Review

Staffel 1

Sein fußballerisches Talent bringt dem jungen Berliner Kicker Momo Kaval (Xidir Koder Alian) eine Einladung vom Bundesligisten Hertha BSC - eigentlich eine tolle Geburtstagsüberraschung für den jungen Libanesen, der heute allerdings lieber mit seiner deutschen Freundin allein feiern will und selbst der von seiner alleinerziehenden Mutter Amira (Jasmin Tabatabai) mit Luftballons und Kerzen dekorierten kleinen Geburtstagsparty auszuweichen sucht. Dummerweise sprechen ihn draußen zwei Cousins an, die ihn abends bei einer anderen Party dabeihaben wollen - eine Einladung, der sich der junge Sportler nicht entziehen kann. Die Party dort endet allerdings mit einer Messerstecherei und der Festnahme Momos.
Kurz darauf findet sich der Nachwuchskicker im Gerichtssaal wieder und muß zu seinem großen Entsetzen feststellen, daß ihn die eigenen Cousins der Urheberschaft der Gewalttaten beschuldigen, und so empört er auch im Gerichtssaal tobt, ändert dies nichts daran, daß er zu 9 Jahren Haft verurteilt wird.
Im Gefängnis dann verändert sich Momo: beteuert er zu Beginn noch seine Unschuld und will mit den dortigen kriminellen Kreisen (u.a. aus seinem eigenen Familienclan), die ihn mehr oder weniger direkt umwerben, nichts zu tun haben, muß er einsehen, daß es allein zum Schutz seiner eigenen Person auf Dauer besser ist, sich auf eine Seite zu schlagen. So erhält er auf Vermittlung einen durchaus begehrten Posten im Küchenteam der Anstalt und darf später auch beim Fußballteam mitspielen. Die Beziehung zu Freundin Dani (Lulu Hacke), die sich vorgenommen hat, auf ihn zu "warten", leidet allerdings unter der langen Trennung, bis Momo sie dazu instrumentalisiert, Drogen von draußen ins Gefängnis zu schmuggeln - mittels dieser gelingt es ihm, sich im Lauf der Zeit auch selbst ein wenig Respekt zwischen verfeindeten Mitgefangenen, korrupten Wärtern und einer durchgeknallten Direktorin zu verschaffen. Doch bald schon wird er in einen eskalierenden Streit zwischen seinem Clan und einem Zuhälter hineingezogen, die von draußen die Fäden im Knast ziehen...

In den 3 Staffeln von 4 Blocks war Kida Khodr Ramadan in der Hauptrolle zu sehen, in der für die ARD-Mediathek produzierten Kurz-Serie Asbest führte der Deutsch-Libanese nun selbst Regie. Prinzipiell in den gleichen kriminellen Gefilden - Clan-Kriminalität - angesiedelt, vermag der Fünfteiler jedoch kaum zu überzeugen - zu wenig ausgefeilt sind die Hauptcharaktäre, zu klischeehaft die Nebenfiguren, zu undurchsichtig die Handlung. Dazu kommt ein wenig gelungenes Timing, bei dem für den Plot wichtige Handlungen viel zu kurz abgehandelt werden sowie eine Dialogregie, die größtenteils von einer zur anderen Peinlichkeit springt.

Vermag man dem naiv-unschuldigen Kicker in den ersten beiden Episoden noch halbwegs zu folgen, stellt sich schon bald die Frage, wieso ein hoffnungsvolles Fußballtalent vom eigenen Clan derart in die Scheiße geritten wird - könnte er doch bei einem deutschen Bundesligisten ggf. viel mehr erreichen als in der für ihn vorgesehenen Rolle eines Drogenverteilers im Knast. Doch diese Frage stellt die Serie gar nicht. Vielmehr ergeben sich im Lauf der Zeit immer größere Differenzen einerseits zwischen Momos Onkel Amar (Stipe Erceg), der die kriminellen Clan-Geschäfte noch ausweiten will und Momos Mama Amira, die als eine Art Mutter Courage auftritt und einfach nur Angst um ihre Söhne hat, von denen der eine bereits im Knast sitzt, während sie selbst - an einer Supermarktkassa tätig - ihre bescheidene, nicht-kriminelle Existenz verteidigt.
Diesen beiden (übrigens starken darstellerischen Leistungen von Erceg und Tabatabai) stehen einige holzschnittartige Nebenfiguren gegenüber, von denen Anatole Taubmann in seiner Comic Relief-Rolle als korrupter Beamter Stoltz (noch mehr als die tablettensüchtige Gefängnisdirektorin) den Vogel abschießt: hier gleitet die Serie teilweise in Richtung Komödie ab. Auch Kurzauftritte von Detlev Buck (als lebenslang verknackter ehemaliger Bombenbauer) und des unvermeidlichen Frederick Lau (als nervöser Verschwörungstheoretiker) tragen nicht unbedingt zu einem glaubhaften Bild des Gefängnisalltags bei, von einem wie ein Alkoholiker wirkenden Hauptermittler, der Gratisnummern bei den Nutten des zwielichtigen Clubbesitzers Wetzel (Wotan Wilke Möhring) konsumiert, einmal ganz abgesehen. Und über all diesen Figuren schwebt dann Regisseur Kida Khodr Ramadan in seiner Rolle als einäugige graue Knast-Eminenz "der Kurde", der mit wenig Screentime und noch weniger Worten alles zu dirigieren scheint. Authentisch? Wohl kaum.

Vielleicht ist die Serie mit nur 5 Teilen zu je etwa 40 Minuten auch einfach zu kurz geraten, um einen Draht zu den Filmcharaktären, dessen Gros sich weitgehend im Bereich Unsympathler bis Arschlöcher bewegt, aufzubauen, vielleicht liegt es auch daran, daß Asbest, dessen überhastetes, offen gelassenes Ende eine 2. Staffel nicht ausschließt, im Grunde nichts anderes als eine riesige Abwärtsspirale darstellt. Trübe Einblicke in den trüben Alltag einer trüben Gesellschaft: 4 Punkte.

Details
Ähnliche Filme