Psychothriller mit Meyers, Jonathan Rhys, einigen bekannten Studios hinter der Produktion, keinen bekannten Namen hinter ihr, selbst den zweiten Hauptdarsteller kennt man nicht, vielleicht noch Bruce Davison als 'and'. Mysteriös, ominös, nebulös der Beginn, nicht die eigentümlich erste Szene, sondern der Prolog, die Einführung, nicht die Einleitung, nicht die Vorstellung, ein Fotograph wird chauffiert, quer durch die Stadt, etwas weiter außerhalb des Zentrum, in das Vorortzentrum, zu einem alten Bekannten, Davison macht die Erzählerfigur, die Begleitung. Ein ordentliches Haus, eine Wohnung mit einer gut gefüllten Bibliothek, mit einem neuen Job, einem Neustart gesamt, er wird begleitet, vorgestellt, angeleitet, eingeleitet. Die Arbeit ist okay, der Nachbar ist das Problem:
Der amerikanische Journalist David [ Luke Kleintank ] hat nach einer schlechten Beziehungstrennung eine Stelle beim "European Press Network" in Riga angenommen. Während er sich einlebt, lässt ihn sein Redakteur Grant [ Bruce Davison ] in einem Haus wohnen, das ihm außerhalb der Stadt gehört. So trifft er seinen Nachbarn Robert [ Jonathan Rhys Meyers ], der sich als hilfreich erweist, um ein hartnäckiges Auto zum Laufen zu bringen. Als Dank lädt David den lettisch-britischen Mann auf einen Drink ein. Sie landen in einem Club, wo der neue Mann eine weitere Britin, die lebhafte Janine [ Ieva Florence ] trifft und so viele Funken zündet, dass sie Nummern austauschen, bevor sie nach Hause fährt. Auf der Heimfahrt haben beide Männer einen Autounfall.
Eine nächtliche Spritztour sollte gemacht werden, stattdessen funktioniert der Motor nicht so, wie er sollte, deswegen ein Klingeln beim Nachbarn, erst um Hilfe bittend, freundlich eingeladen von Meyers, "No problem. I know, where you live.", das sollte sich noch zeigen, hier noch nachbarschaftlich ausgesprochen, eine Pflegefachraft, ein Journalist, man bekommt das Auto zum Starten, man beginnt gemeinsam ein Tour, sie soll gefährlich enden, es wäre kein Psychothriller sonst.
Meyers sieht hier besser aus, gesünder, minimal zugenommen, interessiert an der Geschichte, ein besseres Drehbuch, eine solide Geschichte, wieder ein schauspielerisches Duell, wie vorher und nachher öfters, die Aufmerksamkeit auch nicht auf ihn, noch nicht, eine andere Hauptperson. Die Nächte sind allein, die Frau und den besten Freund verloren, gleichzeitig, noch keine Bekanntschaft in der Stadt, man drängt sich fast auf, dem Nachbarn, dem späteren Mit- und Widerstreiter. Für die Clubs ist man fast zu alt schon, dennoch besucht man einen, versucht sich anzupassen, zu inkludieren, zu insistieren, zu invadieren, "a short trip to hell", es wird geflirtet, nicht miteinander natürlich, mit einer Frau im Nachtclub, schnell Anschluss und Anklang gefunden, die Regie weiß um die Inszenierung, die Betonung, die Artikulation, die Präsenz seiner Darsteller, die Vorbereitung der Situation. Ein erster Ausflug noch harmlos, freundschaftlich fast, die Wohnung abgelegener nachts als am Tag, ein Unfall passiert, ein Unfall tatsächlich, nicht mit Absicht, aber fahrlässig, man steht vor einer Leiche, ein tödliches Problem. CPR wird versucht, die Fahrradfahrerin voll erwischt, sie atmet nicht mehr, keine Wiederbelebung möglich, ein schlechtes Ende der Nacht, man hat einen ersten Fehler und dann einen zweiten, den tatsächlichen gemacht, die Unfallflucht, die Veränderung der Situation, das Heil im Entkommen gesucht, ein Gespräch mit dem Nachbarn, auf dessen mittlerweile merkwürdig klingenden Worte gehört.
