Review

Eine Hütte im Wald, ein See vor der Tür, Ruhe und Frieden. Klingt nach einer erholsamen Zeit, die sich das Paar Andrew und Eric zusammen mit ihrer Adoptivtochter Wen in der Abgeschiedenheit erhoffen. Doch lange währt die Ruhe nicht, denn bald erscheint Leonard und mit ihm drei weitere Mitstreiter. Sie eröffnen der Familie, dass sie eine folgenschwere Entscheidung zu treffen hat, von der das Schicksal der gesamten Welt abhängt. Und die Zeit läuft.

Und gerade in der ersten Hälfte, wenn sich das Szenario langsam aufbaut, erzeugt der von M. Night Shyamalan inszenierte Streifen eine bedrohliche Atmosphäre. Diese kommt ohne lautes Getöse aus, schleichend entfalten sich Figuren sowie Geschichte und "Knock at the Cabin" erschafft durchaus einen gewissen Sog – wenn man sich darauf einlässt. Denn natürlich ist die Motivation der Vierergruppe nicht so leicht zu schlucken. So sind die Zweifel von Andrew und Eric nachvollziehbar ob der Ereignisse, die augenscheinlich in Gang gesetzt werden. Manipulation, Zufall, Apokalypse? Die Glaubensfrage zieht sich durch die Geschichte, lässt hier aber leider nur zwei Seiten zu. Grauzonen vermeidet der Film und beraubt sich da einer Spannungsquelle, einer Ambivalenz. Generell lässt er leider Ideen liegen, die bei entsprechender Ausarbeitung für Konfliktpotential gesorgt hätten.

Denn dieses ist vorhanden. Zwischen den beiden Parteien, mit zunehmender Spielzeit aber auch innerhalb der Familie. Da werden Verknüpfungen zur Vergangenheit hergestellt, die sich in den nun gezeigten Charaktereigenschaften widerspiegeln und nicht immer sind die beiden Elternteile vollends auf einer Seite. Doch lässt das Skript nach einem Roman von Paul Tremblay dies nie so richtig eskalieren. Auch wirken die Gewaltspitzen im Off seltsam, als ob man dem Publikum trotz Weltuntergangszenario nicht zu viel zumuten wollte. Da wäre mehr Mut wünschenswert gewesen, aber es passt zur generell abgeschwächten Form im Vergleich zur Buchvorlage, die gerade gegen Ende noch ganz andere Kaliber auffährt.

Zwar schätze ich die ruhigere Gangart des Films, diesen immer brodelnden und eben meist nicht krawalligen Stil. Doch macht dieser auf die Dauer auch leicht lethargisch. Es bleibt erst einmal beim Säen von Zweifeln. Bei den Figuren, beim Publikum. Und zwar in beide Richtungen. Daraus zieht das Ganze vorerst seine Faszination. Zumindest in der ersten Hälfte, denn in der zweiten wirkt das Konstrukt nicht mehr ganz so spannend, wenn auch die Geschichte ziemlich geradeaus in das marschiert, was sie vorher propagiert hat. Überraschend unüberraschend.
Man muss allerdings ein paar Merkwürdigkeiten schlucken, seien es Verhaltensweisen der Figuren oder bezüglich des Hintergrundes dessen, was hier eigentlich los ist. Ist vielleicht tagesformabhängig, bei mir hat das ausreichend funktioniert, vielleicht lag es auch an der von Anfang an dichten Atmosphäre.

Das Ensemble ist insgesamt mehr als brauchbar, gerade Dave Bautista sticht nicht nur mit seiner physischen Präsenz heraus. Sein Leonard wirkt ob der ausgestrahlten Beherrschtheit sehr fokussiert und entschlossen, er transportiert dies über die gesamte Laufzeit, beweist erneut darstellerisches Talent und bleibt der zentrale Part. Rupert Grint als quasi-Antithese ist dafür nervös und bedrohlich, ebenso stellen Abby Quinn als Adriane und Nikki Amuka-Bird als Sabrina verschiedene Typen dar – die Anzahl scheint nicht zufällig gewählt.
Jonathan Goff und Ben Aldridge als Eltern haben da eher zu reagieren, geben aber ein okayes Paar ab und dürfen in manchen Rückblenden an ihren Figuren feilen. Trotzdem fehlte mir da eine spürbare Innigkeit als Grundlage für eine emotionale Bindung. Auch Cristen Kui spielt in ihrem Filmdebüt den Part als Wen ansprechend.

Mit seinen knapp 100 Minuten ist "Knock at the Cabin" auch nicht zu lang geraten, Längen schleichen sich nicht ein und im Großen und Ganzen kredenzt Shyamalan einen mitunter spannenden, aber auch für das Szenario zu zahmen Thriller. Überraschend geradlinig und dadurch auch etwas mutlos wirkt er. Erzählerisch bleibt das Ganze nicht frei von Mängeln, hinterlässt bei genauerem Hinsehen einige Lücken oder gleich Löcher und handelt sein Finale recht schnell und fast schon unspektakulär ab. Ein guter Cast, eine bessere erste Hälfte und insgesamt ein solider Thriller. Sofern man sich auf das Erzählte einlässt.

Details
Ähnliche Filme