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Der feministische Film von Co-Autorin und Regiedebütantin Gia Elliot verfolgt eine klare Botschaft, die sie mit dem Vorschlaghammer aufs Publikum nieder rasseln lässt: Männer sind Monster, doch einige Frauen sind mit ihrer Opferbeschuldigung auch nicht besser. Wenn die Chose denn wenigstens einigermaßen spannend umgesetzt worden wäre.

LA: Künstlerin Jane (Emma Fitzpatrick) befindet sich soeben auf ihrer erfolgreichen Vernissage, als sie einen betrunkenen Gast nach draußen begleitet, um sich kurz darauf in einer menschenleeren Sackgasse wieder zu finden. Als sie im Krankenhaus mit einigen Blessuren erwacht, kann sie sich nur vage an einen Angriff von etwas oder jemandem erinnern, was die befragende Polizistin mit Ungläubigkeit quittiert. Jane ist gezwungen, sich dem Monster erneut zu stellen…

Im juristischen Sinne dürfte es im Grunde keine Rolle spielen, ob das Opfer zum Tatzeitpunkt unter Alkohol – oder Drogeneinfluss stand, denn ein Übergriff bleibt ein solcher, sofern er eindeutig nachgewiesen wird. Das Skript geht bei der Hauptfigur jedoch noch einige Schritte weiter und dichtet Jane ein Kindheitstrauma als auch eine schizophrene Mutter an, was im Kontext einer fantasievollen Künstlerin folgerichtig nach hinten losgeht. Ihr Geltungsdrang als Influenzerin in den sozialen Medien gestaltet dies nicht besser, wenn jedes Detail in Bild und Ton nach außen posaunt wird, wobei selbst Nebensächlichkeiten festgehalten werden, die mit der vermeintlichen Tat nichts zu tun haben.

Bezeichnenderweise erhalten sämtliche Nebenfiguren erst gar keine Namen und auch Jane fungiert nur mit ihrem Künstlernamen Jane Doe Does, die auf ihrer Feier mal so nebenher einen Typen oetkert, dessen Gesicht natürlich nicht zu sehen ist. Wichtig war aber festzuhalten, dass der Kerl verheiratet ist und sich mit seiner Frau auf jener Feier befand, - nur um die kollektive Ausrichtung der Männer anhand eines typischen Beispiels zu verdeutlichen.
Zuweilen übertreibt es der feministische Klischeebatzen wahrlich.

Obgleich dem eigentlichen Angriff in der nächtlichen Sackgasse eine angemessen bedrückende Atmosphäre anhaftet und, soviel sei verraten, es nicht nur bei dem einen Aufeinandertreffen mit dem Monster kommt, ist auf der Horrorschiene enttäuschend wenig mitzunehmen. Zumal die CGI-Erscheinung im Grunde nur aus Rauch und Fliegen besteht, während im Zentrum irgendwo ein Bigfoot-Gebiss und ein paar undefinierbare Klüsen herumschweben. Nicht gerade eine Ausgeburt ausgetüftelten Monster-Designs.

Was die Chose deutlich aufwertet ist Hauptdarstellerin Fitzpatrick, die auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war. Sie ist durchweg präsent, performt nuanciert und schafft es, an der Glaubwürdigkeit ihrer Figur zweifeln zu lassen, ohne diese als schwach oder gar wehrlos erscheinen zu lassen. In Form eines bodenständigen Dramas ohne den luschig inszenierten Horror-Schnickschnack wäre ergo deutlich mehr drin gewesen, obgleich sich dem Finale eine leichte Spannungssteigerung zusprechen lässt.

Zweifelsohne ist der Kern der Botschaft wichtig, doch die Umsetzung gestaltet sich nicht gerade subtil und liefert darüber hinaus zu wenig Suspense und Stoff zum Mitfiebern. Derweil dürften Horrorfreunde aufgrund geringen Potenzials rasch abwinken und auch als reine Allegorie versumpft der Stoff aufgrund von Oberflächlichkeiten und zu vielen Klischees.
Eine starke Hauptdarstellerin und einige atmosphärische Ansätze retten den Stoff noch ein wenig.
4 von 10

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