Wie man so schön sagt, man kehrt immer wieder zum Tatort zurück, es wird sich früh, noch bei der Polizeiuntersuchung nach dem 'Rechten' gesehen, mit dem eigenen Gewissen gekämpft, die Telefonnummer vom Arm mit der Seife abgewaschen, die Spuren ausgelöscht, der andere hört sich um derweilen. Ruhig und stilsicher inszeniert, die Figuren, die Menschen beeinflussend, ihre Schocksituation zeigend, wie in Watte gepackt, in einem Kokon gefangen, beruflich auch noch involviert, zuviel für einen. Die Schuld frisst sich in die Seele, man muss der Pressekonferenz beiwohnen, sich Notizen über die eigenen Taten machen, der Nachbar ist schon weiter, der nimmt die Sache in die eigene Hand, kümmert sich um die Nachwehen, die Einzelheiten. Ein Gewissen und kein Gewissen wird gezeigt, die normalen menschlichen Reaktionen, im Guten wie im Schlechten zeigend. Ein Mann außer Kontrolle, ein Mann in Kontrolle, ein Austausch miteinander, eine spezielle Situation, ein Bündnis auf Leben und Tod, ein mitgefangen, mitgehangen, die Lügen aufeinander abgestimmt, einer kaltblütig, der andere mit schwachen Magen, ein doppeltes Verhältnis, ein Ungleichgewicht, aus einer möglichen freundschaftlichen Beziehung wird etwas anderes, eine Abhängigkeit, eine Co-Abhängigkeit, einige Auffälligkeit, außer natürlich, dass beide vom Tatort geflohen sind; und: Die Schwester des Opfers macht ihre Aufwartung, sie bittet um Hilfe, ein schlechtes Zeichen, ein zusätzlicher emotionaler Bezug.
Meyers macht nicht die eigentliche Hauptrolle, der Andere ist mehr im Bilde, mehr in der Aktion, in der Reaktion, ein 'Normalbürger' mit einem riesigen Problem auf den Schultern und in der Seele, mittig folgt die Wiederholung des Prologs, ein Omen, eine Prophezeiung, eine Ablehnung, eine Abweisung, eine Deutlichmachung, eine startende Aggression, einer Obsession, eine "odd bird" - Situation, das Remake des deutschen Debütfilmes Unter Nachbarn (2011), eine hitchcocksche Prämisse, Der Fremde im Zug (1951), eine deutliche Angleichung. Was vorher okay und harmlos schien, ist es jetzt nicht mehr, alles verändert, von einem Tag zum anderen, von einer Minute zur anderen, es wird versucht, alles wird gerade zu biegen, der merkwürdige Gefühl zu vermeiden, wegzukriegen; die Polizei als dritte Partei am Ermitteln. Eine böse Tat zieht hier zwangsläufig weitere nach sich, ein Strudel, ein Kreislauf der Gewalt auch, mit Sogkraft, über sich selber in der dritten Person nur abfälliges und unflätiges gehört, das Herz schmerzt, es ist schwer, die Gedanken trübe; Meyers die Ruhe in Person, dann wieder die Ablehnung, die Abweisung, eine push-and pull Taktik, so gesehen. Viel in der Öffentlichkeit spielt das, in der Zeitungsredaktion, auf den Straßen, in den Etablissement, es werden Bekanntschaften und Erfahrungen gemacht, auf Beobachtung, fast Eifersüchteleien, Neidattacken gemacht, auch wie (scheinbar) Black Butterfly - Der Mörder in mir (2017) ein Thriller im Stil der Achtziger Jahre, über Männerfreundschaften und ihre Auswirkungen gemacht, ein erste heimliche Attacke, ein Wutausbruch gemacht. Die 'Konkurrenz' wird ausspioniert, observiert, das Objekt der Begierde beobachtet, mit immer schärferen Gefühlen, mit Zurückweisung, mit Abneigung, mit einem Verändern von Emotionen, die Thrillermomente im Stillen ausgespielt, die Anziehungskraft zueigen gemacht, man hangelt sich von Wochenende zu Wochenende, die Lügen werden größer, man befindet sich im Visier der Inszenierung, Meyers nur als störender Faktor, als fünftes Rad am Wagen, es wird für alle nicht einfacher, es wird für alle schwerer, von Tag zu Tag. Ein mit genügend erzählerischen Fundament und dramaturgischen Wendungen gestützter Crime, wenig Aussicht auf Besserung, ein letales Spiel gespielt.
Eine positive Überraschung hier geboten, von Seiten des Filmes, ein komplexes Skript, einige ruhige darstellerische Präsentationen, eine Organisation, ein striktes Dranbleiben an den Geschehnissen, die Initiativen unterschiedlich, sich viel um das Haus bzw. der nachbarschaftlichen Häuser gedreht, beim Lügen ertappt, beim Instituieren, es geht in der Körperlichkeit, in das Präzisieren der push-and-pull Taktiken, die Kurbel angezogen, die Spannungskurve steil voran.