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"Komisches Gefühl ohne ihn."

Es ist nicht einfach "Moonwalker" in ein Genre einzuordnen. Das abstruse Videoclip / Kurzfilm-Kuriosum enthält neben Konzertaufnahmen und einer knappen Karriere-Retrospektive des Superstars Michael Jacksons tatsächlich eine um spektakulär inszenierte Videoclips gespannte Handlung, die allerdings durch kindliche Stilmittel und kitschigen Amerikanismus nicht ernst zu nehmen ist.

In dem von Michael Jackson selbst geschriebenen und produzierten Fantasy-Tanzfilm-Mix beschützt der Popstar die Kinder Sean (Sean Lennon), Katie (Kellie Parker) und Zeke (Brandon Quintin Adams) vor dem heimtückischen Mr. Big (Joe Pesci). Der hinterlistige Schurke will alle Kinder zum Drogenkonsum verführen und zudem die Weltherrschaft an sich reißen. Allerdings legt Michael (Michael Jackson) dem Schuft immer wieder neue Steine in den Weg.

"Moonwalker" entstand gegen Ende der 80er Jahre direkt nach dem weltweiten Erfolg des Albums Bad und der gleichnamigen Welt-Tournee. Direkt zu Beginn des Films sind einige beeindruckende Aufnahmen dieser Tournee zu sehen. Die darauf folgende Kurzdokumentation zu Jacksons Lebenslauf bis zu diesem Zeitpunkt ist oberflächlich und wenig informativ.
Der eigentliche Kern sind die erweiterten Musikvideos zu Speed Demon, Leave Me Alone und Smooth Criminal, um die eine einfallslose Handlung gebaut wurde. Die völligst auf Jackson fokusierte Geschichte enthält keinerlei Logik, trieft nur so von Klischees über Freundschaft und pseudo-familiären Zusammenhalt und bietet entsprechende Charaktere.

Surreal geht es zu, wenn sich Michael in verschiedenste Fortbewegungsmittel transformiert. Neben einem schnittigen Sportwagen ist dies ein schießwütiger Roboter und schließlich sogar ein kampfstarkes Raumschiff. Erstaunlich kontrovers ist dabei die Tatsache, dass der den Frieden predigende Jackson, der zuvor noch Bilder von Martin Luther King, Mahatma Gandhi und dem Papst in seine Videoclips montierte, plötzlich eine Kampfeskraft sondergleichen aufstellt.
Gewöhnungsbedürftig sind die zu Beginn der Handlung häufig auftretenden, animierten Knetfiguren, die das Video zu Speed Demon führen. Die Effekte die eingesetzt werden sind jedoch überzeugend und aufwendig umgesetzt. Ganze Sequenzen werden von Laserstrahlen und Licht- sowie Feuer-Explosionen bestimmt, eine Steigerung der Spannumg will sich aber nicht so richtig einstellen.

Das effektüberladene visuelle Spektakel lebt vor allem von der zeitlosen Musik von Jackson, auch wenn das ein oder andere Segment weniger geglückt ist.
Kritiklos sensationell ist die 10-minütige Sequenz von Smooth Criminal. Bereits das eröffnende Schnippen der Münze in eine Jukebox ist an Lässigkeit nur schwer zu überbieten. Dazu ist die Choreographie der Tanzschritte bestechend und wird von dem weltbekannten Anti-Gravity-Lean, für den Jackson das Patent angemeldet hat, ins Unermessliche gesteigert.

Dass sich Jackson nicht als Schauspieler eignet ist schnell ersichtlich. Sein versöhnliches Dauerlächeln zu den unmöglichsten Situationen passt einfach nicht. Dies wird aber von dem hoffnungslos übertrieben spielenden Joe Pesci ("Lethal Weapon"-Reihe) noch überzeichnet. Da von den Kinderdarstellern ebenso wenig zu erwarten ist, wird "Moonwalker" zum darstellerischen Totalausfall.

Auf dem absoluten Höhepunkt seiner Karriere verlor der damals unbestrittene King of Pop langsam jegliche Bodenhaftung. So ist "Moonwalker“ vor allem eine gigantomanische Michael Jackson Selbstbeweihräucherung, die inhaltlich schwerfällig ist. Zwar fällt die Qualität der einzelnen Videoclip-Segmente überwiegend großartig aus, sobald sich aber die Handlung zwischen die Musikstücke quetscht beginnt eine Tortur aus schlechten Dialogen, miesen Schauspielern und einer dämlichen Dramaturgie. Unbestritten ist die Sequenz für Smooth Criminal ein absoluter Höhepunkt der Tanzchoreographien, dies rettet den Film aber nicht. Die Videoclips alleinstehend in Form von Kurzfilmen wären hier angebrachter gewesen.

4 / 10

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