Dass ein Nicolas Cage doch noch zum Westernhelden wurde auf seine 'alten' Tage – er plant bereits den Ruhestand – , konnte 2023 wahrlich noch keiner wissen, wurden The Old Way (2023) und Butcher's Crossing (2022) zwar ungefähr zeitgleich, aber vollkommen unterschiedlich gedreht, veröffentlicht und die Ankündigungen auch verschoben. Zudem kam 2025 noch Gunslingers hinzu, das Triple vollgemacht, die dritte Produktion, nicht alles hintereinander, aber gattungsmäßig gesehen. Die Filme auch komplett unterschiedlich, ein in vielen, nicht allen Belangen wohl durchschnittliches Produkt, ein eher existenzielles Drama und mit Gunslingers eine, nennen wir es 'Billigproduktion', der Regisseur dort hat zuvor Dead Man's Hand (2024) gedreht, nicht gerade die Eintrittskarte in das Genre, eher die Abschreckung:
Montana, 1878. Der Revolverheld Colton Briggs [ Nicolas Cage ] ist Teil der Gruppe, die den Bruder des berüchtigten Walter McAllister verhaften haben und hängen sehen will; bei einer Befreiungsaktion durch dessen Mann erschießt er den schon befreiten Todgeweihten vor den Augen seines Neffen James. Zwei Jahrzehnte später 'besucht' der nunmehr erwachsen gewordene junge Mann [ Noah Le Gros ] mit einer insgesamt vierköpfigen Posse das Haus des nun sittsam gewordenen Briggs, und tötet in dessen Abwesenheit Ruth [ Kerry Knuppe ], seine Frau und die Mutter seiner Tochter Brooke [ Ryan Kiera Armstrong ], erst beim Heimkommen wird Briggs von der üblen Nachricht durch die anwesenden Marshal Franklin Jarret [ Nick Searchy ] überrascht. Trotz dessen Warnung macht sich Briggs auf die Suche nach den Tätern, zusammen mit seiner Tochter, auf den Weg in den Süden Colorados.
Sicherlich (?) auch mit der Westerneinstand von Saban Films, sicherlich auch nur wegen Cage selber, damals immer noch oder wieder Zugpferd für den Markt, sich wieder nach vorne gespielt, teilweise gar in Kinoproduktionen oder anerkannten Filmen, ein zweites Comeback quasi. Hier wird mit einem geplanten Hängen angefangen, vor versammelter Mannschaft, man sieht schnell auf den ersten Bildern, es ist jetzt nicht die große Edelproduktion, es ist nicht Spiel mir das Lied vom Tod, es gehört zu der Gruppe On-Demand-Werken, in denen der Western plötzlich wieder populär wurde, in all seinen Facetten. Eine Stadt wird hier beherrscht durch einen Mann, einen Sprecher, einen Macher, die anderen Duckmäuser, eine Diktatur am Herrschen, das merkt man früh, Cage beobachtet erst mal bloß mit schicken Schnauzer ausgestattet übrigens. "Know your place." hier als erste Lektion, ein Mann soll gehängt werden, vor den Augen seiner Familie, eine Befreiungsaktion gestartet, mit mehreren Toten, Cage beobachtet weiterhin nur, zumindest die ersten Sekunden, er rührt sich nicht vom Fleck, er bewegt sich gar nicht inmitten des Kugelhagels, dann doch der Griff zum Colt, die Schüsse präzise, die Schüsse alles Treffer und alle tödlich, eine Einmischung, die einem Mann das Leben (vorübergehend) rettet und andere zerstört; eine Art Schuld wird beglichen, auf welcher Seite stehend und von welcher Seite kommen, weiß man hier noch nicht, das Endergebnis ist im Grunde dasselbe, nur auf andere Art und Weise. der liebe Gott ruft, und "You know where in the world sinners go? I can tell you. Sure as hell ain't Wyoming."
