Einiges an dem Regiedebüt von Nebendarsteller und Autor Matt Nable ist ein wenig irreführend. Beginnend mit einem Titel, der suggeriert, dass jemand wie Liam Neeson schon mal loslaufen kann, um seine Familie zu retten, bis hin zur Vermarktung als Rache-Thriller, der er zu keiner Zeit ist. Immerhin werten die Mimen um Sam Worthington das australische Drama merklich auf.
Logan (Worthington) war einst Scharfschütze bei den Special Forces, doch seit dem Unfalltod seiner schwangeren Frau (Phoebe Tonkin) ist er als allein erziehender Vater völlig überfordert, woraufhin Teenagersohn Billy (Edward Carmody) nicht selten mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Als ihn sein väterlicher Kamerad (Nable) um einen vermeintlich routinierten Job bittet, riskiert Logan viel, um dem Teufelskreis zu entkommen…
Kurzum fehlt dem Drehbuch die kreative Ader, dem Vater/Sohn-Konflikt im Zentrum die berührende Note zu verleihen, obgleich die beiden Hauptdarsteller mit einer ordentlichen Präsenz und einer guten Chemie unterwegs sind. Ein typischer, erzählerischer Knackpunkt ist der enorme Schicksalsschlag der Familie: Anstatt diesen Break auf emotionaler Ebene auszuloten, wird er in Rückblicken abgehandelt und die dazugehörige Tragödie nur häppchenweise transportiert. Die Auswirkungen sind zwar spürbar, doch es mangelt definitiv an Konfliktpotenzial.
Noch stärker vernachlässigt werden der Thrill und der Actionanteil innerhalb der Kriminalgeschichte, welche ebenfalls recht oberflächlich daherkommt. Nach einigem Zögern willigt Logan bei dem Job ein und ist einmal mehr als Scharfschütze unterwegs, ohne diese Tätigkeit genauer zu hinterfragen. Folgerichtig erfährt man nicht mehr, als dass in Dunstkreisen Krimineller gehandelt wird, doch es gibt weder einen Bösewicht, noch eine damit verbundene Bedrohung, wodurch etwaige Dringlichkeiten sogleich entfallen.
Zwar sind die wenigen Actionmomente, wie blutige Einschüsse, der Crash beim Autounfall und ein recht spät einsetzender Zweikampf ordentlich in Szene gesetzt, doch Spannung kommt allenfalls während der finalen Minuten auf und auch hier bleibt die Motivation äußerst vage und mutiert fast schon zu einer unglaubwürdigen Komponente. Auch die Entscheidung, die verstorbene Ehefrau als eine Art moralisch unterstützenden Geist zu visualisieren, ist nicht immer glücklich gewählt, wobei man immerhin nicht in kitschige Gefilde abdriftet.
Eher umgibt sich der Stoff mit einer melancholischen Grundstimmung, wozu der weitgehend effektiv abgestimmte Score nicht minder beiträgt. Auch Worthingtons kraftvolle Performance und die der meisten Nebendarsteller tragen zur stimmigen Atmosphäre bei, was allein jedoch keine Geschichte trägt.
Denn diese wird mitunter lahm vorgetragen, einige redundante Szenen ziehen die ohnehin schon nicht gerade temporeiche Chose noch mehr in die Länge und bis auf das solide Handwerk und den Ansatz emotionaler, jedoch zu spät einsetzender Einschübe ist hier nicht viel mitzunehmen. Und bei einer Mischung von 90 Prozent Drama und einer kläglichen Restmischung aus Action und Krimi werden Genrefans der mitreißenden Gangart überdies zu wenig bedient.
Knapp
5 von 10