Review

Wenn ein Regisseur für seinen Thriller drei bekannte Gesichter gewinnen kann, weckt dies eine leicht hoffnungsvolle Erwartungshaltung, denn sie werden das Drehbuch zumindest auszugsweise gelesen haben. Jenes schlägt im letzten Drittel jedoch so hanebüchene Haken, dass man sich letztlich in einer Groteske wähnt.

Börsenmakler Russ (Cole Hauser) hat den Zorn einiger Einwohner in der Kleinstadt in Madison County auf sich gezogen, da er sie hinsichtlich einer anstehenden Fusion ungünstig beriet. Als er auch noch anonyme Drohanrufe erhält und der Sheriff (Morgan Freeman) nur tatenlos zusieht, wendet er sich an die Kellnerin Delaine (Jamie Alexander). Kurz darauf ereignet sich ein Mord…

Vielleicht war die Geschichte ursprünglich als klassisches Whodunit konzipiert, denn nach dem Mord rätselt man unweigerlich, wie viel hinter diesem steckt und ob nicht eventuell eine Verschwörung im Gange ist. Im Verlauf kristallisiert sich eher heraus, dass nur wenige innerhalb der überschaubaren Figurenkonstellation kein Dreck am Stecken haben und diverse Problemlösungen maximal übers Knie gebrochen werden.

Leider bleiben die Figuren schlicht gezeichnet und wirken eher wie schablonenhafte Klischees, was sich primär bei zwei Geldeintreibern abzeichnet. Diese bringen immerhin noch ein wenig Zynismus ins Spiel, was dem Treiben insgesamt besser zu Gesicht gestanden hätte.
Ein wenig Action versucht der Krimi ebenfalls einzubinden, doch über zwei Verfolgungsjagden ohne Drive kommt man nicht hinaus und auch in Sachen Gewalt fließt in nur zwei Szenen Blut.

Was dem Geschehen noch ein wenig zugute kommt, sind etwaige Wendungen, die zum Teil recht unvermittelt und kaltschnäuzig zustande kommen. Nicht, dass die groben Verläufe nach einem Drittel bereits einigermaßen absehbar wären, doch eine gewisse Abgebrühtheit überrascht das eine oder andere Mal. Jedoch häufen sich im finalen Drittel jene Momente, die Glaubwürdigkeit lässt eklatant nach und wenig plausible Handlungsweisen nehmen Überhand.

Dem können gestandene Mimen wie Freeman, der hier wie im Halbschlaf agiert wenig entgegensetzen und auch Hauser erhält nur wenige Momente, um sein eigentliches Können zu offenbaren. Einzig Alexander performt leicht darüber hinaus, doch auch ihre eher schwach geschriebenen Dialoge verhindern einen bleibenden Eindruck, was auf die komplette Inszenierung einschließlich Score zutrifft, die sich allenfalls auch tauglichem TV-Niveau befindet.

Am Ende des Tages gibt es zwar mehr als einen Mord und innerhalb der 93 Minuten nur wenige Durchhänger, doch wirklich mitreißend gestaltet sich die Angelegenheit nicht.
Obgleich der religiöse Aspekt um Sünden und Sünder beinahe zum Nebensatz verkommt und zu keiner Zeit vertieft wird, ist zumindest noch ein Hauch schwarzen Humors auszumachen, - vielleicht bildet man sich selbigen hinsichtlich grotesker Wendungen auch nur ein wenig ein.
Knapp
5 von 10

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