Zum leider krankheitsbedingten Ende der Karriere richten sich alle Augen noch einmal auf Bruce Willis; zum einen der kruden Neugier halber, auch wenn zuvor der Bogen möglichst groß um dessen letzten (vielen) Arbeiten für den DtV-Sektor gezogen wurde und die Häme auch teilweise ohne konkreter Sichtung der Erzeugnisse verteilt. Zum anderen auch, weil unter den zahlreichen damals noch auf die Veröffentlichung harrenden und bereits abgedrehten Werke auch eine weitere Zusammenarbeit (nach Pulp Fiction) mit John Travolta zu finden war, Paradise City, die naturgetreu als exklusiver angesehen und wert betrachtet wurde, auch außerhalb der üblichen Nischenklientel gesehen zu werden. Co-Star Travolta selber ist es die letzten Jahre nicht wirklich besser ergangen, wird auch außerhalb der großen Leinwand, wenn auch zugestanden mit mehr Aufwand (von ihm selber und vom Drehteam) und mehr namhaftes in der näheren Umgebung gefilmt. Eines dieser Produktionen war I Am Wrath, dessen Regisseur Chuck Russell dort eine durchaus kompetente und patente Inszenierung vorgelegt und hier hoffentlich mit demselben Können und gleicher Wirksamkeit anwesend ist:
Nach der Nachricht vom Verschwinden und Tod seines Vaters Ian Swan [ Bruce Willis ] in Ausübung seines Berufes als Kopfgeldjäger, macht sich sein Sohn Ryan [ Blake Jenner ] zu der letzten bekannten Stätte nach Maui auf, wo er die Hilfe von Ians früheren Partner und Freund Robbie Cole [ Stephen Dorff ] auf der Suche nach den Mördern in Anspruch nimmt. Unterstützt von der Polizistin Savannah Tui [ Praya Lundberg ] führt sie die Spur dabeim zum windigen Geschäftsmann Arlene Buckley [ John Travolta ].
Ungewöhnlich für die Produktion und mit ein Zeichen für eine gewisse Herausstellung zu den sonstigen Kollegen ist neben der Anwesenheit von Travolta und auch Dorff – welche beide demnächst auch in American Metal von 308 mitwirken – hier insbesondere neben dem Schauplatz Hawaii auch die Wahl des Regisseurs; gerade bei den 308 Entertainment Erzeugnissen hat sich gerne auch der Chef selber, John Edward Drake hinter die Kamera und dies auch mit durchaus Händchen und guten Ergebnissen bewegt. Der 'neue' Mann Russell selber steigt mit einer Actionszene am Strand ein, eine scheinbare Entführung, ein Autounfall, eine Mannschaft Schergen in horrender Überzahl und schwerbewaffnet bis an die Zähne rauscht heran. Schüsse knallen, Menschen fallen, eine Nachricht wurde noch abgesandt, der Film fängt an.
"This should be interesting."
Beginnen tut das Ganze wie ein Update von The Fall Guy, der Früh-Achtziger Fernsehserie um Ein Colt für alle Fälle, was den Kopfgeldjäger als Beruf (neben später bspw. Renegade) mit bekannt und salonfähig gemacht hat. Willis und Dorff im gleichen Metier, aber einzeln unterwegs, beide nutz(t)en die ausgeschriebenen Aufträge zum Brötchenverdienen, beide haben den Waffenschein und die entsprechende Ausstattung, der Jüngere hält sich noch im Sande wartend auf sein 'Opfer' auf, der Ältere wohl schon tot und blutend im Meer. Es MMA-Wettkampf im Ring und eine versuchte Flucht vor der eintreffenden Polizei als die nächste Form der Bewegung, die Sonne scheint, die Optik hell. Die Umgebung selber bleibt hemdsärmlig, die Inszenierung auch, Hawaii Crime Story, eine längere Vorstellung der Situation, einige Gespräche unter Männern, ein brüderlicher Zusammenschluss, und die Chose geht los. Ähnlich zu den erwähnten Titeln hat man auch hier eher das Gefühl des Saloppen, der Fernsehdramaturgie, manches Gerede wirkt nutzlos, wiederholt, gestellt oder gestelzt, oder dient sichtlich nur der Weitergabe von Informationen, dafür bricht in einem Hotelzimmer im zehnten Stock bald das Chaos aus, wird dort gewütet und geprügelt und die arme zufällig anwesende Reinigungskraft aus sicherer Entfernung mit einem Scharfschützengewehr erledigt und jemand hinab in den Pool katapultiert.
"Those fireworks in the hotel were spectacular. I thought it was a goddamn fourth of July."
Die Polizei interessiert das nicht so, dafür ist die Politik ein wenig mit anbei, Korruption und Schmierentheater in den Organisationen, zwei oder drei Leute des einfachen Volkes, die dagegen vorgehen, in Säuberungsaktionen auf allerlei Machenschaften stoßen und den Schmutz aufkehren. So richtig funktionieren tut das Ganze nicht, zwischendurch sind nur zwei Frischlinge im Bild zu sehen, die die Handlung zwar anreichern und voranbringen sollen, sie aber nicht tragen, selbst die Inselschönheit mit auch Bikiniauftritten und im weit geschlitzten Kleide nicht, es gibt einige touristische Aufnahmen, es gibt merkwürdige Abstecher in die Ethnologie, speziell die Kulturanthropologie (und den folkloristischen Score), es gibt einige unfreiwillige Albernheiten (die Stripper-Informanten, die Schwitzhütte, der Lavaeffekt), die gleich Abzüge und eine Summierung des Minuskontos bringen. Schlimmer noch: Spätestens ab der Hälfte wird der Kuddelmuddel auch schlichtweg absurd, und die Action startet spät: ein Stelldichein mit Bleispritzen in der Villenfestung des Bösen, ein kurzer Schusswechsel erst kurz vor knapp, im Grunde nicht der Rede wert.