Too cool for schwul?
„Three Months“ erzählt von einem schwulen jungen Mann 2011 in Miami, der gerade seinen Abschluss gemacht hat und sich vielleicht bei einem One-Night-Stand mit HIV angesteckt hat. Doch in den drei Monaten, die er auf das Ergebnis seines Tests wartet, stellt sein Leben ganz neue Weichen…
Zwischen „Tangerine“ und „Juno“
Normalerweise schafft es Hollywood seine Indietipps nie ganz unter den Tisch fallen zu lassen. Erst recht nicht wenn sie gut sind, wenn sie schwul sind, wenn sie cool sind. „Booksmart“, „Love, Simon“ oder „The Edge of Seventeen“ können davon Lieder singen. Aber von „Three Months“ hatte ich noch nie etwas gehört. Dabei reiht er sich in diese Qualitäts- und Coolnessriege durchaus ein. Sein Südflorida ist pastellsonnig, seine Gesichter sind frisch, seine Dialoge sind authentisch aus dem Leben, seine Story hat ihren Weg als Ziel. Und der Soundtrack ist absolut deluxe - man merkt sowas von, dass MTV hier als Mitproduzent im Boot ist. Schwere Themen, aber leicht herübergebracht. Junge Darsteller ohne Altlasten oder Gepäck. Nicht schwul nur um des Schwulseins Willen. Schön anzuschauen, schön zuzuhören. Melancholisch, unschuldig, nicht glatt gebügelt. Ich mag den Stil. Rosé ohne Klischee. Modern und schamlos. Unverblümt und sicher nicht Trübsal blasend. Trotz aller Schicksalsschläge. Und eine Ära „feiernd“, die bisher viel zu selten retro beleuchtet wird. Kein Wunder, ist ja auch nichtmal 15 Jahre her. War trotzdem 'ne geile Zeit.
Call Me By Your A-Game
Fazit: rebellisch, anders, gay, sympathisch - „Three Months“ hat zwar weder wirklichen Plan noch Ziel, passt dadurch als unbekümmerter Coming-of-Age-Punk noch besser ins Bild. Bowie wäre stolz. Sollten mehr kennen, gucken, mögen!