3 Jahre nach Abschluss der Dreharbeiten erreicht uns in Europa - marketingtechnisch unspektakulär - Gary Daubermans filmisch aufbereitete Bearbeitung von Stephen Kings famoser Vampirgeschichte und damit bereits die dritte Verfilmung des Stoffes.
Zieht man Tobe Hoopers auf Kino-Lauflänge zurechtgestutzte erste Version ab, ist es nunmehr auch die erste Version, die auch von einer Auswertung auf der grossen Leinwand profitiert.
Selbstverständlich mussten dafür einige Figuren Federn lassen, ein paar Hintergründe und Nebenplots gestrichen oder nur mit einem Satz erwähnt werden aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Dauberman ist ja bereits ein Experte im atmosphärischen Erzählen von Gruselgeschichten (siehe nahezu alles um die Horror-Puppe "Annabelle" herum, die etwas unrunde und viel zu lange 2-teilige Neuverfilmung von Stpehen Kings "Es") und mit Unterstützung vom Mit-Schöpfer des "Conjuverse" James Wan (als Producer) und dem Autor der Vorlage höchstselbst Stephen King (als Executive Producer) gelingt ihm ein vorzüglicher, gruseliger, spannender und mit dem nötigen Blutgehalt ausgestatteter Vampir-Film, der das Horror-Kino zwar nicht neu erfindet aber wunderbar klassisch unterhält.
Experimente werden nicht gemacht, so dass man dem Film vorwerfen könnte, er sei inszenatorisch eine allzu sichere Bank aber schliesslich hat man damit auch mit den beiden "Es"-Teilen Millionen verdienen können, ohne an irgendeiner Stelle bekannte Pfade zu verlassen.
Die Beziehungen zwischen den Figuren in "Salem's Lot" werden gut ausgearbeitet, so dass sie für den Zuschauer nachvollziehbar bleiben, die Horror-Effekte wie Nachtszenen, Verfolgungen, zwielichtige Gestalten und vor allem der Auftritt der Vampire werden herrlich in Szene gesetzt und das für King-Geschichten typische Kleinstadt-Feeling ist greifbar nah. Ein paar humorvolle Einlagen sind ebenso dabei - überraschend dafür verantwortlich ist die sonst eher arg ernsthafte Alfre Woodard als rationale Ärztin.
Die Handlung spielt - ebenso wie in der Romanvorlage - in den 70ern des 20. Jahrhunderts aber modernisiert wurde trotzdem etwas. Beispielsweise ist die eher züchtige Susan Norton hier eine selbstbestimmt vorgehende junge Frau (die leider durch ihr penetrantes Make-Up bereits von Beginn an optisch sehr kränklich wirkt) und der junge Held Mark Petrie ist ein zupackender entscheidungswilliger und stets bedacht handelnder Junge, der bis zum Finale meine Sympathien auf seiner Seite hatte. An diesem Finale wurde ebenfalls etwas herumgeschraubt aber meine Zustimmung findet es - in Inszenierung und Kreativität - durchaus.
Darstellerisch werden in "Salem's Lot" kaum herausragende Akzente gesetzt. Pilou Asbaek spielt den Antiquitätenhändler Richard Straker in seinen wenigen Szenen wie eine Mischung aus dem eleganten James Mason der ersten Verfilmung und dem leicht tuntigen Donald Sutherland aus der zweiten filmischen Umsetzung, Lewis Pullman läuft keine Gefahr, der farblosen Protagonisten-Darstellung von David Soul oder Rob Lowe viel hinzuzufügen und der legendäre Übel-Bringer Kurt Barlow reiht sich in die optische Tradition eines Reggie Nalder und des Vampirs aus dem letztjährigen "Die letzte Reise der Demeter" ein - seine Auftritte sind aber ungleich bedrohlicher und angsteinflössender inszeniert.
Dass der Film für einen Streamingdienst hergestellt wurde, nun aber doch eine europäische Kinoauswertung bekommt, ist in meinen Augen ein grosser Glücksfall des Kinojahres 2024 und speziell zu Halloween eine feine Gruselsache geworden. Kurzweilig inszeniert, auf den Punkt erzählt und mit einer wunderbaren Kleinstadtatmosphäre versehen (die für mich den Roman schon so gruselig und nachvollziehbar gemacht hat) haben wir hier ein schönes Horror-Highlight bekommen, dass zeigt, dass sich auch Warten lohnen kann, um einmal wieder einen schönen altmodischen Gruselfilm auf dem Silbertablett der grossen Leinwand serviert zu bekommen.