Mit seinem Urlaub kann man das gleiche machen wie mit einem OB-Tampon: Schwimmen, reiten und Rad fahren. Man kann aber auch in Mediamarkt marschieren und aus den zahlreichen Sonderangeboten eine DVD rausgreifen für n netten Filmabend: "Die Prophezeiung". Warum die? Die Scheibe ist billig, das Cover sieht gut aus und die Basinger spielt mit, was ja so schlecht nicht sein kann - zumindest von der schauspielerischen Qualität. Und für die Optik ist dabei: Christina Ricci, YEAH!!!
Um es vorneweg zu nehmen: Der Film ist kein Reißer. Es geht um das älteste Thema der Filmgeschichte an sich: gut gegen böse, Gott gegen Satan, Cops gegen Entführer. Tatsächlich passiert folgendes: Ein Kind, Cody, wächst bei Tante Basinger auf, da Mammi ein bisserl heroinabhängig ist und meint nach dem Werfen abhauen zu müssen (vordergründig Streit mit Schwesterchen, nun gut...). Später wird die Kleine von der eigenen Mutter und dem anverheirateten Sektenchief entführt. Obwohl es nun eigentlich nur ums Sorgerecht geht schafft es unser Filmproduzent daraus ne haarsträubende Story zu basteln mit Okkultismus, bisschen Feuer, Flamme, Kerzen, Symbolen und dem Mister Superbulle, der gemeinsam mit der Basinger-Tante das Kind zurückholen will. Nicht zu vergessen die mit spanischem Akzent sprechenden Klosterpinguine, die wirkungsvoll Gebete zur Unterstützung abhalten, Tenor: "wirr bieten Disch errchörrre chuuuuns oh Cheeeerr."
Munter geht’s los: Eine schwarze Frau labert im Bus leicht wirr etwas von einem Stern: "hast Du ihn gesehen?" Normalerweise wird sowas in die Klapse eingeliefert, aber nicht in diesem Film, hier kommt der verträumte Kommentar zu ihrem Gefasel "das ist schön..." Sätze wie "ich bin katholisch erzogen worden" bleiben uns auch nach dem Film noch in Erinnerung. Ansonsten nur die Erkenntnis, dass es sich hier um einen durchschnittlichen B-Movie handelt mit aufgebauschter Handlung, künstlich erzeugter Spannung ohne Substanz - beispielsweise als die Basinger mit Knüppel bewaffnet ins Kinderzimmer marschiert, weil sie eine Vorahnung hat dass was schlimmes passiert sein könnte, doch alles was sie sieht ist hinter dem hochgezogenen Fensterrollo die Löwenskulptur vom gegenüberstehenden Haus. Symbolik? Naja.
Überhaupt, die Protagonistin und Heldin des okkulten Abenteuers: Krankenschwester und Computerexpertin, tapfere Heldin und Tante-Maggie in einem, gut aussehend sowieso - aber ohne Mann? Dabei muss sie vermögend sein (oder Krankenschwestern werden entgegen meiner Informationen in den USA doch übertariflich bezahlt): Denn sie kann sich Kindermädchen UND ne fette Limousine leisten. Cool, was? Muss mich mal bewerben...
Gute Szenen sind durchaus dabei: zb. die wiederkehrenden Rattenszenen oder Fledermäuse, der wieder belebte Vogel, die selbst entzündenden Kerzen in der Kapelle. Überhaupt wird der Film zur Mitte hin richtig gut und spannend - leider flacht er danach wieder sehr ab und kehrt zur Langatmigkeit zurück. Auflockernd zwischendurch und sehr sympathisch: Der viel zu kurze Auftritt der feschen Ricci (hab ich schon erwähnt, dass ich die Kleine klasse finde???) und Sonderermittler John Travis, super gespielt von Jimmy Smits und in Verbindung mit netten Auflockerungen (die aufblühende Blume auf dem Fensterbrett, der schwarze Putzmann). Eric Stark, das personifizierte Böse ist genauso klasse gespielt (auffallend die Ähnlichkeit mit der deutschen Synchro von Tom Hanks), ebenso seine Helferin, eine vertrocknete alte Vogelscheuche in der Rolle des Kindermädchens.
Zum Schluss des Streifens bleibt die Frage ungeklärt, warum von Brücken in Flüsse herabfallende Autos eigentlich immer auf ihrem Weg nach unten explodieren müssen. Schade, dass hier auf solche veralteten und völlig ausgelatschten Pseudoactionsequenzen im Stil von "Alarm für Cobra 11" nicht verzichtet wurde - der Film hätte es doch nicht nötig. Lehrreich ist er allemal, immerhin weiß ich jetzt dass man "Prophezeiung" ohne "H" vor dem "ung" schreibt. Geld muss man aber nicht unbedingt für eine Kauf-DVD loswerden, da gibt’s lohnenswertere Geldanlagen. Und irgendwann kommt der Streifen sicher im Fernsehen. Mindestens Nachmittagsprogramm auf Super RTL. (4/10)