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Gewiss ist das Phänomen der Influencer auch eine Sache der Generationen, von denen sich eher die Jüngeren etwas annehmen, zumal sie im Bereich des Marketings und der Werbung die Hauptzielgruppe sind. Anderweitig sind das schwache Schauspiel und die leeren Worte oftmals als solche erkennbar, so dass manche eher als Flatulenzer durchgehen, - mehr als heiße Luft kommt da nicht. Eine ähnliche Denkweise scheint Regiedebütant und Co-Autor Jaimie Bailey zu vertreten.

Cheerleaderin Kelly ist mit fast einer halben Million Followern eine erfolgreiche Influencerin. Doch nun befindet sie sich in einer misslichen Lage, denn in einem Heizungskeller sieht sie sich dem maskierten Charles gegenüber, der die junge Dame in seine Gewalt gebracht hat. Sein Ziel: Sie soll sich selbst hinterfragen und während einiger Challenges an ihre Fans wenden, um entsprechende Klicks in bestimmter Zeit zu generieren, - und somit am Leben bleiben…

Nichts gegen diejenigen, die sich kritisch mit zeitgenössischen Themen rund um Politik, Gesellschaft bis hin zu Film oder Hörspiel auseinandersetzen. Doch der Anteil der Egozentriker ist groß und gerade der Bereich der Kidfluencer erzeugt einen bitteren Beigeschmack, wenn Eltern ihre Kids instrumentalisieren, um den Erfolg zu erzeugen, den sie selbst nie hatten. Deshalb wählte man für die Geschichte ein recht klassisches Beispiel geballter Oberflächlichkeiten: Die blonde Cheerleaderin, die auch in einem solchen Outfit entführt wurde.

Die Low Budget Produktion macht sich derweil rasch als solche bemerkbar, da die Handlung ausschließlich in jenem Kellerraum angesiedelt ist und nur wenige Requisiten wie Monitore oder Kameras verwendet wurden. Gleiches gilt für die Figurenkonstellation, denn obgleich nach Kelly noch zwei weitere Opfer in der Szenerie erscheinen, sind nur vier Personen von Belang. Auch der Score hält sich merklich zurück, während optisch auf Zweckdienlichkeit gesetzt wird.

Leidlich spannend gerät die Chose allenfalls dann, sobald Kelly mithilfe einer Mitstreiterin unter Zugzwang gerät und ein Countdown auf dem Monitor unmissverständlich darauf hinweist, dass etwa 5000 Likes innerhalb von zwei Stunden knapp werden könnten. In diesem Kontext wird anbei darauf hingewiesen, mit welch fadenscheiniger Moral an Etikette festgehalten wird, da die Zurschaustellung nackter Haut zensiert wird, jedoch anderes komplett sexualisiert werden kann. Dennoch kam die von Kelly angeforderte Schlagsahne aus unerfindlichen Gründen doch nicht mehr zum Einsatz.

Aufgrund der teils etwas ungelenken Inszenierung ist das Szenario einschließlich der Pointe leider recht durchschaubar, wozu auch das Platzieren von Gewalteinlagen ins Off passt, da nahezu gar kein Blut fließt. Wer hier auf Folterspiele hofft, dürfte ergo maßlos enttäuscht werden und phasenweise wundert es auch, dass der Entführer seine Autorität aufgrund unnötiger Diskussionen einbüßt und daher kaum Furcht einflößend rüberkommt, woran auch die Maske eines Killerclowns wenig ändert.

Letztlich wird die Botschaft wenig subtil auf den Punkt gebracht, darstellerisch wird maximal Mittelmaß geliefert und in Sachen Spannung hat man in ähnlichen Ausgangslagen schon mal mehr mitgefiebert. Kaum vorstellbar, dass Bailey auf dieser Basis eine Trilogie herausbringen will, denn trotz guter Ansätze bleibt er unterm Strich genauso oberflächlich wie die angesprochenen Influencer.
4 von 10

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