Im Jahre 1962 arbeitet Loretta McLaughlin (Keira Knightley) bei einer renommierten Bostoner Zeitung als Journalistin. Die 3fache Mutter würde sich gerne mit einer richtigen Story beweisen, muß jedoch vorerst mit wenig spektakulären Themen aus ihrer Lifestyle-Sparte vorliebnehmen. Während sie als Produkttesterin einen neuen Toaster bespricht, fallen ihr Berichte zu kürzlich begangenen Frauenmorden auf, in denen sie ein bestimmtes Prinzip zu erkennen glaubt. Obgleich die Kriminal-Sparte von einem dutzend Kollegen bearbeitet wird, macht sie sich mit großem Eifer daran, ihrer Vermutung nachzugehen - sehr zum Mißfallen ihres Chefs, der sie weiterhin in der Zeitgeist-Abteilung arbeiten sehen will.
Als Loretta einige mündliche Aussagen von ermittelnden Beamten beisammen hat, präsentiert sie ihrem Boss stolz ihr Ergebnis und kann diesen tatsächlich davon überzeugen, eine schlagzeilenträchtige Story daraus zu machen. Die Titelgeschichte vom "Würger von Boston" (der titelgebende Boston Strangler), der ältere Frauen erwürgt und mit einer Schleife um den Hals zurückläßt, schlägt auch einige Wellen, doch als der Bostoner Polizeichef in der Redaktion auftaucht und sich über den verursachten Wirbel beschwert, wird die Reporterin erst einmal von ihrem Chef eingebremst.
Ein weiterer ähnlicher Mord - der vierte dieser Serie - jedoch verschafft Loretta eine erneute Chance: zusammen mit der erfahrenen Journalistin Jean Cole (Carrie Coon) darf sie an einer Fortsetzung ihrer Reportage arbeiten. Dabei stößt sie nicht nur auf weitere interessante Indizien, sondern auch auf diverse Schlampereien bei der Polizei...
Im True-Crime-Thriller Boston Strangler verbinden sich Thrillerelemente mit derzeit sehr angesagten Frauenthemen: gegen das seinerzeit dominierende Patriarchat muß Hauptdarstellerin Loretta nämlich gleich in doppelter Hinsicht kämpfen - zum einen traut man ihr als Frau keine investigative Story zu, zum anderen benötigen ihre Recherchen derart viel Zeit, daß sie die Betreuung ihrer Kinder vernachlässigt und dies ihrem ebenfalls berufstätigen Mann überläßt. Beides höchst ungewöhnliche Verhaltensweisen Anfang der 1960er Jahre in den USA.
Regisseur Matt Ruskin jedoch gelingt der Spagat, einerseits das Thema Gleichberechtigung in den Vordergrund zu stellen, andererseits aber in fast gleichem Maße die Interessen der Krimi-Freunde zu bedienen. Dies liegt in erster Linie an der unaufgeregten Darbietung Keira Knightleys in der Rolle der Loretta, die an ihre Chance glaubt und beharrlich gegen alle Widerstände recherchiert, in zweiter Linie jedoch an der Komplexität der Mordfälle, die von arroganten Ermittlern über gekaufte Geständnisse bis hin zu verweigerter Kooperation zwischen verschiedenen Polizeibehörden reicht.
Boston Strangler hält sich zum Großteil an die historischen Fakten, ändert nur hier und da einen Namen und bietet mit der immer verworrener erscheinenden Mordserie auch reichlich Anknüpfungspunke für das bekannte und erwartete whodunit-Schema. Nebenbei enthält der Streifen auch Spitzen gegen die bereits damals üblichen Deals zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigern - beispielsweise die Vereinbarung, daß ein freiwilliges, umfassendes Mordgeständnis nicht vor Gericht verwendet werden darf und der Geständige stattdessen nur für zuvor begangene, geringfügigere Delikte angeklagt wird, wodurch sich die Hinterbliebenen der Mordopfer mehr als nur verprellt fühlen.
Während Loretta mit ihren Recherchen und dem von ihr geprägten Namen Boston Strangler immerhin eine Karriere als vielbeachtete, investigative Journalistin begründet, bleibt jedoch die nüchterne Erkenntnis, daß die Mordserie, der zwischen 1962 und 1964 13 Frauen zum Opfer fielen, am Ende weitgehend unaufgeklärt blieb - nach dem gewaltsamen Tod eines aussagewilligen Zeugen und zwischenzeitlich mehreren Büchern zum Thema gelang übrigens erst 2013 mittels DNA-Probe eine halbwegs schlüssige Klärung eines einzigen der 13 Morde.
Keira Knightley weiß als ebenso zielstrebige wie dezente Journalistin die Sympathien schnell auf ihre Seite zu ziehen; unterstützt von einem ausgewogenen Drehbuch, welches das Thema Emanzipation ohne die heutzutage übliche Larmoyanz zu präsentieren weiß, ergibt sich - trotz fehlender Auflösung - ein interessanter Krimi, dessen fast 2 Stunden Laufzeit kaum Längen aufweist: 7 Punkte.