Zwischen Beats und Beasts – der Transformers-Neustart auf halber Spannung
Transformers, diese ewige Mischung aus metallischem Donner, pubertärem Pathos und einem CGI-Feuerwerk, das aussieht, als hätte jemand in einer Werkstatt eine Supernova gezündet. Seit Michael Bay 2007 den ersten Stahlkoloss auf die Leinwand losließ, war klar: Hier geht’s nicht um feinsinnige Charakterentwicklung oder subtile Symbolik – hier geht’s um Explosionen, Emotionen und Exzess. Doch dann kam „Bumblebee“: kleiner, charmanter, fast schon menschlich. Nun, sieben Filme und unzählige zertrümmerte Städte später, soll „Transformers: Rise of the Beasts“ unter Regisseur Steven Caple Jr. die Reihe in die 90er zurückführen – samt Beast-Wars-Transformern, Hip-Hop und einem Schuss Retrocharme. Es ist der Versuch, die rostige Blockbuster-Maschine neu zu ölen. Klingt nach einem metallischen Befreiungsschlag – ist aber am Ende eher ein wohlmeinendes Rumpeln im Getriebe.
Der Film spielt im Jahr 1994, in einer Ära, in der man seine Musik noch auf Kassette hörte und die coolsten Jungs in New York Baggy-Pants trugen. Inmitten dieses Hip-Hop-getränkten Jahrzehnts stolpert Ex-Soldat Noah (Anthony Ramos) in eine Alien-Verschwörung, die – wie könnte es anders sein – das Schicksal der Erde betrifft. Er trifft auf Optimus Prime, Bumblebee und ein paar neue Kollegen aus der zoologischen Abteilung der Roboterwelt: die sogenannten Maximals. Tierische Transformers, halb Maschine, halb Tier, ganz CGI. Sie sollen frischen Wind bringen – und tatsächlich, ihr erster Auftritt verspricht Großes. Doch aus dem titelgebenden Rise of the Beasts wird leider eher ein vorsichtiges „Anklopfen der Beasts“. Denn so richtig in den Mittelpunkt rücken sie nie.
In der Praxis bleibt’s beim bekannten Rezept: antikes Artefakt, kosmische Bedrohung, drohende Weltvernichtung, Heldenmut und Pathos auf Blechbasis. Das Drehbuch recycelt die bekannten Beats mit der Effizienz eines Fließbands. Nur selten blitzt etwas auf, das man als eigenständige Vision bezeichnen könnte. Trotzdem: es macht Spaß, den neuen Mix aus Mensch, Maschine und Tier zu beobachten – auch wenn die Dramaturgie sich manchmal so dynamisch anfühlt wie ein rostiger LKW im Leerlauf.
Natürlich gibt’s Action. Wäre ja sonst kein Transformers-Film. Metall klatscht auf Metall, Funken fliegen, und irgendwo in Peru explodiert ein halber Berg. Das sieht alles ordentlich aus, gar keine Frage. Die Effekte sind state of the art, die Roboter wirken wie immer beeindruckend echt, und man möchte Optimus Prime am liebsten einen Ölwechsel spendieren, so gut glänzt der Kerl. Aber – und das ist das große Aber: Der Stil fehlt. Michael Bay, für alle seine erzählerischen Eskapaden, hatte eine unverwechselbare Handschrift. Er inszenierte Zerstörung wie ein Choreograf, Explosionen wie Ballett, Pathos wie Poesie aus Benzin. Dieses hyperkinetische Chaos, diese Zeitlupen, die Explosionen wie Kunstwerke erscheinen ließen – das fehlt hier. Steven Caple Jr. inszeniert solide, aber brav. Die Kämpfe sind gut choreografiert, doch nie atemberaubend. Seine Action ist klar lesbar, sauber montiert, digital perfekt – und trotzdem erstaunlich zahm. Man fühlt sich, als würde man Transformers auf Sparflamme erleben. Der Funke der Exzesslust, der Bay’sche Größenwahn – beides bleibt aus. Gerade im Finale, das nach zwei Stunden Anlauf eigentlich alles in die Luft jagen müsste, bleibt der Film merkwürdig zahm. Kein epischer Höhepunkt, sondern ein solider, aber vorhersehbarer Schlagabtausch, der die metallene Bühne mit viel Lärm, aber wenig Nachhall verlässt.
