekte des in Norwegen(!) große Wellen schlagenden Falles darzustellen, doch für den mitteleuropäischen Zuseher (und vermutlich erst recht für den US-amerikanischen) ist diese redundante Aneinanderreihung unergiebiger Fakten viel zu wenig, um auch nur halbwegs unterhaltsam zu wirken. Auch die Aussicht, sich mit dem Tatort Norwegen ein wenig Nordic Noir-Flair auf den Bildschirm zu zaubern, erfüllt sich in keinster Weise.

Fazit: trotz untadelig agierender Darsteller, von denen freilich keiner auch nur im Entferntesten an so etwas wie einen Sympathieträger heranzureichen vermag, ist Verschwunden in Lørenskog bestenfalls für an norwegischer Geschichte Interessierte zu empfehlen, für Krimifreunde jedoch ein einziger, gähnend langweiliger Reinfall. 3 Punkte.

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