Review

Die meisten Regieneulinge steigen mit Kurzfilmen ein, um die ersten Ideen in einen angemessenen Rahmen zu packen, was natürlich auch dem Budget geschuldet ist. Die Aufnahme in eine Anthologie bietet normalerweise die Möglichkeit, ein breiteres Publikum zu erreichen, doch im vorliegenden Fall dürfte das eher nach hinten losgehen.

Eine Krankenschwester beginnt ihre erste Nachtschicht in einem kleinen Hospital und hört von der Legende eines stark verbrannten Patienten von Zimmer 11, welcher einst spurlos verschwunden sein soll. Ihr kommen mehrere Geschichten zu Ohren…

Die Kurzfilmsammlung besteht, neben der Rahmenhandlung im Krankenhaus, aus fünf Kurzgeschichten, welche ausschließlich von Regisseurinnen gedreht wurden. Die bekannteste Geschichte dürfte „Cerdita“ von Carlota Pereda sein, welche 2022 unter dem Titel „Piggy“ als abendfüllender Spielfilm umgesetzt wurde.

Die fünf Geschichten verbindet ansonsten kein wirkliches Konzept. Schlimmer wiegt allerdings, jene nicht chronologisch zu erzählen, sondern sie innerhalb der ersten Minuten auseinander zu pflücken: Eine Krankenschwester betritt den einsamen Flur eines Krankenhauses. Cut. Ein alter Mann findet sich an einem Bahnhof ein. Cut. Drei Metal-Girls erreichen eine Absteige am Rande der Wüste. Wieder cut. Anstatt die jeweiligen Storys für sich wirken zu lassen, wird einem in den ersten Minuten ein heilloses Durcheinander serviert, das einen Zugang nur schwer zulässt.

Während die Rahmengeschichte ohne Gespür für Atmosphäre und Timing vor sich hin dümpelt, sticht von den übrigen Episoden keine positiv hervor, selbst „Cerdita“ in seiner komprimierten Form nicht. Wenn ein Streuner von einer einsam lebenden Tierpräparatorin
aufgegabelt wird, zeichnet sich die Pointe sogleich ab und anderweitig gibt es erst gar keine schlüssige Auflösung, wenn ein Mädchen erstmals mit seiner Periode konfrontiert wird, um danach auf ein unheimliches Wesen zu treffen.

Allgemeine Blutarmut durchzieht die Geschehen ebenso wie ausbleibende Spannung, während das Finale der Krankenhausgeschichte reichlich flach ausfällt und folgerichtig eine weitere Ernüchterung mit sich bringt.
Vielleicht sollte man bei der Auswahl solcher Kurzgeschichten nicht vorrangig darauf achten, ob Weiblein oder Männlein dahinter stecken, sondern ob sie auch etwas taugen.
3 von 10

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