Rost im Retroglanz
Wirklich gelungen ist jedoch die Rückkehr in die 90er. Von den Baggy-Pants über das typische Straßenflair Brooklyns bis zu den peruanischen Dschungelpanoramen – alles wirkt wie eine farbgesättigte Postkarte aus einer Ära, in der Blockbuster noch bunter und weniger zynisch waren. Caple Jr. hat ein gutes Gespür für Zeitkolorit und er versteht, wie man Atmosphäre schafft. Und wenn dann ein Decepticon durch eine Mauer kracht, während im Hintergrund ein 90er-Hip-Hop-Track läuft, kann man sich dem Charme kaum entziehen. Das ist Popcornkino in Reinform – aber eben ohne den ganz großen Wow-Moment. Der Soundtrack dagegen ist ein echtes Highlight. Wer die 90er liebt, bekommt hier die volle Ladung serviert. Nas, Wu-Tang Clan, A Tribe Called Quest, LL Cool J – Hip-Hop-Geschichte trifft auf Roboterschlachten. Das sorgt für Energie, Stimmung und einen ganz eigenen Groove, der die sonst eher generische Story angenehm durchrüttelt.
Das Transformers-Franchise war nie für seine Figurenzeichnungen bekannt – und Rise of the Beasts bleibt dieser Tradition treu. Anthony Ramos macht als neuer Hauptdarsteller einen soliden Job. Er spielt sympathisch, mit einem Hauch Street Credibility und einer Bodenhaftung, die man inmitten der Metallgiganten durchaus zu schätzen weiß. Man kauft ihm ab, dass er ein Typ ist, der in dieser Roboterwelt irgendwie bestehen kann. Dominique Fishback hingegen bleibt erstaunlich farblos. Ihr Charakter – eine intelligente, aber blass geschriebene Wissenschaftlerin – wirkt wie ein dramaturgischer Pflichtpunkt: notwendig für den Plot, aber emotional irrelevant. Das Drehbuch gönnt ihr kaum Momente, in denen sie mehr sein darf als Stichwortgeberin. Das ist schade, denn ihr Charakter hätte Potenzial gehabt. Stattdessen bleibt sie eine Randnotiz zwischen dröhnenden Maschinen.
Die Transformers selbst hingegen sind – wie immer – die wahren Stars. Jede Schraube glänzt, jede Transformation knackt und surrt mit digitaler Perfektion. Die Spezialeffekte gehören, wenig überraschend, zur absoluten Spitzenklasse. Besonders die Maximals, allen voran Optimus Primal (mit der Stimme von Ron Perlman), bringen ein bisschen frisches Blut in die metallene Ahnenreihe. Visuell sind sie fantastisch umgesetzt – man kann sich kaum sattsehen an Fell, Metall und Mechanik. Die Kamera fängt die metallischen Giganten mit majestätischem Glanz ein, besonders in den Szenen in Peru zeigt Caple Jr., dass er ein Auge für spektakuläre Panoramen hat. Nur schade, dass sie trotz des Titels Rise of the Beasts erstaunlich wenig Screentime bekommen. Da war mehr „Rise“ versprochen, als tatsächlich geliefert wurde.
Fazit
Transformers: Rise of the Beasts ist wie ein alter Sportwagen mit neuem Lack: sieht glänzend aus, macht ordentlich Lärm, aber unter der Haube steckt dasselbe wie früher – nur etwas weniger Power. Man spürt, dass Caple Jr. hier ein Erbe verwaltet, nicht eine Vision erschafft. Wo Bay seine Filme inszenierte, als würde er mit einer Kamera auf einem Raketenwerfer sitzen, bleibt Caple Jr. kalkuliert. Das ist nicht schlecht – es ist nur weniger aufregend. Der Film versucht, die Reihe neu zu beleben, verheddert sich aber zwischen Nostalgie und Innovation. Die Action ist spektakulär, aber ohne Handschrift. Die Story ist solide, aber formelhaft. Die Figuren sind da, aber nicht unvergesslich. Kurz gesagt: Es gibt hier nichts, was man nicht schon gesehen hätte – aber immerhin sieht es wieder gut aus. Und mit dem 90er-Soundtrack im Ohr macht das Ganze dann doch erstaunlich viel Spaß.
Wer also zwei Stunden lang bunte Metallungetüme, Hip-Hop-Beats und ein bisschen Nostalgie sucht, wird solide unterhalten. Wer dagegen auf Innovation, Spannung oder emotionale Tiefe hofft, dürfte sich fragen, ob die Autobots vielleicht einfach mal ein paar Jahre Pause gebrauchen könnten. Rise of the Beasts ist Popcornkino ohne Allüren, aber auch ohne Ambition. Es glänzt, es dröhnt, es kracht – aber es bewegt kaum. Ein netter Ausflug in die metallene Nostalgie – mit Herz, aber ohne echten Funkenflug.