Eine Stadt wird verlassen, ein Geschehen in der Vergangenheit, nun zwanzig Jahre später, zwei ganze Dekaden, eine ewige Zeit, die Örtlichkeit ganz anderes, das Leben ebenso, ein anderer Mann geworden, jetzt auch ohne Schnauzer, ohne Revolvergürtel, mit Frau und Kindern, ein Geschäftsmann geworden. Ein Mann im Anzug, mit der Uhr an der Weste, dem Charlie Chaplin Hut, mit der Weite der Landschaft im Vorder- und im Hintergrund, die Szenerie kennt man, man hat sieht in Mord in Yellowstone City (2022) gesehen, eine Art Westernpark zum Verleihen für die Filmemacher, in letzter Zeit oft benutzt, in nächster Zeit sicher auch, solange das Genre (im kleinen Bereich) am Blühen ist, ein Kinoerfolg war ja zuletzt nicht zu verzeichnen, siehe Horizon. Cage hier lässt auch anschreiben, Schuld und Schulden aufnehmen, er ist ein eher strenger Vater, die Tochter dafür pikant, sie kommt eher nach der Mutter, es wird sich zuweilen auf sie konzentriert, auf Aufräumarbeiten ganz anderer Art, auf Reinlichkeit und Sauberkeit, auf Cleverness und Pedanterie. Währenddessen werden andere Geschehnisse geboten, Bedrohungen, Angst und Furcht, Worte schon drohend, ein Überfall dann, in Abwesenheit, zu isoliert das Haus, eine halbe Stunde Fußweg von der Stadt entfernt, ruhig gelegen demnach, zu ruhig allerdings in solchen Situationen; vor allem, wenn man wehrlos und alleine ist. Brutalität erneut eingespielt, eine Situation fast wie in Terror on the Prairie (2022), nur kommerzieller, nicht ganz so grob gehalten, nicht ganz so brutal und erschreckend, die Prämisse zwischenzeitlich ähnlich, "You boys are in a world of hurt.", Warnungen ausgesprochen, gegenseitig, bei der Heimkehr zwei Marshals wartend vor dem Haus, die schlechte Nachrichten überbringend, ein schweres Gespräch, manchmal auch der Dialog vollwertig statt erzwungen, trocken alles präsentiert.
Die Hauptperson wird vorgestellt, über Dritte meist, über Erzählungen von früher, über Andeutungen und Abwägungen, über viele "but", für die Tochter ist das alle Neu, alles Neuigkeiten, mal gute und viel schlechte. Über das Gute und das Böse wird geredet, die Unterschiedlichkeiten, es ist nicht einfach zu differenzieren, eine Rachegeschichte wird eingeflochten, mit einer Verantwortung, die woanders liegt, dazu ein neues Land, das Gesetz besteht, es gibt keine Selbstjustiz mehr wie noch zwanzig Jahre zuvor. Brutalitäten werden überwiegend außen vor gelassen, Andeutungen reichen schon, ein Mann erweckt erneut zum alten Leben, The Old Way, etwas, dass er nie richtig abgelegt hat in den vielen Jahren, etwas, dass nun wieder sein Blut zum Kochen bringt, etwas, dass ihn nun wieder zum Killer macht, fast gegenüber seiner Tochter auch, keine Höflichkeit, keine Freundlichkeit, harsche bis barsche Worte meist nur, fast ein Schuss zum Erlösen des Kindes, zur Befreiung vom neuen selbst. Das Kind ist schlauer als der Vater fast, die Tochter macht den Unterschied, es sagt die wahren Worte, es bekommt trotzdem Lektionen geboten, von Dingen, die es nicht wissen kann, und auch nicht wissen muss eigentlich; zwischendurch wird die Truppe des Marshals empfindlich dezimiert, ein Hinterhalt eingebunden, eine kleinere Schießerei mitten in einer Schlucht, groß genug, um zahlreiche Opfer zu finden. Der Film als lange Flucht und Verfolgung, so scheint es, dem ist nicht so, es ist andersherum, es wird etwas mit Pessimismus und Prophezeiungen gespielt, dann ist man wieder im Westernpark, in der Gesellschaft, in der Zivilisation, der gestellten zumindest, der mit dem Kostümfundus, auch die Emotionen sind hier oft gestellt, man weiß nicht, wie man lacht, man weiß nicht wie man weint, man tut nur so, mehr schlecht als recht. Etwas psychologisch angehaucht ist es auch, es kommt nicht richtig überzeugend (wie sonst gewohnt) durch das Spiel von Cage heraus, zu viele Projekte vielleicht auf einmal, nicht die gebotene Konzentration erlangt, die Fokussierung, vielleicht in der Müdigkeit gefangen, den Tod innen drin.