*** Spoilerwarnung für die Szene nach dem Abspann ***
Billy Batson und seine Pflegegeschwister verdingen sich seit dem Kampf gegen Thaddeus Sivana als Heldentruppe. Dabei ist die öffentliche Wahrnehmung nicht so wirklich positiv, so sehr sich die Shazams auch bemühen. Doch es stehen neue Herausforderungen an, denn zwei Töchter des Titanen Atlas haben aus einem Museum den zerbrochenen Stab des Zauberers entwendet.
Und mit diesem haben die was vor. Letztlich ist das en detail nicht so wichtig, die Fortsetzung des 2019er Erstlings um den mit Superkräften ausgestatteten Halbwüchsigen ist ein formelhafter 08/15-Heldenfilm geworden. In seinen über zwei Stunden Laufzeit passieren Dinge, die man schnell vorausahnt und nicht Dinge, die einen überraschen. Zwar kann Bekanntes bei entsprechendem Arrangement auch Spaß machen, dieses hat man hier jedoch einfach gelassen und hinzu kommen noch ein paar Ärgernisse, sodass man irgendwann dieses meist generische Produkt nur noch über sich ergehen lässt. Vielleicht ist es auch die Müdigkeit, gespeist aus dem dröflzigsten Genrefilm nach bekanntem Muster.
In einer Art Traumsequenz baggert Billy in Heldengestalt Wonder Woman an, die dann mit dem Kopf von Djimon Hounsou bzw. dem Zauberer ausgestattet ist. Der Moment soll offensichtlich witzig sein. Ist er aber nicht, nur gruselig. Irgendwann gegen Ende bekommt Billy dann einen Moment spendiert, bei dem mir eine Träne vermitteln soll, dass das hier wohl ein emotionaler Höhepunkt ist. Funktioniert aber nicht. Man stellt die anderen Familienmitglieder hier mehr als im Vorgänger in den Mittelpunkt. Sie bekommen aber nicht mehr Profil. Und ja, es sind überwiegend Kinder / Teenies, trotzdem ist ihr Verhalten gerade im Hinblick auf manche Schurkin nur fahrlässig dumm. Andererseits verhält es sich auf Seite der Antagonistinnen ähnlich, denn diese räumen dem Helden immer genug Zeit ein, sich im Kampf auch mal um andere Dinge zu kümmern. Eine pathetische Rede an die Liebsten hier, das Aufladen einer Superaktion dort. Das nenn ich mal Sportsgeist. Davon, dass manch Betroffene seelenruhig auf das schaut, was gerade auf sie hereinbricht, fang ich gar nicht erst an.
Eine Fallhöhe gibt es nicht. Dafür gegen Ende die erwartbare Klopperei gegen CGI-Figuren, da werden allerlei Monstren aus der griechischen Mythologie aufgefahren. Sowieso hätte sich da viel mehr Bezug angeboten bei der Hintergrundthematik, aber wahrscheinlich wollte man das Publikum nicht mit Namen oder Geschichte überfordern. Berieseln, nicht belehren, so geht Blockbuster heute. Letztlich machen die Kreaturen nicht viel, bisschen Randale und Leute schubsen. Sorgen machen muss man in dem Genre eh nicht. Denn egal, wie finster es am Ende auch wirken mag, eine kommt einfach vorbei und rettet den Tag. Öde.
Mit seinem komödiantischen Ton ist es nicht so weit her, ein paar Schmunzler sind aber schon drin, als Ausgleich versanden genug andere Gags im Nichts. Eigentlich ist die witzigste Szene die nach dem Abspann, wenn man einfach noch einmal das Gleiche anteasert wie beim Vorgänger.
Als Billy Batson sieht man wieder Asher Angel (jung) bzw. Zachary Levi (Held). Erstgenannter hat aber gefühlt kaum Auftritte, da gibt es von seinem Kumpel Freddy (Jack Dylan Glazer) mehr zu sehen. Und dieser ist gewohnt anstrengend bis nervig. Neuzugang Rachel Zegler bleibt blass. Ganz im Gegensatz zu Djimon Hounsou, der ebenfalls mehr als im Vorgänger zu sehen ist und den der Film eigentlich gar nicht verdient hat. Ebenso bleibt die Frage, was Helen Mirren und Lucy Liu überzeugt hat, hier mitzumachen. Wie Mirrens Hespera einen Brief vorliest ist zwar witzig, erinnert aber auch daran, wie verschwendet so eine Darstellerin hier wirkt.
Eine Fortsetzung, die das Dilemma des Genres ganz gut zusammenfasst. Einfach mal alles an die Wand werfen, irgendwas wird schon hängenbleiben. Ein formelhafter Superheldenfilm mit schwach gezeichneten Figuren und einer vorhersehbaren Geschichte. Das übliche Bohei, in mancher Einzelszene durchaus mit Unterhaltungswert, als Gesamterlebnis aber einfach kein guter Film. Oder wie es Hespera sagte: „You're wasting my time, boy.“