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Mit einigen seiner frühen Werke prägte Regisseur M. Night Shyamalan die Erwartungshaltung eines Twists, einer finalen Überraschungstüte, deren Inhalt im Verlauf seiner Karriere nicht immer zu überzeugen wusste. Für „Knock at the Cabin“ schrieb er die Romanvorlage entscheidend um, welche sich mit eindeutigen Belangen eher zurückhält.

Ein beschauliches Wochenende hätte es für die Väter Andrew (Ben Aldridge) und Erik (Jonathan Groff) und deren Adoptivtochter Wen (Kristen Cui) in der abgelegenen Hütte im Wald werden sollen. Bis der Hüne Leonard (Dave Bautista) mit drei weiteren, bewaffneten Gestalten auftaucht, welche die Männer an Stühlen fixieren und Unglaubliches verlangen: Das Ende der Welt steht unmittelbar bevor und sollte sich nicht jemand der drei freiwillig für den Rest der Menschheit opfern, ist diese dem Untergang geweiht…

Mit seiner 17. Produktion erweist sich der indische Filmemacher erneut als versiert, fast schon ein wenig selbstverliebt, indem er etwas zu sehr auf Nahaufnahmen setzt, was im Fall von Grashüpfern durchaus angebracht erscheint, bei einigen Gesichtern im Verlauf jedoch deutlich überstrapaziert wird. Die kleine Familie erscheint spätestens sympathisch, als sie auf dem Hinweg „Boogie Shoes“ von KC an the Sunshine Band anstimmen, während gesellschaftliche Probleme ihrer Homosexualität per Flashbacks angedeutet werden, die es eigentlich nicht gebraucht hätte, da diese bereits durch Dialoge abgedeckt sind.

Was das Szenario früh von typischer Home Invasion unterscheidet, ist das Verhalten der vier Eindringlinge, die bis auf Leonard gar nicht so furchteinflößend erscheinen und sich sogar mit kurz umrissenen Lebenslauf vorstellen. Eine gemeinsame erlebte Vision führte die unterschiedlichen Leute zusammen und natürlich reagieren die Ehemänner gegenüber den vermeintlichen Verschwörungstheoretikern mit vehementer Ablehnung. Warum sollte man den Liebsten auch nur ein Haar krümmen, wenn Weltuntergangspropheten ihren Spinnereien nachgehen und noch nicht einmal Beweise vorzulegen haben. Hier versäumt die Erzählung allerdings das Nachbohren, denn die Fixierten agieren über weite Teile zu passiv und versuchen erst gar nicht, etwaige Motivationen zu ergründen, um diese entsprechend entlarven zu können.

So ganz ohne Apokalypse geht das Szenario nicht vonstatten, allerdings präsentiert Shyamalan jene Szenen im abgespeckten Format im verkleinerten TV-Modus, die immer noch am Wahrheitsgehalt zweifeln lassen. Indes hält er sich während der wenigen Gewalteinlagen bewusst zurück, indem er sie weitgehend ins OFF verfrachtet oder allenfalls Ergebnisse andeutet. Vor allem aber lebt der Stoff von seiner schlichten Prämisse, den sich daraus ergebenden Gewissensfragen und der bedrückenden Grundatmosphäre, wozu der Score durchaus seinen Teil beiträgt.

Aber auch die grundsoliden Darstellerleistungen sind zu erwähnen. Primär Dave Bautista, der als ehemaliger Wrestler unweigerlich eine physische Präsenz einbringt, welche im gut ausbalancierten Kontrast zu seinem freundlichen, stets beherrschten Wesen steht, - eine unerwartend gute Performance, welche jedoch nicht die der übrigen Mimen schmälert.

Das kammerspielartige Geschehen nimmt innerhalb der 100 Minuten durchaus mit, allerdings sind in den finalen Minuten einige Abstriche zu machen, die eben auf der Änderung gegenüber der literarischen Originalvorlage basieren. Folgerichtig bleiben nachhaltig wirkende Überraschungen aus, doch der Weg bis dahin gestaltet sich weitgehend ansprechend und spannend.
6,5 von 10

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