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Mailand in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs 1945: der erfolgreiche Hehler und Dieb Isola (Pietro Castellitto) verschachert gerade einige von den Faschisten erbeutete Waffen an italienische Widerständler, als Mussolinis Truppen wild um sich schießend auftauchen und das schlitzohrig abgewickelte Geschäft vereiteln. Solchermaßen um seinen Gewinn gebracht  tröstet sich Isola einstweilen mit einem Besuch bei seiner großen Liebe Yvonne (Matilda De Angelis). Die junge Sängerin, gefeierter Star im örtlichen Kabarett, ist allerdings gleichzeitig die Geliebte des sadistischen Offiziers Borsalino (Filippo Timi), der die Stadt mit eiserner Hand regiert.
Als Isolas (der diesen Spitznamen deswegen erhielt, da er stets alleine auftritt, was bezüglich seines ihn stets begleitenden weißhaarigen Scharfschützenfreundes Davoli - dargestellt von Tommaso Ragno - ohnehin nicht stimmt) Funkspezialist Amedeo (Luigi Fedele) einen verschlüsselten Funkspruch der Faschisten abfängt und kurz darauf dechiffrieren kann, hellt sich des Hehlers Miene sogleich wieder auf: denn der omnipräsente Duce möchte sich angesichts des Herannahens der Amerikaner in die Schweiz absetzen, selbstredend mitsamt des Goldschatzes der italienischen Regierung. Auf diesen tonnenschweren Schatz hat es nun Isola abgesehen, der in Windeseile einen Plan ausheckt. Das Gold liegt in der schwer bewachten "schwarzen Zone" Mailands, dem Hauptquartier von Borsalino, wo auch Sträflinge gefangen gehalten werden und in die praktisch kein normaler Sterblicher Zutritt hat. Außer natürlich Yvonne, die als Mätresse des Stadthalters die Örtlichkeit kennt und Isola mit nützlichen Hinweisen versorgt.
Nun gilt es, ein geeignetes Team zusammenzustellen, denn mit nur 3 Mann können sie den tollkühnen Plan kaum verwirklichen. Mit dem gefeierten Rennfahrer Giovanni Fabbri (Maccio Capatonda, der gerade exekutiert werden soll, was eine aufwändige Rettungsaktion notwendig macht), der quirligen afroitalienischen Taschendiebin Hessa und dem Anarchisten Molotov ist die bunt gemischte Truppe dann komplett und bereit, das Wagnis auf sich zu nehmen...

Unter dem Titel Rapiniamo il Duce hat Regisseur und Drehbuchautor Renato De Maria eine Gaunerkomödie vor dem Hintergrund des zu Ende gehenden 2. Weltkriegs abgedreht, die sich zahlreicher filmischer Versatzstücke bedient und am ehesten noch in der Neo-Noir-Ecke anzusiedeln ist. Unterlegt mit einprägsamer Musik (vor allem eine gleich mehrfach von Darstellerin Matilda De Angelis intonierte italienische Coverversion des Stones-Hits Paint it black) versuchen hier verfeindete Gruppierungen einen Goldschatz in die Hände zu bekommen zum Zweck der persönlichen Bereicherung, wobei sich alle Proponenten untereinander genauestens kennen und nicht nur durch die unvermeidliche Bettgeschichte miteinander verbunden sind.

Der bunte Reigen, bei der Vorstellung der Gangmitglieder auch mit Comic-Animationen unterlegt, nimmt sich zu keiner Zeit wirklich ernst (man beachte im Vorspann die Tafel "nach einer fast wahren Begebenheit", wobei fast ausdrücklich ohne Anführungszeichen geschrieben steht) und verzichtet weitgehendst auf moralische Ansprüche, vermeidet erfreulicherweise jedoch plumpe Slapstick-Einlagen zugunsten dezenter Situationskomik. Die mit streckenweise opulent wirkenden, in jedem Fall sehr sauberen Computeranimationen inszenierte Schatzjagd möchte dabei vor allem eines: nämlich unterhalten. Dies erfolgt mit der aus früheren Celentano- oder Terence-Hill-Filmen gewohnten (man möchte fast sagen typisch) italienischen Lockerheit und Nonchalance, welche thematisch ähnlich gelagerte Streifen (namentlich deutscher Herkunft wie z.B. der kürzlich erschienene Blood & Gold) so schmerzlich vermissen lassen. Im Gedächtnis bleiben insbesondere einige Auto-Verfolgungsjagden, bei denen top-gepflegte zeitgenössische italienische Fahrzeuge zum Einsatz kommen - che bello!

Hauptdarsteller Isola ist ein äußerst dezent auftretender und daher von allen Seiten (sogar den Faschisten) respektierter Ganove, dessen Geschäfte auch in den Kriegwirren noch einigermaßen laufen. Seine ganze Liebe gehört der jungen Yvonne, die den sie stets umgarnenden älteren Borsalino aber noch nicht verlassen will, da sie als dessen Betthäschen ihrem Isola und seiner Bande mit ihrem Insiderwissen sehr von Nutzen ist. Die meist rot gewandete Yvonne stellt damit auch optisch den bevorstehenden Wandel der politischen Landschaft Italiens dar, während ihre Rivalin, die in schwarz gekleidete Nora Cavalieri (Isabella Ferrari), die Ehefrau Borsalinos, das bisherige, überkommene Italien wiederspiegelt. Denn Nora, eine gealterte Filmdiva, kann sich kaum damit abfinden, keine Starrollen mehr zu bekommen - nach außen hin mondän auftretend wie einst Marlene Dietrich verachtet sie ihren hochrangigen Gatten für dessen Seitensprünge und hasst natürlich dessen Objekt der Begierde. Doch ähnlich wie Isola vermag Nora kühl zu kalkulieren und hat ganz eigene Vorstellungen ihrer Zukunft...

Fazit: Der Schatz des Duce ist eine rundum gelungene Kriegskomödie, die ihren freilich äußerst konventionellen, mit nur wenigen Twists ausgestatteten Plot dank drollig-sympathischer Darsteller unter Zuhilfenahme fetziger Rhythmen & Amore bis zum Schluß unterhaltsam rüberbringt. 7 Punkte.

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