Laut Regisseur Hernán Jabes könnte sich sein Stoff, der als Psychothriller konzipiert ist, auf ganz Lateinamerika beziehen, für dessen Zukunft er relativ schwarz sieht. Korruption und Machtmissbrauch sind einige seiner folgerichtigen Kernthemen.
2017: Alain, Lolo, Carmen und Eli sind Studentenkids der Oberschicht, die sich nicht für die politischen Unruhen rund um Caracas interessieren. Sie genießen ihr ausschweifendes Leben mit Sex, Drogen und Oberflächlichkeiten, bis Eli eines Tages ermordet aufgefunden wird. Im Jahre 2033 ist Alain Journalist, der mit seinem Berufskollegen Salvador eine Beziehung eingeht, welcher ungeklärten Morden nachgeht und dabei auf den Tod von Eli stößt…
Die nahezu komplette Abwesenheit von Familie fällt früh auf und lässt deutliche Parallelen zum Film „Kids“ entstehen. Entsprechend ziellos leben die Heranwachsenden in den Tag hinein, der von Gruppensex und Rausch geprägt ist und ansonsten völliges Desinteresse offenbart. Folgerichtig findet sich kein Sympathieträger, auch nicht in der Handlungsebene 13 Jahre später, denn auch hier sind die Figuren stark auf sich selbst fixiert.
Jabes jongliert mit den zwei Zeitebenen und klammert die Umstände des Ablebens von Eli lange Zeit komplett aus, wodurch eventuelle Ermittlungsarbeiten unter den Tisch fallen. Erst im letzten Drittel kristallisieren sich die wahren Hintergründe heraus, während 2017 bereits früh ein vermeintlich Schuldiger gefunden und auch angeklagt wird. Leider gestaltet sich das Treiben über weite Teile recht zäh und inhaltslos und obgleich diverse Softsexeinlagen ästhetisch und zu keiner Zeit voyeuristisch gefilmt sind, nehmen die Bilder doch recht viel Zeit in Anspruch.
Ab und an fließen per TV zwar regierungskritische Phrasen ein und man redet von Revolution und Umbruch, der 2033 sogar in einer vermeintlichen Demokratie mündet, doch diesbezüglich bleibt der Stoff reichlich vage. Auch die Beziehung zwischen den Journalisten erhält keine nennenswerte Tiefe, obgleich sich sämtliche Darsteller erfolgreich um Authentizität bemühen und entscheidend dazu beitragen, zwischenzeitlich nicht das Interesse zu verlieren. Erst im letzten Drittel nimmt die Angelegenheit Fahrt auf, da sich die Handlungsebenen schneller abwechseln und das Geheimnis um Elis Ableben endlich ans Tageslicht kommt.
Allzu große Überraschungen sollte man diesbezüglich jedoch nicht erwarten und sich überhaupt auf die eher ruhige Herangehensweise einlassen können, die storytechnisch oftmals mäandert, statt Fakten zu servieren. Handwerklich, optisch und soundtechnisch gestalten sich die 107 Minuten recht ansprechend, etwas mehr Suspense hätte jedoch nicht geschadet.
5,5 von 10