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Als ziemlich nervig empfindet June (Storm Reid) ihre alleinerziehende Mama Grace (Nia Long): dauernd ermahnt sie sie, gewisse Dinge nicht zu vergessen, hierauf und darauf zu achten und ihre Voice-Mailbox zu leeren, damit noch Platz für weitere Nachrichten von ihr bleibt. Und mit Junebug, ihrem Kinderkosenamen, angesprochen zu werden, passt der gerade 18 gewordenen jungen Dame erst recht nicht. Da trifft es sich gut, daß Mama mit ihrem neuen Partner Kevin (Ken Leung) zu einer Art zweiter Flitterwochen nach Kolumbien fliegen will - endlich sturmfreie Bude! Die alle möglichen Social-Media-Kanäle nutzende June schickt gleich mal ihre beste Freundin zum Einkaufen für die fällige kleine Party los, schließlich hat Mama ihr ja - wohlweislich für Notfälle - ein bißchen Geld dagelassen.
Ein paar Tage später jedoch, als June die Rückkehrer am Flughafen erwartet, sind diese nicht an Bord der Maschine gewesen. Und da auch sonst keinerlei Nachricht oder Spur existiert, macht sich die 18-Jährige langsam Sorgen. Über ihr Laptop nimmt sie Kontakt mit dem Hotel auf, doch dort heißt es nur, daß die beiden Urlauber aus Kalifornien plötzlich verschwunden seien und nicht einmal ihr Gepäck mitgenommen hätten. Ein Anruf bei der Polizei ergibt nur, daß diese sich zwar um den Fall kümmern will, dies jedoch Zeit in Anspruch nimmt, da das FBI nicht einfach so in Kolumbien ermitteln kann.
In ihrer Verzweiflung nimmt June übers Internet Kontakt mit einem Freizeit-Privatdetektiv in Kolumbien auf, den sie immerhin dazu bewegen kann, bei dem Hotel vorbeizuschauen und dessen Sicherheitskameras zu sichten, bevor diese Aufnahmen turnusgemäß gelöscht werden. Javi (Joaquim de Almeida) kann ihr diesbezüglich zwar helfen, eine heiße Spur ergibt sich daraus jedoch noch nicht. Doch dann besinnt sich June auf Email-Accounts ihrer Mutter bzw. deren neuen Freund, die sie nach einigen Anläufen trickreich hacken kann. Die dort zu findenden Infos lassen das Verschwinden in einem neuen Licht erscheinen: Kevin war zuvor im Gefängnis und hat offenbar mehreren Damen nachgestellt. Ist er am Ende ein Heiratsschwindler und Junes Mama in höchster Gefahr...?


Mit einer furiosen Spurensuche quer durch persönliche Accounts, Suchmaschinen und Google-Maps inszenieren die Regisseure Nicholas D. Johnson und Will Merrick mit ihrem Missing einen Vermisstenthriller, der fast auschließlich aus der Perspektive der jungen June gezeigt abläuft, die vor ihrem Laptop hockend das Internet durchforstet und dabei eine Meldung nach der anderen reinbekommt. Die Flut an Informationen des über weite Strecken in Echtzeit ablaufenden Dramas verlangt dem Zuschauer volle Aufmerksamkeit ab, immerhin ergeben sich durch die ständig aufpoppenden (und deutsch untertitelten) Meldungen interessante Gesichtspunkte, die für das miträtselnde Publikum von Nutzen sind. Dass dabei auch einige falsche Fährten gelegt werden, mag man erwarten, dennoch gelingt es der Regie, durch gewisse Kniffe immer neue Verdachtsmomente zu erzeugen, die eine gewisse Spannung aufrecht erhalten.

Über die Filmcharaktäre selbst erfährt man - storybedingt - allerdings nicht allzuviel: die aufgeweckte June, ein typischer Teenager,  trauert ihrem Papa nach und sieht sich öfters einen alten, von ihrer Mutter gefilmten Clip an, auf dem sich ihr Vater James (Tim Griffin) liebevoll um die 4-Jährige kümmert. Doch James ist schon vor Jahren gestorben, und den neuen Partner Kevin, ihren künftigen Stiefvater, mag June überhaupt nicht - stattdessen trauert sie ihrem Daddy nach. Dann jedoch besinnt sie sich auf die vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet heutzutage (mit seinen Trackingmöglichkeiten und dem Anzapfen von Videokameras, um nur einige zu nennen) bietet und schafft es mittels einiger krimineller Energie auch, sich Zugang zu Informationen zu verschaffen, die den Plot immer ein Stück weiter vorantreiben.

Leider begibt sich die Geschichte, die in Grundzügen dem 2018er Searching ähnelt, nach zwei Dritteln dann in relativ ausgetretene Pfade und endet als konventioneller Thriller mit einem überzogenen, aber vorhersehbaren Ende. Das zieht Missing, von dem schlußendlich nur eine temporeiche Schnitzeljagd über das Internet im Gedächtnis bleibt, in der Wertung etwas herunter: 5 Punkte.

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